Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 52 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- Seite 836 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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836 Das Jüdische Echo / Literarische Beilage Nr. 52 Schwarz eine glückliche Form gefunden hat, um, ohne lehrhaft zu wirken, den bisher noch nie im Zusammenhang behandelten Stoff einem weiteren Leserkreis vorzulegen. Mit Recht sieht er es als seine wesentliche Aufgabe an, „den mit dem Stoffe Vertrauteren durch eine Übersicht zu dienen, den vielen aber, denen das Kunstschaffen der Juden bisher fremd war, oder die den Kunstleistungen der Juden gar zu skeptisch gegenüberstanden, den Weg zum Verständnis dieser in der Geschichte zu stiefmütterlich behandelten Materie zu weisen.“ In essayistischer Darstellung führt Schwarz von den geringen Spuren jüdischen Kunstschaffens im Altertumüber die in Synagoge und häuslichem Kultus, auf den Friedhöfen und auf dem Gebiete des Buchschmucks zerstreuten Zeugnisse gestaltender Kraft bei den Juden in der nachklassischen Zeit bis zur Erlangung der Emanzipation, um schließlich ausführlicher bei der Betätigung von Juden der Neuzeit auf allen Gebieten der Kunst zu verweilen. Mit Recht läßt sich der Verfasser von der Auffassung leiten, daß von einer „jüdischen“ Kunst noch nicht gesprochen werden kann, im besten Falle dürfen wir mit ihm Ansätze zu einer solchen bei einzelnen Künstlern beobachten, wie bei Joseph Budko, Jakob Steinhardt, Arnold Zadikow und noch einigen. Schwarz erhofft von der Wiederbesiedlung des Landes unserer Väter auch die freie Entwicklung des im Juden geweckten Betätigungsdranges zur Schaffung von Werken der darstellenden Künste — ein Gedanke, der unsere volle Zustimmung findent. So wenig die Schwierigkeiten verkannt sein sollen, die der Bewältigung der Aufgabe im Wege stehen, der sich Herr Dr. Schwarz mit großem Erfolge unterzog, so muß doch dem Wunsche Ausdruck gegeben werden, daß an Stelle mancher, sehr allgemein gehaltener Ausführungen und statt kurzer Aufzählung eine analytische Untersuchung des Gehalts vieler aufgeführter Künstler treten möge in einer Neuauflage, die dem Werke durchaus zu wünschen ist. Auch könnte dann ein weiterer, kleiner Mangel behoben werden: eine Literaturangabe für die vielen, die aus dem Buche neue Anregung zur Vertiefung ihres Wissens vom Judentum schöpfen. Das gut wiedergegebene Abbildungsmaterial und die gute Ausstattung werden sicherlich der Sache, dem Verfasser und dem Verlage neue Freunde werben. München. Theo Harburger. Junge deutsche Lyrik. Im Verlag von Philipp Reclam in Leipzig hat Otto Henschele eine Anthologie: „Junge deutsche Lyrik“, herausgegeben, die eine Auswahl geben will aus dem lyrischen Schaffen einer Anzahl junger und jüngster Dichter. Wenn auch die Sammlung von vornherein keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen kann noch will, so muß doch gesagt werden, daß die Auswahl der Gedichte einseitig nach konservativ gerichte- I Lernt Autofahren in den privaten Kraftfahrkursen der I Kraftverkehr Bayern G.m. b.H. München, Leonrodstr.99u. 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Da singt, um nur ein Beispiel zu nennen, Paula Grogger in privater Harmlosigkeit ihr Mailied: „Süße blaue Vögelein sind an meinem Zaune und der liebe Sonnenschein fragt mich, ob ich latine“, und Richard Billinger, sonst schlicht und ursprünglich, schraubt sich künstlich in Form und Inhalt einiger Gedichte um ein Jahrhundert zurück. Andere sowie Max Sidow, Richard Friedenthal, Hanns Jobst pressen ihre Dichtungen in die Formen des Sonettes oder des Distichons, die für uns keinerlei zwingende oder überzeugende Kraft mehr in sich haben. In dem vielstimmigen Chor findet sich jedoch auch manche Stimme, die aufhorchen läßt und ein Versprechen für die Zukunst ist. Auffällig, wie stark und echt gerade bei den Besten die religiöse Grundstimmung ausgeprägt ist. Besonders Fritz Diettrich hat aus einem tiefreligiösen Gefühl heraus wundervolle Verse geschaffen: „Mit Pfeilern, Bögen, hoch erhoben, Mit einem Herzen ganz aus Lied Will ich ihn loben, der da droben Umjubelt durch den Äther zieht.“ Weniger offensichtlich, aber doch spürbar in jeder Zeile wirkend, ist auch die Lyrik Manfred Sturmanns (dessen Werk jetzt übrigens von der Stadt München mit einem Preis ausgezeichnet wurde) von religiösem Gefühl mitbestimmt. Dabei schwingt in allen seinen Dichtungen ein vorwärtsreißender Rhythmus, der besonders sein: „Mensch im Gebirg“ unbestreitbar zu einem der schönsten und besten Gedichte der Anthologie macht. Daneben seien noch besonders Otto Brües, Paula Ludwig, W. E. Süßkind, Georg von der Vring und Maria Luise Weißmann erwähnt. Die ganz ausgezeichnet ausgestattete Anthologie ist, ein besonderer Vorzug des Buches, mit den Bildern und der Biographie der einzelnen Autoren versehen. I. G. Karl Klüger bringt in seinem von R. Löwit in Wien herausgegebenen, gut ausgestatteten Buch, betitelt „Das elfte Gebot“, eine Reihe unterhaltender und hübsch geschilderter Skizzen aus dem ostjüdischen Kleinstadtleben. Der Rebbe und seine ihm treu ergebenen Anhänger, der Reiche, der Melamed mit seinen Schülern, der Schames, der jüdische Musikant, die stets für den Unterhalt des Mannes und der zahlreichen Kinder sorgende jüdische Frau, der „aufgeklärte“ junge . Mann, nach europäischer Bildung strebend und nicht zu vergessen der „Schabbesgoi“ erfüllen vor unseren Augen, anschaulich und mit Liebe gezeichnet, in guten und in bösen Tagen ihre wichtigen Funktionen im Ghetto des Ostens. R. G.