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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 13 (1928) Richter und Narr/ Die Zauberin von Kastilien · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
13 (1928) Richter und Narr/ Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' *r.l3 ser in der Kunst des Lesens unterweisen, kann sie Gebete jedes beliebigen Glaubens, auch Flöten- und Harfenspiel lehren .. „Äußerlich hast du Ähnlichkeit mit unseren Nachbarn vom Stamme Dan,“ sagte die Wirtin, „doch sehe ich zum erstenmal in meinem Leben einen solchen Daniten. Sind doch unsere Nachbarn aus Zora ein ungeschlachtes Bauernvolk, weit beschränkter noch als die Eingeborenen, bei dir aber hat man den Eindruck, als kämest du aus Ägypten. Wer bist du? Woher kommst du?“ „Ich bin in der Tat ein Verwandter von Dan, jedoch anderen Stammes. Ich bin ein Levit, gebürtig aus Mamreh in der Nähe von Hebron, wo sich der Opferaltar der Waldgöttin Aschera befindet — hast du schon von ihr gehört? Eine sehr wichtige Göttin. Wir selbst haben ja einen anderen Glauben, doch gehört das hier nicht zur Sache.“ „Ein Levit? Noch nie hörte ich von einem solchen Lande.“ „Wir haben kein Land. Wir leben überall; die ganze Erde ist unser. Der Bruder meiner Mutter ist ein großer Priester in der Hauptstadt der Jebussitter, die in den Bergen liegt; ein anderer Verwandter ist Leiter des Chors in Dor, im Tempel des dortigen Gottes; ein dritter ging aus, Arbeit zu suchen bei euch in Jaffa und hat wahrscheinlich ebenfalls seinen Platz gefunden. Auch ich streife eigentlich auf der Suche nach einem Opferaltar herum. Aber man muß ja doch unterwegs seinen Lebensunterhalt haben.“' „Churru!“ schrie die Wirtin. Einer der Neger trat zu ihr heran. „Führe den Esel in den Stall und gib ihm Kleie; die Saumlast nimm herunter und laß sie hier. Semer!“ Eine der Mägde lief herbei; der Levit wandte den Blick zur Seite, um die Schadhaftigkeit ihrer Kleidung nicht zu sehen. „Breite für den Gast eine von den weicheren Matten aus und gib ihm Wein und Hammelbraten von der Tafel.“ Dann fügte sie hinzu: „Du sprachst vorhin von einem Schal? Zeig ihn mir.“ Zweites Kapitel Der Narr Langsam und behäbig speisend, betrachtete der Levit die Zechenden und lauschte ihren Gesprächen. Aus den Unterhaltungen war klar zu ersehen, daß nicht alle aus Timnata waren: ein Teil war aus Geser gekommen, andere wieder aus Ekron und einer sogar aus Asdod. Der Anlaß zu dem Gelage wurde alsbald aus dem scherzhaften Wechselfeuer ihrer Reden ersichtlich. Die Gesellschaft wurde von einem gewissen Tajisch bewirtet („Ziegenbock? was für spaßige Namen sie haben!“ dachte der Levit). Die Rechte des gastfreundlichen Wirtes genießend, lärmte er lauter als alle die andern. Sein tiefer Baß war von einer seltenen Kraft, sein Gesicht aber war nicht zu sehen — es wurde von den Tischnachbarn verdeckt; nur hin und wieder sah man die bunten glänzenden Federn seiner großen Philistermütze flimmern. Er spielte den Wirt, weil er eine Wette verloren hatte; die Wette bestand, soweit man verstehen konnte, darin, daß Tajisch sich bereit erklärt hatte, einen Stabsprung über eine Wasserlache zur Zeit des Hochwassers zu machen, jedoch nicht bis ans andere Ufer gelangt und vor aller Augen ins Wasser gefallen war. Ein großer Teil der Witze drehte sich um die Frage, ob er denn schon wieder trocken geworden sei. Tajisch fühlte sich gar nicht beleidigt, lachte mit seinem dröhnenden Baß und bewirtete freigiebig, indem er fortwährend die Mägde anspornte. Allmählich ging die Redseligkeit der vergnügten Bande zu ,einem neuen Gesprächsstoff über: wo er das viele Silber hergenommen haben mochte, um dies üppige Gelage zu bezahlen. „Vor kurzem“, rief einer der Gäste, „ist eine ägyptische Flottille in Jaffa eingetroffen: man hatte sie um Holz nach Sidon geschickt, aber auf offener See raubten ihnen Piraten sämtliche Goldsäcke. Waren das vielleicht deine Leute, Tajisch?“ — Dieser Gast belustigte die Gesellschaft fortwährend damit, daß er das Fleisch mit einem Stahlschwert zerschnitt. Die Leute aus Ekron waren in Anbetracht des weiten Weges bewaffnet gekommen, hatten aber schon längst, um bequemer lagern zu können, ihre kurzen Schwerter abgeschnallt. — „Seine Kameraden nennen sich ,Schakale4 und nicht ,Haifische4,“ erwiderte ein anderer, „sie arbeiten auf dem Festlande.“ — „Mein Freund,“ warf ein dritter ein, „ist jene midianitische Karawane, die kürzlich ohne Kamele und Hemden zu Fuß nach Gaza gelangte, etwa deine Arbeit?“ — Tajisch schien sehr geschmeichelt, wünschte jedoch nicht dieses hohe Lob anzunehmen: „So weit sind meine Schakale noch nicht gelaufen“, brüllte er. — „Woher kommt denn dein Reichtum?“ — „Ratet!“ Er richtete sich plötzlich auf, hob die Hand und rief: „Da habt ihr ein Rätsel: Zwanzig Wirte und nur ein Gast. Wer ist das?“ (Fortsetzung folgt.)

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