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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 16 (1928) Richter und Narr · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
16 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' 67 leicht angeheftet; noch einmal richtete er sich auf den Hinterfüßen auf und warf sich auf den Rücken, um den auf ihm reitenden Teufel zu zerdrücken; aber schon würgten Simsons Finger von zwei Seiten her seine Kehle. Bald verstummte auch das Knurren und Heulen; man vernahm nur noch das Röcheln des erstickenden Tieres, das bedrohliche Schnaufen des Menschen mit zusammengepreßtem Munde und die gleichmäßigen, dumpfen Schläge des langen Schweifes. Als Simson sein Werk vollendet hatte, richtete er sich auf, befühlte die zerfleischte Wade und entfernte sich hinkend, um Schwert und Börse zu holen. Das Schwert las er irgendwo im Gestrüpp auf und trug es auf den vorgestreckten flachen Händen zum Panther zurück, wobei er die glänzende gravierte Schneide mit verächtlich vorgeschobener Unterlippe betrachtete. Seine Meinung teilte er dem Panther mit folgenden Worten mit: „Es hat sich gar nicht verlohnt zu stehlen, und es tut mir nicht leid, das Ding zurückzugeben.“ Die Sonne stand schon ziemlich hoch. „Es ist schon spät,“ sagte er zu dem Panther. „Ich würde dein Fell mitnehmen, doch habe ich keine Zeit — diese Trunkenbolde werden ja bald erwachen.“ Er ging wieder den gleichen Weg zurück und las unterwegs Mantel, Mütze und Schwertscheide auf. Bald gelangte er wieder bei dem Teich an — es war dort niemand zu sehen; er ging für einen Augenblick bis ans Knie ins Wasser, denn seine Wunden schmerzten heftig, und eilte dann weiter. In den philistäischen Häusern tummelten sich bereits geschäftig die Sklaven; in der Schmiede dröhnte der Hammer und schnauften die Bälge; der Vorort war erfüllt vom Lärm des Bettlertages, und in allen Straßen trieben sich Hunde herum. Am Zaun der Buhlerin traf er einen der Neger, gab ihm das Schwert und sagte: „Übergib diese Latte dem Chanosch aus Ekron; biete ihm in meinem Namen eine neue Wette an: er mit dem Schwert bewaffnet, ich ohne Schwert — und ich werde ihm die Ohren ausreißen.“ Der Schwarze grinste, indes Simson, die Stimme einer Lerche nachahmend, vor sich hin flötete und den nach Zora führenden Weg einschlug. Viertes Kapitel Göttliches Frau Hazlelponi war eine üppige, ziemlich gut erhaltene, fünfunddreißigjährige Frau: nach heutigem Maßstabe geurteilt, sah sie nicht älter als fünfzig aus. Ihr Haus stand etwas abseits am Rande von Zora, an der Stelle, wo der Weg sich ins Tal senkte: genauer genommen, war es nicht einfach ein Haus, sondern ein Gutshof mit allerhand Nebengebäuden. Im Hof machten sich etwa zehn Personen, männlichen und weiblichen Gesindes, zu schaffen. Als der Levit Machbonai an der Hofschwelle halt machte, war die Hausherrin gerade damit beschäftigt, einen der Knechte zu ohrfeigen, und man sah und hörte, daß dies auf den stämmigen Eingeborenen starken und ernsthaften Eindruck machte. Auf Machbonai desgleichen. Er wartete ab, bis sie fertig war, und trat erst dann zu ihr heran, räusperte sich höflich, stellte sich vor, berief sich auf Simson („ich begegnete deinem frommen Sohne in einer ehrbaren Familie jenseits des Tales, Gnädige“) und brachte sein Anliegen vor. Hazlelponi musterte ihn aufmerksam vom Kopf bis zu den Füßen; sie betrachtete auch den Esel und schien mit den Augen die Saumlast nicht nur auf ihr Gewicht, sondern auch auf ihren Inhalt zu prüfen. Das alles tat sie nur aus Hausfrauengewohnheit, denn sie erkannte sofort an der Sprechweise des Gastes, daß er ein gebildeter Mann war und sich folglich nicht unbegründet für einen Leviten ausgab. Nach zwei bis drei Fragen führte sie ihn in ihren kleinen Götzentempel. Da standen unter einem schrägen Dach auf sauber gefegtem Boden Götzenbilder von verschiedenster Größe auf steinernen Sockeln. Ein Archäologe unserer Zeit hätte die Hälfte seines Lebens für eine halbe Stunde Aufenthalt in diesem Heiligtum hergegeben. Die Daniten waren von Natur Vagabunden und Beutemacher, trieben sich im ganzen Lande herum, viele von ihnen machten Matrosendienst in Jaffa und Dor; sie hielten es offenbar für ihre Pflicht, der Frau des Manoa, der vornehmsten Dame der Hauptstadt, von jeder Reise irgendeinen göttlichen Gegenstand mitzubringen, und so spiegelte die Kollektion in ihrem Tempel die Glaubensbekenntnisse ganz Kanaans, Transjordaniens, der Wüste,^ des Libanon, der Mittelmeerküste und der Ägäischen Inseln wider. Da waren gehörnte Astarten, Astarten mit Tauben, nackte Astarten — jedoch nachträglich bekleidet mit einem Hemdchen; da war eine Göttin mit einem Kreuz ln der Hand, eine andere wieder mit krausem Bart; ein kleiner Götze mit Fischschwanz; zwei oder drei Götzen mit Bocksbeinen, spitzen Ohren und kleinen Hörnern; ein Kalb mit abblätternder Vergoldung und einem Türkis in der Stirn; ein dicker sitzender Mann mit großem nacktem Bauch und riesigen Kiefern an dem übermäßig großen Kopf; ein geflügeltes Mädchen mit offenem

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