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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 21 (1928) Richter und Narr · p. Seite 88

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
21 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 Komanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 21 vor kurzem eine andere zu ihm gesagt hatte. Aber er schüttelte seine Zöpfe und rief sorglos aus: „Bei den Philistern ist es anders: aus dem Grausamen kam Süßes!“ Das Mädchen hob plötzlich den Kopf, begegnete seinem Blick und senkte sofort die Augen. Dann sagte sie nachdenklich: „So also denkst du über sie ... Wer weiß?“ Sie gelangten bei der Senke an, in der Simson den Panther erwürgt hatte. Sein Gerippe lag sauber abgenagt auf der gleichen Stelle, es war teilweise mit Fetzen des Felles bedeckt, das zusammengeschrumpft, hart, schwarz und rindenartig geworden war. Über dem Gerippe summten friedlich kleine wilde Bienen. „Das hier ist mein Geschenk,“ erklärte Simson, „ich kann von dem Honig sagen, daß er aus meinem eigenen Bienenstock stammt.“ „Hast du den Panther getötet? Schon lange her?“ „Erinnerst du dich noch des Morgens, da bei euch im Teich noch Wasser war?“ sagte er, sie listig, jedoch arglos von der Seite ansehend. Sie wurde tiefrot, senkte den Blick und sagte leise: „Ich war damals wahnsinnig. Und kürzlich im; Hain ebenfalls. Ich werde nicht wieder so sein, Tajisch.“ Jetzt hatte sie sich endgültig in sein Herz eingeschlichen. Mit den ebenmäßigen Zähnen blitzend, lachte er vergnügt und klopfte sie von neuem auf die Schulter. Alle ihre vorhergehenden Ausfälle waren offenbar Streiche einer Halbwüchsigen gewesen, jetzt aber war sie plötzlich erwachsen und klug geworden. — Sie standen am Abhang. Nechuschtan ließ sich den Hang hinabgleiten und begann Reisig zu sammeln. Elinoar folgte ihm nach, um ihm zu helfen. Er sagte zu ihr: „Pflücke frische Zweige, Herrin: dann wird es mehr Rauch geben.“ Simson setzte sich am Abhang hin, sah zu und mischte sich nicht ein. Der Knabe schichtete das Reisig, etwa zwanzig Schritte vom Panthergerippe, in einem langen Streifen auf. Obenauf schüttete er eine dünne Schicht grüner Zweige und befahl dem Mädchen: „Gehe jetzt und setz’ dich neben Simson — doch wirf mir vorher sein Feuerzeug herunter.“ Er zündete den Reisighaufen von zwei Enden her an, überzeugte sich, daß das Feuer gut brannte und schritt dann auf das Gerippe zu. Anfangs ging er schnell, aber einige Schritte vor der .Behausung der Bienen blieb er regungslos stehen. Eine kleine Kundschafterabteilung der Bienen flog ihm entgegen. Wie festgebannt stand er da, während sie um seinen Kopf kreisten. Plötzlich machte er einen Schritt nach vorne und blieb wieder wie erstarrt stehn. Die Bienen schwirrten zur Seite, kehrten aber sofort wieder zurück, es waren ihrer jetzt schon bedeutend mehr. Eine Minute darauf machte Nechuschtan wieder einen Schritt und erstarb wieder; dann wieder und wieder. Jetzt stand er bereits mitten in einer dichten Wolke goldschimmernder dunkler Punkte. Von allen Enden der Senke her kamen die alarmierten Bienen geflogen. Das erregte Summen klang deutlich bis zu Simson und Elinoar herüber und hatte manchmal Ähnlichkeit mit dem unterdrückten Brummen eines großen Tieres. „Sie werden ihn fressen“, flüsterte das Mädchen beunruhigt, sich an Simsons Arm schmiegend. Er antwortete nicht, aber man sah es ihm an, daß auch er unruhig war. Nechuschtan stand bereits dicht neben dem Aas. Durch den Bienenschleier sah man, wie er sich plötzlich mit einer ruckartigen Bewegung vorneigte, als klappte er mitten zusammen. Da wurde das Summen noch lauter, wie das Rauschen eines Flüßchens; der Schwarm verdichtete sich zu einer Masse, wich dann zurück und wurde loser. Wieder sahen sie den Knaben; er stand bereits mit dem Gesicht zum Abhang, blaß, mit fest zusammengepreßten Lippen. Er hielt die Hände mit den Honigwaben hoch über dem Kopfe erhoben. Die Bienen kreisten jetzt darum herum, bedeckten die Waben von allen Seiten, aber man sah, daß keine von ihnen seine Hände oder sein Gesicht berührte. Auf die gleiche Weise, Schritt für Schritt, zog er sich wieder zurück. Ein Teil der Bienen stürzte zurück zum Bienenstock, um den Verlust zu prüfen, die übrigen aber begleiteten den Räuber. Der war jetzt nur noch zehn Schritte vom Feuer entfernt. Das trockene Reisig knisterte im lodernden Feuer, und von den feuchten Zweigen stieg hoher Rauch auf. Plötzlich beugte sich der Knabe zur Erde, nahm Anlauf und sprang über das Feuer. Wie hinter einem Meteor erstreckte sich hinter ihm ein Schweif abfallender Bienen. Jenseits des Feuers betrachtete er aufmerksam seine Beute und kletterte den Abhang hinauf. Hilflos und ungeordnet kehrten die Bienen zu ihrem ausgeplünderten Bau zurück. — Elinoar klatschte in die Hände: „Wer bist du — Baal-Sebub selbst oder sein Sohn?“ fragte sie, die duftenden Waben reinigend und sie in ihr weißes Kopftuch wikkelnd. — Nechuschtan, immer noch blaß, drehte linkisch den Hals hin und her und rieb sich den Nacken. (Fortsetzung folgt)

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