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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 16 (1928) Richter und Narr · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
16 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' auf dem schmalen Felsvorsprung vor der Öffnung zeigte sich ein Panther. Lange sahen sie sich schweigend an; der Panther bemühte sich, die getroffene Stelle über der Nase mit der Zunge zu erreichen und schlug sich mit dem langen Schweif um die Flanken. Während er mit der Zunge arbeitete, wandte er den Kopf mit gestrecktem Halse leicht hin und her, behielt jedoch dabei den Menschengegner unausgesetzt im Auge. Er knurrte zwar nicht mehr, doch klang selbst sein Schnurren, das jetzt deutlich zu hören war, wie das Echo eines sehr fernen Donners. „Du dummes Vieh,“ sagte Simson, „das Böckchen habe doch ich angebunden!“ Der Panther schnitt eine Fratze, riß den zwei Handbreiten weiten Rachen auf, rührte sich aber nicht vom Fleck. „Gestern,“ fuhr Simson fort, „gegen Abend, führte ich es her und band es an, als du nicht hier warst. Damit du dich satt frißt und nicht zu früh fortgehst. Du dummes Vieh!“ Der Panther knurrte mit tiefer Kehlstimme. Der Baß dieses Mannes mißfiel ihm; aber das Tier war satt und vernünftig. — Da schwang Simson das Schwert, daß es unheimlich durch die Luft pfiff: „Ich habe beschlossen, Barbier zu werden; jetzt übe ich mich in der Handhabung dieses Rasiermessers — der erste Versuch soll dir gelten! Spring zu!“ Plötzlich wandte der Panther den Kopf zur Seite; er zog die Krallen ein, und Simson erkannte am Spiel seiner Muskeln, daß er sich anschickte, aus der Senke zu entfliehen. „Durchbrennen?“ schrie er, das Schwert fortschleudernd und einen Stein ergreifend. Ehe jedoch der Stein das Tier erreichte, hatte es schon die Herausforderung angenommen, brüllte auf, sprang vom Felsvorsprung herab und schwang sich, die Erde kaum berührend, auf den Felsblock zu Simson hinauf. Dieser hatte gerade noch Zeit, das Schwert aufzuheben und mit aller Kraft einen Hieb gegen den zähnefletschenden roten Rachen zu führen. Doch war er noch unerfahren in diesem Handwerk — der Panther prallte zur Seite, und der Schwerthieb traf, bedeutend weiter unten als beabsichtigt, seine Schulter, nur mit der flachen Spitze und nur mit der Hälfte seiner wahren Wucht. Immerhin war es der Hieb eines starken Mannes. Der Panther heulte auf, glitt vom Fels auf die Erde herab und blieb dort mit erhobenem Kopf, immer wieder von neuem knurrend, liegen, Simson sah, daß er sich wieder sprungbereit machte. „Dies Spielzeug ist gänzlich unbrauchbar“, sagte er mit Widerwillen zu dem Panther. „Ich will es lieber nach der alten Art versuchen!“ Nr. 16 i " i | Simson schleuderte die Waffe tief in die; Schlucht hinein und kauerte sich sprungbereit i zusammen. Beide Pranken vorstreckend, j bäumte sich der Panther blitzschnell auf, im | gleichen Augenblick aber riß Simson das Säcki: chen aus dem Gurt und warf seinen Inhalt i dem Raubtier geschickt in die Augen. Scharj fer Senfgeruch verbreitete sich; der Panther ■; heulte auf und schlug mit beiden Pranken i: blind in die Luft, — aber schon setzte Simson j| in hohem Bogen über seinen Kopf hinweg, ij machte im Springen eine Drehung, um beim 1 Niederfallen dem Raubtier mit dem Gesicht I zugewandt zu sein, und stürzte sich ihm, kaum | hatte er die Erde berührt, sofort in den Rükä; ken. Alles weitere war für ihn eine gewohnte und, da das Schwert ihn nicht mehr behin- ' derte, auch einfache Sache. Er steckte die :> Hände dem Panther durch die Achselhöhlen und verschränkte sie in seinem Genick; die | Füße schob er ihm unter die Hinterbeine und g klemmte sie in seinen Kniekehlen fest. Das alles glückte ihm nicht gleich, obwohl er ge- \[ schickt und schnell handelte. Der Panther Ij fand noch Zeit, mit der linken Vorderpfote ' nach hinten auszuholen. — Simson konnte sie i gerade noch dicht über der Wurzel der krallij gen Pratze mit der Hand auffangen und ■ mußte seinen Ellbogen lange und vorsichtig;j drehen, bis er wieder unter der Achsel an- :j langte; darauf warf er mit der Schnelligkeit eines Gedankens die Hand in den Nacken des |j Tieres und verflocht ihre Finger fest mit den v Fingern der Rechten. Schlimmer war es den Beinen ergangen, denn der Panther hatte ihm ji inzwischen die linke Wade zerfleischt. Nie- | send, knurrend und heulend wälzten sie sich \ beide auf der Erde, so daß es schwer war, > die Stimmen zu unterscheiden; aber der Pan- | ther konnte nichts mehr ausrichten, schlug jj nur sinnlos mit den Krallen in die Luft und M schleuderte Kaskaden von Erdklumpen nach allen Seiten. Seine Lage hatte eine sonderh bare Ähnlichkeit mit der eines Kätzchens, fl dem man eine Schelle an den Schwanz gei; bunden. Sein Wutgebrüll wurde allmählich \i zu einem Schmerzensgeheul; Simson renkte S ihm langsam die Vorderpranken aus, indem;J er die Ellenbogen nach außen bog und die ge- ■; falteten Hände den Rücken des Tieres hinab- | schob. Dies dauerte lange; schließlich verjj nahm man das charakteristische Krachen der ij Gelenke, und der Panther heulte mit jener L Stimme auf, mit der alle großen Raubtiere :j in der Todesqual schreien, — einer Stimme, J in der sich nur noch schwer die Tiergattung ij erkennen läßt. ‘ Seine Vorderpranken hingen jetzt schlaff an ihm herab, als wären sie nur j|

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