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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 21 (1928) Richter und Narr · p. Seite 86

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
21 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 21 Manoa antwortete nicht. Simson lächelte und deutete auf Hazlelponi, die weit vorne auf ihrem Esel ritt und Machbonai irgend etwas mit Eifer auseinandersetzte: „Ich werde sie ausfragen,“ sagte Simson, „eine Frau erzählt alles.“ Da wandte sich Manoa plötzlich seinem Sohne zu und sagte in scharfem Tone, ohne zu stocken, fast befehlend: „Sprich nie mit der Mutter hiervon und von jenem Diener, auch mich frage nicht aus.“ Simson sah ihn erstaunt an. Verwirrt durch den für ihn selbst ungewohnten Zornausbruch, senkte der Vater wieder seinen Blick und fügte, fast nur mit sich selbst redend, hinzu: „Ein jeder Mensch hat seine Ummauerung; man soll nicht hinter sie schauen.“ Simson nickte, und sie sprachen nichts mehr. * * * Als Timnata bereits in Sichtweite lag, machten sie halt, um sich den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen und den Staub von den Kleidern zu schütteln. Die Schakale stellten sich im Viereck, in Reihen zu fünf auf. Aus Timnata kam ihnen eine Reitergruppe entgegen: vorne einige Mann zu Roß, die übrigen auf Maultieren oder Eseln. An der Spitze der Philister ritt Achtur. Heransprengend ließ er sein Pferd aufbäumen, glitt von ihm herab und ging auf Manoa und Hazlelponi zu. Die Rechte mit dem Handteller nach außen an die Brust legend, verneigte er sich tief und sagte: „Die Häupter von Timnata haben mich und meine Kameraden entsandt, um euch an der Grenze des Philisterlandes zu begrüßen. Sie geboten mir, euch diese Worte zu übermitteln: Von Osten und Westen kamen nach Kanaan zwei königliche Völker, Caphtor aus dem großen Meer, Israel aus den großen Wüsten; und die Götter teilten zwischen ihnen dieses Land, machten ihnen seine Völker untertänig und befahlen Dan und Ekron, ewigen Frieden zu wahren. Zum Zeichen dieses Friedens ist zu uns ein Held aus einem der Häuser Dans gekommen, der Sohn des weisen Oberhauptes von Zora; und wir geben ihm das schönste aller Mädchen aus der ganzen Tyrannie von Ekron, eine Tochter uralten Stammes, deren Großväter schon in den Tagen der Inselkönige Führer waren, Ägypten im Süden und Lud im fernen Norden unterwarfen. Ich verneige mich bis zur Erde vor dir, Herr, und vor dir, Herrin, und vor dir, Simson, meinem Herzensfreund, und vor deinen tapferen Gefährten; diese Jünglinge, die mit mir gekommen sind, werden eure Brüder sein von nun an bis in alle Ewigkeit.“ Als er geendet hatte, sahen er und sein ganzes Gefolge Manoa an. Dieser erriet, daß er hätte antworten sollen, und wurde sehr verlegen, da er sich nicht aufs öffentliche Reden verstand. Achtur begriff das sofort und fand sogleich mit der Anmut des wohlerzogenen Mannes einen Ausweg aus der schwierigen Lage: „Bemühe dich nicht um eine Antwort, hochedler Manoa: du bist müde von der Reise; später, beim Schmaus im Hause Bergams, werden die Häupter Timnatas deine weisen Worte anhören. Jetzt aber lasset mich unseren alten Freund Simson umarmen.“ Achtur und Simson umarmten sich herzlich, wobei Achtur ihm lachend ins Ohr flüsterte: „Bösewicht, du hast uns die Schönste der Schönen genommen, und niemand beneidet dich so wie ich. Aber so ist es nun einmal: dem besten Schützen die beste Beute! Viel Glück!“ Simson lächelte breit und sorglos. Die Gefechte mit Benjamin, die Gespräche mit Kami, mit dem Vater, mit Elinoar — das alles war in seiner Erinnerung spurlos zerronnen. Hier, auf philistäischem Boden, war er von Kind auf gewohnt, das Spiel des Lebens ohne Frage und Unruhe zu spielen. Neuntes Kapitel Honig Vor Tagesanbruch noch verließ Simson leise Achturs Haus. Seine Eltern und das Gefolge hatte der Vater der Braut bei sich untergebracht; der Bräutigam aber mußte der Sitte gemäß vor der Hochzeit unter einem anderen Dache übernachten. Simson hatte nur den Knaben Nechuschtan in sein Nachtquartier mitgenommen, zur großen Betrübnis Jahirs, der bis dahin stets bei den Streifzügen sein persönlicher Waffenträger gewesen war. Kaum hatte sich Simson auf dem Flur gezeigt, als auch schon der Knabe von irgendwo herausgeschlüpft kam. „Du hast ein scharfes Gehör“, sagte der Nasiräer. „Ich bin Hirte,“ erwiderte der Knabe, „selbst im Schlaf höre ich die Schlange im Grase am anderen Ende des Feldes; auch höre ich das Rascheln der Morgenröte, wenn sie am Himmel emporklettert.“ Simson suchte in seinem Beutel, nahm einen Feuerstein und einen Eisensplitter heraus, nickte, legte beides wieder an seinen Platz zurück und band die Riemen des Beutels wieder zu.

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