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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 21 (1928) Richter und Narr · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
21 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ RICHTER UND NARR VON ALTALENA (Wladimir Jabotinsky) (Copyrigih by Mayer & Jessen, München) 9. Fortsetzung „Ich habe sie kürzlich belauscht. Es war in der Nacht, an jener selben Stelle, wo ich sie damals mit dir antraf. Achtur fragte sie: Für immer, wahrhaftig? Sie aber lachte — du kennst sie doch, sie lacht immer — und antwortete: Wer liebt, kann warten. Beim Abschied küßten sie sich, und dieser Kuß war endlos lang.“ Zorn bemächtigte sich Simsons. Nicht über Semadar und Achtur, sondern darüber, daß Elinoar ihm dies hinterbrachte. Hätte sie nicht geweint, so hätte er sie geschlagen. So aber antwortete er einfach: „Auch ich liebe die Tiere — außer der Hyäne. Die Hyäne schleicht sich durch die Nacht und hält Ausschau, wo ein Aas liegt. Ich belausche niemanden und lasse es auch nicht durch andere tun.“ „Du glaubst mir nicht!“ „Ich habe deine Worte nicht gehört. Was nicht für mein Ohr gesagt ist, geht mich nichts an.“ „Du wirst sie heiraten! Und Achtur wird dein Freund bleiben!“ Sie stampfte mit den Füßen, ballte die Fäuste und schrie in höchster Raserei: „Oh, ich kenne dich! Du wirst in ihrem Zimmer einschlafen und schnarchen; sie aber wird sich in den Garten schleichen, wo Achtur sie erwartet. Am nächsten Tage aber wird Achtur im Würfelspiel eine Handvoll Silber an dich verspielen, und ihr werdet alle drei zufrieden sein!“ Jetzt waren bereits keine Tränen mehr in ihrer Stimme; das löste Simsons Hände. Schweigend, ohne Anstrengung, schlug er sie mit der flachen Hand ins Gesicht. Sie wankte etwa zehn Schritte zurück und fiel zwischen den Oliven nieder, indes Simson den Seinen nacheilte. „Was sind sie für ein Volk, diese Avviter?“ fragte er, als er den Vater von neuem eingeholt hatte. „In unserem Lande bekommt man sie nicht zu sehen. Schlimmes Gesindel, denke ich!“ „Auch ich kenne sie wenig,“ sagte Manoa langsam, indem er unruhig auf dem Esel hin- und herrückte, „sie leben an der Küste. Doch warum ... sollten sie schlimm sein?“ Simson zuckte die Achseln. Er hatte keine Lust, sich zu erklären. „Ich habe einmal“, fuhr Manoa wieder auf dem Esel herumrutschend fort, „einen Diener aus dem Volke der Avviter gehabt. Es ist lange her ... es war noch vor deiner Geburt. — Er war ein guter Diener.“ Simson glaubte aus dem Ton seiner Stimme etwas Sonderbares herauszuhören, als wäre Manoa ein wenig aufgeregt gewesen. Er richtete die Augen auf den Vater und sah, daß er seiner Gewohnheit nach die Narbe auf der Stirn zerstreut mit den Fingern rieb. „Vater,“ fragte Simson, „was hast du da für eine Narbe, und woher kommt sie?“ Manoa hörte auf, im Sattel umherzurücken, ließ die Finger von der Stirn und blickte lange zu Boden. Dann sagte er unschlüssig und sehr leise: „Das ... da hat mich einmal ein Mann verwundet.“ „Du hast mir nie davon erzählt“, sagte Simson. „Wie kam das? Und wann war es?“ Der Vater schwieg erst wieder eine Weile und antwortete dann ausweichend: „Es ist schon lange her ... es war noch vor deiner Geburt.“ „Ebenfalls vor meiner Geburt?“ fragte Simson stehenbleibend, und plötzlich bemächtigte sich seiner der Unwille des Argwohns bei dem neuen Gedanken: hat etwa jener Diener, der Avvite, seine Hand gegen dich erhoben? „Nein, nein,“ sagte eilig der Vater, „o nein. Im Gegenteil, er beschützte mich. Er ... wir beide zusammen ...“ Manoa wurde ganz verwirrt, machte eine abwehrende Handbewegung und sprach zu Ende: „Er war ein treuer Diener, jener Avvite.“ Simson hatte aufmerksam zugehört. „Wo ist er? Ist er tot?“ „Ich ... schenkte ihm die Freiheit“, stammelte Manoa. „Und wer hatte euch überfallen?“

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