Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 52 (28.12.1928)
- Date
- 1928-12-28
- Page
- Seite 832 (sequence 8)
- Language
- German
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832 Das Jüdische Echo Nr. 52 lösung auf Artikel 4 des Mandates für Palästina in der vom Völkerbundrat am 16. September 1922 genehmigten Fassung. In Anerkennung der Berechtigung dieser Vorsichtsmaßnahme wurde beschlossen: Erstens: .Um allen Fragen vorzubeugen, die im Falle der Wiederauflösung der erweiterten Jewish Agency auftauchen könnten und um für jeden Fall die Fortdauer einer Jewish Agency gemäß Artikel 4 sicherzustellen, sollen geeignete Maßnahmen getroffen werden zur Erlangung der Zustimmung der Mandatarmacht oder einer anderen etwa zuständigen Instanz zu dem Plan der Erweiterung der Jewish Agency in Verbindung mit einer Klausel, wonach im Falle einer zukünftigen Wiederauflösung der erweiterten Jewish Agency alle Rechte und Privilegien, die jetzt der Zionistischen Organisation in Übereinstimmung mit Artikel 4 des Mandates zustehen, an sie uneingeschränkt zurückfallen sollen. Zweitens: Der zionistische Kongreß soll ersucht werden, nach Bewerkstelligung des oben bezeichneten Arrangements, seine oben erwähnte Resolution wieder aufzuheben. N e u y o r k , 20. November 1928. Louis Marshall. Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes Berlin, 17. Dezember. (JTA.) Die Sitzung des Großen Rates des Preußischen Landesverbandes vom Sonntag, dem 16. Dezember, beschäftigte sich — wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt wird — in erster Linie mit dem Etat, den der Finanzreferent Direktor Georg Kareski vorlegte. Der Etat für 1929/30 balanziert mit einer Summe von einer Million und 200 000 Reichsmark in Einnahmen und Ausgaben. Der Große Rat beschäftigte sich mit einer Reihe von Verfassungsfragen, er beschloß unter anderem, daß die Wahlperiode bis zum Herbst 1930 verlängert werden solle, mit Rücksicht auf die dann voraussichtlich auch in den Großgemeinden Berlin und Breslau stattfindenden Gemeindewahlen. Die Frage der Errichtung einer jüdischen Arbeiter-Kolonie wurde nach einem Referat des Professors Dr. Türk erörtert. Eine lange Debatte ergab die Frage der Schaffung einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Der Führer der Volkspartei Dr. Klee protestierte dagegen, daß als einer der Redakteure eine Persönlichkeit in Aussicht genommen sei, die gegen den Zionismus und die Ostjuden in einer wissenschaftlichen Publikation schwere Angriffe erhoben habe, und sprach sich ferner dagegen aus, daß die Zeitschrift nicht lediglich von den Landesverbänden, sondern auch von einer deutschen Parteiorganisation mit herausgegeben werden solle, ja sogar in einem Verlage erscheinen solle, der ein ausgesprochener Parteiverlag ist. Die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland müsse einen rein wissenschaftlichen, völlig objektiven, parteifreien Charakter tragen, der durch diese Maßnahmen nicht garantiert sei. Die Deutsche Weil Wäscher ei FELIX BRAWDNER » MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäschenur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage Angelegenheit wird voraussichtlich in einer Interpellation die Landesversammlung beschäftigen. Die Einberufung einer Konferenz, die sich mit der Frage der Mischehen befassen solle, wurde nach warmer Befürwortung von Dr. Eschelbacher (Düsseldorf) beschlossen. Professor Elbogen berichtete über die Frage der Erhaltung der Kunstdenkmäler. Voraussichtlich wird eine Inventarisierung der in Deutschland vorhandenen Kunstdenkmäler erfolgen, für die zunächst nur eine bescheidene Summe erforderlich sein dürfe. Die Anstellung eines hauptamtlichen Bearbeiters für diese Frage wurde deshalb zurückgestellt. Für den Wohlfahrtsausschuß erfolgte eine Nachbewilligung in Höhe von 10 000 Reichsmark. Einen sehr breiten Raum nahm neben der Etat- Beratung die Frage der Lehrerbildung ein. Es wurde beschlossen, da in Berlin die liberale Lehrerbildungsanstalt besteht, in Köln die bestehende Jawne-Anstalt so auszubauen, daß bei ihr die Lehrerausbildung auf akademischer Grundlage erfolge, daneben aber auch ohne akademische Grundlage eine Ausbildung von Lehrern, Kantoren und Schächtern vor sich gehe. Da der Preußische Landesverband wirtschaftlich nicht in der Lage ist, mehr als zwei solcher Institute, in Berlin und in Köln, zu unterhalten, müsse mit der Arbeitsgemeinschaft der Landesverbände dahin verhandelt werden, daß eine Unterstützung der süddeutschen konservativen Lehrerausbildungsanstalt (in Würzburg) durch den Preußen-Verband nicht erfolgen solle. Von seiten der Lehrerschaft wurde Protest gegen die geplante Kultusbeamten-Ausbildung ohne akademische Grundlage erhoben. Eine Reihe von Fragen wie die Erörterung der Staatsbeihilfen für 1927/28, Entwurf der Geschäftsordnung für die Ausschüsse des Landesverbandes, die Steuererhebung der Vorsteher-Ämter in Kur-Hessen, insbesondere auch die Frage der Lage der russischen Juden, über die Herr Dr. Freund berichten sollte, mußte wegen der starken Überlastung der Tagesordnung auf die nächste Ratssitzung verschoben werden. Justizmord aus Antisemitismus? Der jüdische Student Philipp Halsmann unschuldig wegen Vatermordes verurteilt — Eigenartige Untersuchungsmethode und Indizienfeststellung Berlin, 19. Dezember. (JTA.) Der Innsbrucker Indizienprozeß, bei dem der aus Riga gebürtige 22jährige jüdische Student Philipp Halsmann unter der Beschuldigung des Vatermordes zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde, hat zu einer großen Aufregung in Innsbruck geführt, die auch nach Wien übergegriffen hat. Philipp Halsmann, der, wie gerichtlich festgestellt wurde, an seinen Vater mit schwärmerischer Verehrung hing, hatte kaum einen Grund, das Familienoberhaupt aus dem Wege zu räumen, um so weniger als sich seine eigenen materiellen Verhältnisse nach dem Verlust des Ernährers nur schwieriger gestalten konnten. Der Verteidiger Halsmanns, Dr. Preßburger, schilderte dem Korrespondenten des „Berliner Tageblatt“, Heinrich Eduard Jacob, den Verlauf der Ereignisse und sagte, der Hauptschuldige an dem Fehlurteil sei der Inhaber Dominikus-Hütte, der Gastwirt Eder, der gleichzeitig Wegeinspektor ist und aus persönlichem Interesse nicht zugeben durfte, daß der Weg zur Hütte gefährlich sei. Er