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Das jüdische Echo · 1928-01-01 · 10 (1928) Die Zauberin von Kastilien · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
10 (1928) Die Zauberin von Kastilien
Date
1928-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DIE ZAUBERIN VON KASTILIEN VON SCHALOM ASCH (Copyright by R. Löwit, Wien, Leipzig) 10. Fortsetzung „Wenn ihr Angst habt, euch ihr zu nähern, werde ich allein hingehen und unsere gebenedeite Herrin aus den Händen der Fremden befreien. Ich bin der Vertreter Gottes auf ErdenC Und der Papst ging in Begleitung des Großinquisitors nach den Folterkammern, um, wie er glaubte, die heilige Mutter aus jüdischer Gefangenschaft zu befreien. 14 In den Kellern der Inquisition In den Kellern der Kirche St. Angelica erscholl in den Nächten das Geschrei der Gemarterten, schlug gegen die dicken Kellermauern, wurde dort erstickt und ging durch den tiefen, von gewölbten Balken überdachten Raum in das weite Labyrinth der in Finsternis gehüllten Winkel... In einer Ecke an eine Wand lagen, sich wie Würmer windend, in einem Knäuel menschliche Wesen, mitten in Lachen von Blut, das aus ihren Wunden rann. Andere Gemarterte hingen in einem besonderen Winkel an eisernen Haken mit dem Kopf nach unten über brennenden Feuerbecken, und wieder andere steckten unter Rädern. Mönche mit schwarzen Masken und schwarzen Kopfbedeckungen brannten den Gefolterten mit glühenden Zangen die Nägel von den Fingern, das Haar vom Kopfe. Überall tönte Schrnerzensgeschrei. Die Luft erklang von menschlichen Jammerrufen, die wie das Brüllen von Schlachttieren klangen. Und es hatte den Anschein, als wären die Gewölbe der heiligen Kirche St. Angelica ein Menschenschlachthaus, denn in allen Winkeln lagen menschliche Glieder herum. Der steinere Fußboden des Kellers war glitschig und feucht von Meilschenblut, und mit demselben Saft waren auch die Wände besudelt... ln Foltermaschinen wurden Menschen gepeinigt, menschliche Glieder waren in eiserne Kisten eingeschlossen. Menschen stöhnten hier in glühenden Käfigen, nur weil jemand angezeigt hatte, sie hätten am Sabbatabend das Hemd gewechselt. Es genügte, wenn ein Knecht über seine Herrin aussagte, sie habe die Gewohnheit, jeden Freitag ein Bad zu nehmen — dann wurde sie in die Folterkammern der Inquisition geschleppt und dort gepeinigt, um ihr das Geständnis abzupressen, sie stehe mit der jüdischen Religion in geheimer Verbindung. Die Juden folterte man in besonderen Gewölben, getrennt von den Christen, damit diese nicht die Hartnäckigkeit, die Glaubenstreue und den Mut der Juden sehen sollten, mit dem sie das Höllenfeuer der Kirche um ihres Gottes und ihrer Religion willen erduldeten. Sonst hätten die Christen von den Juden womöglich noch in dieser Hinsicht gelernt... In der Tat: aus dem Gewölbe, in dem die Juden gepeinigt wurden, hörte man kein Geschrei und kein Gestöhn. Von dort drang nur Gesang herüber und das war der einzige Winkel in der großen Kirche St. Angelica, ja, der einzige Raum im ganzen heiligen Rom, in dem sich Lobgesang zu Gott erhob ... Was die menschliche Phantasie aus jenen tief verborgenen Welten, aus denen sie stammt, nur hernehmen konnte, das hatte die Kirche den Juden zur Pein angewandt. Die Inquisition beschuldigte die Judengemeinde von Rom, die römischen Rabbiner hätten durch einen Geheimspruch und mit Hilfe ihrer Geheimbücher die heilige Mutter Gottes, die ja selbst von Juden abstammte, beschworen, zu ihnen ins Ghetto zu kommen; ferner, die Juden hielten sie in ihrer geheimen Synagoge gefesselt. Im Bedarfsfälle aber — so behauptete die Inquisition — schickten die Juden die heilige Jungfrau vor, damit sie ihr Volk vor den Christen rette. Als die römischen Juden hörten, was die Kirche von ihnen verlangte, nämlich, daß sie die heilige Mutter zurückgeben sollten, glaubten sie, der Papst mit allen seinen Kardinälen sei irrsinnig geworden. Als Alle DeuDlnzalrelendeo" erhalten auf Wunsch die bisher erschienenen Teile des Romans kostenlos noctgellelerl. 448

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