Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 52 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- Seite 833 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 853 spielte auch gleich den Polizisten und bezeichnete sofort den jungen Halsmann als Vatermörder. Eder sei es auch gewesen, der den faustgroßen, mit Blut befleckten Stein herbeigebracht habe, mit dem das Verbrechen seiner Behauptung nach verübt worden sei. Der Untersuchungsrichter weigerte sich, den so furchtbar Verdächtigten mit seinem Rechtsvertreter zusammenzubringen, und äußerte: „Er muß zusammenbrechen und ein Geständnis ablegen!“ Der gerichtliche Lokaltermin wurde ohne Angeklagten und ohne Verteidiger vorgenommen. „Ich hoffe,“ sagte der Korrespondent, „Sie werden mich in den Stand setzen können, das in Wien aufgetauchte Gerücht, das Fehlurteil habe auch antisemitische Hintergründe, zu dementieren.“ „Im Gegenteil!“ versetzte Dr. Preßburger. „Nur der in der Atmosphäre des Gerichtssaales waltende Antisemitismus mache das Urteil überhaupt verständlich. Philipp Halsmann ist seit dem Unglückstage nicht selten als Jude beschimpft worden. Während die Frau des Toten, die Mutter des Angeklagten, sich in nächster Nähe befand, habe ein Zeuge, der Akademiker ist, einem zwölfjährigen Hirtenbuben den Rat erteilt: „Wenn du einen Juden siehst, so weiche links aus!“ Auch gegenüber dem Anwalt selbst habe sich diese Stimmung geltend gemacht: „Eine Anzahl von Innsbrucker Honoratioren“, erzählte er, „warnte mich, ohne Polizeieskorte aus dem Gerichtssaal fortzugehen. Ich konnte auch bemerken, wie mir Burschen auf dem Wege ins Hotel folgten.“ Auf diese ungeheuerlichen Mitteilungen hin fragte der Korrespondent Dr. Preßburger, ob es denn nicht möglich gewesen sei, stärker, als er es vielleicht getan habe, auf die typisch ethische, aber auch typische Geisteshaltung einzugehen, wie sie in den oft rührenden, der Selbstvervollkommnung gewidmeten Tagebüchern des jungen Halsmann zutage tritt. Der Anwalt erwiderte achselzuckend: Derlei habe vor diesen Geschworenen keinen Zweck gehabt. Auch die bekannte Tatsache, daß die Kriminalistik aller Länder vorbedachten Vatermord unter Juden eigentlich nicht kenne, habe er in dieser Umgebung nicht anführen können. Mit der Hoffnung, daß es gelingen werde, die zweite Verhandlung der Hakenkreuzleratmosphäre zu entziehen, und mit dem Hinweis darauf, daß er jedenfalls außerstande sei, Halsmann noch einmal zu Innsbruck zu verteidigen, schloß der Anwalt seine Mitteilungen. Aus der jüdischen Welt Ein jüdischer Museumsverein in Berlin Berlin, 23. Dezember. (JTA.) In diesen Tagen fand eine vorbereitende Sitzung für die Gründung eines jüdischen Museumsvereins in Berlin statt, der es sich zur Aufgabe machen will, das allgemeine Interesse für jüdische Kunst und Kultur zu wecken und insbesondere die Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu einem Museum auszubauen. Die „Allgemeine Studentenschaft“ der Berliner Universität fordert Numerus clausus Berlin, 17. Dezember. (JTA.) Das antisemitische „Deutsche Tagblatt“, das der in ihrer großen Mehrheit völkisch gesinnten „Allgemeinen Studentenschaft“ nahesteht, teilt mit: In einer Kammersitzung der Allgemeinen Studentenschaft der Berliner Universität wurde ein Antrag folgenden Inhalts angenommen: „Das ungeheure Anwachsen der Zahl der fremdstämmigen Studierenden an den deutschen Hochschulen zwingt die Studentenschaft der Friedrich-Wilhelm-Universität, die Schaffung eines Ausnahmegesetzes zu verlangen. Es ist ein Akt der Notwehr und Gerechtigkeit, daß die fremdblütigen Studenten nur in einem solchen Prozentsatz an den deutschen Hochschulen zugelassen werden, wie der prozentuale Anteil ihrer Volksgruppe an der Bevölkerung Deutschlands beträgt. Die Studentenschaft der größten deutschen Hochschule fordert: ein Numerus clausus für fremdstämmige Studenten ist an den deutschen Hochschulen einzuführen.“ Das „Berliner Tageblatt4 bemerkt dazu: „Es ist unter diesen Umständen wohl hoch an der Zeit, dafür zu sorgen, daß die Studentenvereinigung, die sich noch immer den Namen »Allgemeine Studentenschaft der Universität Berlin4 anmaßt, sich endlich einer anderen, weniger irreführenden Firmierung bedient.“ Dr. Emanuel Lasker, 60 Jahre. — Der Weltschachmeister und Denker Berlin, 24. Dezember. (JTA.) Am 24. Dezember d. J. ist Dr. Emanuel Lasker, vor Aljechin und Capabianca Weltmeister im Schachspiel, 60 Jahre alt geworden. Dr. Lasker, der am 24. Dezember 1868 in Berlinehen in der Neumark geboren wurde', erwarb 1889 in Breslau auf dem Hauptturnier des Deutschen Schachbundes den Meistertitel. In jugendlichem Alter wurde er kurz darauf Weltmeister. Erst 26 Jahre alt, schlug er im Wettkampf den damaligen Inhaber des Titels, den Österreicher Wilhelm Steinitz, nachdem er schon vorher anderen bedeutenden Spielern wie Bird, Mieses, Englisch, Blackburne und Showalter, entscheidende Niederlagen beigebracht hatte. Auf den internationalen Turnieren, an denen er teilnahm, errang er meistens den ersten Preis, nur wenige Male war es der zweite oder dritte; an einer niedrigeren Stelle endete er niemals. Erst im Jahre 1921 mußte Lasker seinen Weltmeistertitel an den Kubaner Capabianca abgeben. Hervorragend sind auch seine Leistungen als Schachtheoretiker. Sein „Lehrbuch des Schachs“ und seine „Schachbibel“ wurden in fast alle Weltsprachen übersetzt. Emanuel Lasker ist bekanntlich auch ein Denker von großer Tiefe und Eigenart. Er ist Verfasser einer Anzahl vielbeachteter Weltanschauungsbücher und Gedankendramen. Der polnische Außenminister über die Juden in Polen Lugano, 21. Dezember. (JTA.) Der polnische Außenminister, Graf Zalesky, hat in Lugano dem Vertreter der Presse-Agentur „Anglo American Newspaper Service“ gegenüber erklärt: Die Juden in Polen bilden ein loyales Element, und die Regierung gewährt ihnen jeden Schutz. Man höre jetzt nichts mehr von jüdischen Klagen gegen Polen. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß die jüdische Minderheit in Polen sehr zahlreich sei und in mehreren Städten sogar 40 Prozent der Gesamteinwohnerschaft bildet. Treibt Turnen und Sport im Bar-Kochba