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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 19 (1928) Richter und Narr · p. Seite 79

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
19 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ 79 lelponi und Manoa nicht zu deinem Vater kommen.“ „Ich kann nicht in Rätseln reden. Ich will deine Frage selbst aussprechen: werde ich deine Frau sein?“ „Ja, das ist meine Frage.“ „Ich aber frage: wirst du mein Mann werden?“ „Du bist ein weises Mädchen. Frag’ weiter.“ „Du ziehst morgen mit zwanzig Kameraden ins Land Benjamin; Benjamin ist stark und listig. Vorigen Herbst verschwandet ihr eine ganze Woche lang im Lande der Jebussiter; meine Mutter weinte schon um Jahir. Wird Karnis Mann Simson, der Vater ihres Erstlings, ebenfalls die Wege Simsons, des Anführers der Schakale, gehn?“ „Frage weiter.“ „Wer bist du eigentlich? Wir kennen dich und kennen dich nicht. Es sind sonderbare Gerüchte über dich im Umlauf. Du streifst mit deinen Kameraden durch das Land Dans, Benjamins und Jebus; nach Timnata und Ekron aber gehst du stets allein. Ist es also wahr, daß deine Freunde dort sind?“ „Es ist wahr. Weiter?“ „Sonderbare Gerüchte sind über dich im Umlauf: du könnest singen, tanzen, scherzen und lachen — nur in Zora könntest du es nicht. Ist das wahr?“ „Frage weiter.“ „Wer sind deine Freunde in Timnata? Mit wem bist du dort so vergnügt? Ist es wahr.“ „Was?“ Simson sah durch den Schleier ihren Blick, der jetzt ebenso allwissend war wie der seine. „Ist es wahr, daß die philistäischen Mädchen schön sind und nicht schüchtern? Daß sie Laute spielen, in Seide rascheln, klingende Ohrgehänge tragen, Lippen und Brauen schminken und — sich vor nichts fürchten?“ „Es ist nicht alles wahr,“ sagte Simson, „aber fast alles.“ „Wenn du ein Haus für mich baust, wo wird dann deine Freude sein: inunserm Hause oder jenseits der Philistergrenze? Weiter habe ich nichts zu fragen.“ Simson ging lange Zeit schweigend neben ihr her und blickte vor sich hin, doch sah er nur sie. Sie war schöner und stattlicher als alle anderen Frauen, deren er sich erinnerte. Ihr Gang, ihr erhobenes Haupt hatte etwas von der sicheren Gangart, von der königlichen Haltung des hochmütigsten Geschöpfes der Welt — des Kamels. Überdies aber ahnte er mit ganzer Seele in ihr eine zähe Willenskraft, wie sie ihm noch nie begegnet war. „Zwei Fragen — zwei Antworten“, sagte er schließlich. „Ich bin ein Nasiräer. Im Jahre des Erdbebens kam ein Bote Jehovas zu meiner Mutter und bestimmte mich für ein Werk, dazu mir Kraft in den Schultern gegeben ward und die Macht, Menschen zu beherrschen. Hart hat es unser Stamm ohne einen Beschützer und Rächer. Dies ist das Leben, das mir bestimmt wurde, und das läßt sich nicht ändern.“ „In einem Jahr,“ antwortete sie mit einem Schluchzen in der Stimme, „oder in zwei oder drei Jahren, da dein Weib an der Wiege stehen wird, wird man ihren Mann mit zerschmettertem Haupte zu ihr bringen.“ „Ich weiß es nicht; das ist nicht meine Sache, sondern die deine — wähle. Doch höre die zweite Antwort an: Ja, meine Freude ist in Timnata, und auch meine Freunde sind dort; in Zora habe ich keine Freunde und werde dort auch nie welche haben. Wenn wir aber ein Haus bauen, werde ich von Timnata für immer Abschied nehmen. Es wird mich nicht mehr als Gast sehen; wenn es mich sehen wird, so doch nicht als Gast, sondern als Vernichter — irgendeinmal. Und jede meiner Nächte, die ich nicht im Felde verbringe, wird von mir in deinem Hause zugebracht werden.“ „Und scherzen und singen und lachen wirst du in meinem Hause?“ Simson antwortete nicht. „Ein Krieg genügt Simson noch nicht,“ fuhr Kami bitter fort, „er braucht ihrer zwei. In den Bergen wird er mit den Feinden Krieg führen, zu Hause — mit sich selbst.“ Simson sagte wieder nichts. „Wozu brauchst du mich — gegen solch ein Brautgeld?“ fragte sie fast tonlos. „Weil du — du bist. Es ist wahr, daß die philistäischen Mädchen spielerisch sind wie kleine Kätzchen oder wie der Sonnenstrahl auf den Wellen des Baches, — und ich liebe ihr Spiel. Das aber, was in dir ist, ist süßer als ihr Spiel und "des Brautgeldes wert.“ „Bitternis wird aus dem Süßen hervorgehen. Bald wird der Abend kommen, da du, bei mir sitzend, den Kopf nach Timnata wenden und dich alles dessen erinnern wirst, was ich nicht in mir! habe.“ „Wenn du mit mir sein wirst, werde ich mich nicht mehr nach Timnata werden.“ „Dein Herz wird sich hinwenden, und das werde ich fühlen. Ich höre auch jetzt vieles, das du nicht sagst, denn ich liebe dich.“ Sie sagte das ganz schlicht, aber Simson war es, als hätte der Blitz eingeschlagen oder als wäre ihm etwas Glühendes aufs Haupt gefallen. Er blieb stehen und verriet, der nachfol-

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