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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 10 (1928) Die Zauberin von Kastilien · p. Seite 42

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
10 (1928) Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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42 Romanbeilage des „Jüdischen Echos“ Nr. 10 sie aber begriffen, daß die Kirche nur einen Vorwand suchte, um sie in die Torturgewölbe der Inquisition zu schleppen, lachten sie über die inquisitorische Justiz und antworteten den Christen, daß sie keines sterblichen Wesens, erst recht aber keiner Verstorbenen bedürften, um sie vor der Kirche zu retten, da der einzige lebende Gott sich ihrer selbst annehme. Allein die Inquisition erblickte in dieser Antwort wieder eine Gotteslästerung, und man schleppte zehn von den ehrwürdigen jüdischen Greisen in die Keller der Inquisition. Der blinde Rabbi Jakob ergab sich mit seiner Enkelin Jephtha freiwillig in die Hände der Kirche, in dem Glauben, dadurch zur Befreiung der verhafteten Greise beizutragen und die Juden von der sinnlosen Verleumdung reinzuwaschen. „Denn“, so sagte er sich, „die Kirche wird sich ja überzeugen, daß Jephtha nicht die heilige Mutter, sondern ein einfaches jüdisches Mädchen ist, das mit ihrem Großvater im römischen Ghetto lebt und sich wie jedes jüdische Mädchen vor den Christen und ihrer Kirche verborgen hält.“ Wie erstaunt aber war der Alte und noch mehr Jephtha selbst, als sie sahen, daß man sie wie übernatürliche Wesen behandelte. Die Kirchendiener, die Inquisitionsmönche und die Priester hatten Angst, sich dem Mädchen zu nähern. Sie fielen vor ihr jedesmal nieder, sobald sie sie erblickten, bekreuzten sich, streckten ihr die Hände entgegen und beteten zu ihr. Man hielt das Mädchen mit ihrem Großvater in einem besonderen Zimmer abgeschlossen, und so oft die Inquisitionsmönche, mit Masken vor dem Gesicht, in dieses Zimmer traten und den blinden Greis abführen wollten, genügte der bloße Blick der großen Augen Jephthas, daß sie vor ihr in die Knie sanken und sich rückwärts entfernten... Um sie herum aber wurden die jüdischen Greise und die Rabbiner Roms gemartert, da man ihnen das Geständnis abpressen wollte, daß sie die heilige Mutter verzaubert hätten. Zwei von den Verhafteten wurden unter den „Wasserfall“ gestellt. Das war eine schreckliche Marter, die ihre Opfer binnen weniger Stunden zum Wahnsinn trieb. In einem Winkel des für die Juden bestimmten Foltergewölbes standen, nackt ausgezogen, zwei junge Männer, mit Händen, Füßen und dem ganzen Körper an eiserne Stangen gebunden. Über ihren Köpfen hingen große Gefäße mit kaltem Wasser, aus denen alle paar Sekunden durch einen durchlöcherten Pfropfen einige Tropfen Wasser hindurchfielen. Die Tropfen fielen den nackten Opfern auf den Kopf, der glatt rasiert war. DieWasserbehälterwaren so angebracht, daß die Tropfen auf den hinteren Teil des Kopfes, in dem das Kleinhirn sich befindet, fielen. Von dort rann ihnen das Wasser über den Rücken hinunter. So fielen die Tropfen alle paar Sekunden. Und jedesmal, wenn sie den glattrasierten Kopf erreichten, schrie das nackte Opfer auf und zuckte zusammen. Das ging so tage- und nächtelang ununterbrochen fort. Einer der Gefolterten war schon wahnsinnig geworden; jedesmal, wenn die Wassertropfen auf seinen Kopf fielen, lachte er mit einem geradezu unmenschlichen Fachen auf, riß dabei den Mund und die großen Augen so weit auf, daß die Inquisitionsmönche selbst vor ihm erschraken. Das zweite Opfer aber hielt die Folter noch aus. Seine Knie knickten unter den Stricken zusammen und er biß sich die Lippen wund. Seine Augen waren bereits vor Schlaftrunkenheit geschlossen. Aber jedesmal, wenn die Tropfen auf seinen Kopf fielen, riß er sie wieder auf und murmelte etwas wie ein Gebet... In der zweiten Ecke der Folterkammer lagen, wie Lumpen zusammengeworfen, einige menschliche Wesen, die sich kaum noch bewegen konnten — sie lagen nur da und schöpften Atem. Zu ihnen aber kroch, oder vielmehr wälzte sich, ein anderes menschliches Wesen heran, das soeben erst unter dem Rade gefoltert worden war. Es hinterließ auf dem steinernen Fußboden, über den es hinkroch, Spuren von Blut, das an seinem verkrüppelten Körper entlangfloß. Alle, die jetzt in dem Winkel lagen, hatten vorher in der Preßmaschine gelegen. Zwei wurden immer noch mit dem teuflischen Werkzeug gepeinigt. Diese Marter bestand in folgendem. Die menschlichen Körper wurden in lange zackige Eisenstangen eingeschlossen, die so eingerichtet waren, daß die Spitzen der Eisenstangen die Beine und Arme der Opfer zusammenpreßten. Die Fisenstäbe drückten die Knochen der Hände und der Füße zusammen und brachen sie an den Gelenken. Jedes der Opfer war danach sein Leben lang außerstande, seine Glieder zu benutzen. Die Qualen, die die Preßmaschine dem menschlichen Körper zufügte, zu ertragen, überstieg menschliche Kraft. Aber die Juden ertrugen sie. Sie stöhnten nur leise, und dieses Stöhnen klang eher wie eine Anklage gegen die menschliche Schlechtigkeit, als wie ein Schmerzensruf. Sonst schwiegen sie und nur ihre Augen traten stark und starr hervor. Von Zeit zu Zeit näherte sich ein schwarzgekleideter Mönch den in der Preßmaschine Gepeinigten und hielt ihnen ein Kreuz vor das Gesicht. Waren die Beingelenke des Gemarterten ordentlich zusammengedrückt, so nä-

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