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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 16 (1928) Richter und Narr · p. Seite 68

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
16 (1928) Richter und Narr
Date
1928-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 Romanbeilage des ,»Jüdischen Echos' Nr. 16 Haar, herrliche Elfenbeinarbeit; ein schauriger Affe mit bis zur Erde reichender Nabelschnur; ein Götze mit Habichtkopf; ein auf einem Bein stehender Zwerg mit blutegelförmigem Schwänzchen; Drakonen und Schlangen; ein kraushaariger geschuppter Götze, halb Tier, halb Mensch, augenlos, jedoch mit einem riesengroßen Auge auf der Brust; zwei schöne nackte Jünglinge, Überseearbeit, aus Anstandsrücksichten mit Wollschurz versehen; kleine Männchen mit Mükkenstachel im Munde. Auf einem besonderen Sockel, der mit Seidendecken und Pantherfellen drapiert war, standen die Hausgötter, grobe Handarbeit eines einheimischen Meisters, sieben an der Zahl: zwei Männer und zwei Frauen aus rotem Lehm, zwei weitere Männer und eine Frau aus Stein; der eine der steinernen Männer hatte so etwas wie einen prall gefüllten, auf den Rücken herabhängenden Sack auf dem Kopfe, der offenbar die Mähne eines Nasiräers darstellen sollte. Auf dem gleichen Sockel prangte in der Mitte ein vergoldetes Säulchen etwa von der Kniehöhe eines erwachsenen Mannes, mit kegelförmig abgerundeter Spitze; in den Scheitel des Kegels war eine ziemlich große Perle eingelassen, indes an der Vorderseite des Säulchens eine Kette aus bunten Steinchen herabhing. Der Levit berührte gottesfürchtig die Kette mit zwei in seinen Mantelschoß gehüllten Fingern und murrpelte eine umständliche Beschwörungsformel vor sich hin. Sie wurden schnell handelseinig: über das Gehalt, die Schlafstelle und die Beköstigung des Leviten, sowie auch über die Zahl der Lämmer, Böckchen und Tauben für den Gottesdienst, der dreimal im Jahre abgehalten werden sollte; sie machten aus, daß nur Jehova vor dem goldenen Säulchen Opfer dargebracht werden sollten, während die übrigen Götzen sich mit Gebeten begnügen sollten; auch daß das Fleisch der Opfertiere als Einnahme des Priesters gelten, die Felle jedoch der Hauswirtin zufallen sollten. Abgesehen von dem Götzendienst verpflichtete sich der Levit Aufzeichnungen zu führen über alle Ereignisse, die das Haus des Manoa und insbesondere dessen Sohn betrafen. Hazlelponi war offenbar sehr stolz auf ihren Sohn; aber in ihrer Darstellung hatte er wenig Ähnlichkeit mit dem Simson aus Timnata vom vorhergehenden Tage. Ihr Sohn, sagte sie, sei ein schweigsamer, saumseliger Jüngling; er lächle nie, höchstens bei Begegnung mit dem Vater, den er sehr liebe und verehre, obwohl jener ihm nicht einmal bis unter die Achselhöhlen reiche. Der Jugend beiderlei Geschlechts aus der Nachbarschaft halte er sich fern; er verbringe die ganze Zeit allein, entweder am Brunnen im Tal im Sande liegend oder abends am Stadttor den Gesprächen der Greise lauschend. Häufig verlasse er die Stadt; wohin er gehe, das sage er nicht, doch gebe er stets den Zeitpunkt der Rückkehr an und kehre auch pünktlich zurück; zuweilen bringe er dann einen Hirsch oder ein Raubtierfell mit. Er esse zwar viel, trinke aber selbstverständlich nichts außer Wasser und Milch. Er sei ein guter, bescheidener, gottesfürchtiger Jüngling; alle Frauen in Zora beneideten seine Mutter; alle Mädchen verguckten sich in ihn, doch traue sich keine ihn anzureden. Als er noch Kind war, habe man es freilich schwer mit ihm gehabt. Er sei ein entsetzlicher Raufbold gewesen; tagtäglich seien da die Nachbarinnen — Danitinnen und Eingeborene — zu ihr gerannt, um sich über seine Streiche zu beklagen, und hätten ihre Buben mit blauen Augen, eingeschlagenen Nasen und Zähnen, ausgerenkten Armen oder Beinen mitgebracht. Sie, Hazlelponi, habe versucht, ihn zu prügeln — Manoa selbst sei dazu nicht Manns genug; aber eines Tages, im Alter von zehn Jahren, habe er ihr in aller Seelenruhe den Stock aus der Hand genommen, sie auf die Arme gehoben, ins Zimmer getragen und dort, ohne ein Wort zu sa^ gen, aufs Bett gelegt — nur aufmerksam angesehen habe er sie und durch diesen Blick ihr die Lust vertrieben, weiterhin erzieherisch auf ihn einzuwirken. Nach jenem Vorfall habe er jedoch seine Abenteuer in Zora beendet und schon damals begonnen, das Haus öfters zu verlassen. D,en Eltern sei dann bald hinterbracht worden, daß er sich mit den philistäischen Jungens der auf dem Wege nach Timnata gelegenen Ortschaften angefreundet habe und sie erbarmungslos verprügle; aber die Philisterkinder seien anderen Schlages, sie ertrügen ruhig ihre blauen Flecke, nähmen es nicht übel und beklagten sich nicht bei ihren Müttern, was für die Familie viel bequemer sei; obwohl anderseits der Knabe Simson von diesen seinen Expeditionen zuweilen hinkend oder mit roten Beulen an der Stirn zurückkehrte. Sonderbarerweise — tein unverständliches Volk diese Philister! — hätten diese Raufereien seine Freundschaft mit der philistäischen Jugend nur bekräftigt, und Simson habe jetzt in Tiimnata und sogar in Geser dauerhafte Beziehungen zu den besten Häusern angeknüpft. (Fortsetzung folgt)

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