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Das jüdische Echo · 1928-12-21 · 51 (21.12.1928) · p. Seite 820

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
51 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
Seite 820 (sequence 12)
Language
German
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820 Das Jüdische Echo Nr. 51 PtLZAAOD-BN ■B£RNHAFLD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8 Zionistische Ortsgruppe München. Im Rahmen der Zionistischen Ortsgruppe hielt Herr Dr. Georg Landauer einen Vortrag über „Jüdisch-arabische Verständigun g“. Der Referent führte aus, daß die Araberfrage mehr als bisher im Vordergrund zionistischer Diskussion stehen müsse. Vor zwei Irrtümern muß bei der Beschäftigung mit der Araberfrage gewarnt werden. Sie ist nicht identisch mit dem Problem der Sicherheit in Palästina. Dieses ist bedingt durch die sozialen, nicht die nationalen Gegensätze. Sodann dürfe man nicht versuchen, diese Frage aus dem Gesamtproblem der Palästinakolonisation auszuschließen. Die Araber sind ein nicht zu übersehender Faktor alles jüdischen Lebens in Palästina. Der soziale Niveauunterschied, um nur eines der wichtigsten Beispiele zu nennen, ist für unsere ganze Kolonisation von ausschlaggebender Wirksamkeit. Er bedingt aus volkswirtschaftlichen Gründen eine Angleichung nach unten, eine Angleichung an den Lebensstandard des arabischen Lohnarbeiters, da wir mit ihnen bei. der Eroberung des arabischen Marktes konkurrieren müssen. Das gilt sowohl für die Landwirtschaft, wo das Problem der nationalen Arbeit noch.immer eine große Rolle spielt, als auch für die Industrie. Von ähnlich großer Bedeutung sind die Araber auf allen Gebieten des palästinensischen Lebens. Die Araber, der Zahl nach etwa 630 000 gegenüber 160 000 Juden, teilen sich in drei Schichten, die Beduinen, die Fellachen und die Stadtaraber. Das Beduinenproblem ist das Problem der Unsicherheit in Palästina. Seine Lösung ist Aufgabe der Regierung, zum Teil ist es von ihr schon* gelöst durch Schließung der transjordanischen Grenze und Ansässigmachung der Beduinen. Schreitet diese Entwicklung fort, so werden auch sie zu Fellachen werden. Die Fellachen sind zinshörige Bauern, abhängig vom Effendi. Ihr Problem ist das der wirtschaftlichen Entwicklung. Das politisch wirksame und daher in diesem Zusammenhang wichtigste Element sind die Stadtaraber. Sie stellen als Oberschicht die Parteiführer und machen die arabische Politik. Die politischen Forderungen der Parteien gehen auseinander, einig sind sie nur in ihrer Stellung zu den Juden, einig in ihrer Forderung nach Aufhebung des Mandats, der Balfourdeklaration und Abstoppung der jüdischen Einwanderung. Diese Forderungen sind aber nur eine versteckte Demonstration gegen England, gegen die Grenzziehung der Friedensverträge. Den Arabern liegt, nach Meinung des Referenten, mehr an der Wiedervereinigung mit Syrien als daran, die Juden aus Palästina auszuschließen, denn Palästina braucht Menschen, braucht Einwanderung. Sie fürchten auch nicht die jüdische Kultur, vielleicht auch nicht so sehr die Gefahr, stellenweise majorisiert zu werden, als vielmehr die provozierenden Reden der jüdischen Machtpolitiker. Die Entwicklung arbeitet für uns, die Redner arbeiten gegen uns. Es gibt also an sich keine grundsätzliche Unmöglichkeit der Verständigung, keine unüberwindbaren Ggensätze. Von diesem Standpunkt aus ist auch die Forderung der Araber nach dem Parlament zu beurteilen. Wir Juden können und dürfen nicht den Arabern gegenüber undemokratisch handeln, weil wir in der ganzen Welt die Vertreter des demokratischen Prinzips sind, Demokraten von Geburt. Wir können uns der Forderung nach dem Parlament nicht widersetzen. Die Voraussetzung dafür, daß das Parlament uns nicht in unseren Rechten schmälere, wie überhaupt für jedes normale Zusammenleben ist die jüdisch-arabische Verständigung. Sie ist schwer, weil das Verhältnis im Augenblick ein gespanntes ist, weil weder wir noch die Araber darauf vorbereitet sind. Man versteht sich noch nicht. Daher ist Erziehung zur Verständigung nötig, Schaffung zunächst einmal einer Verständigungsbereitschaft auf beiden Seiten. Vor der politischen Verständigung muß der menschliche Kontakt geschaffen werden, an dem es heute noch allzusehr mangelt. Verständigungsbereitschaft Aufhören mit den provozierenden zionistischen Reden und Erziehung zur Verständigung sind die Forderungen, deren Verwirklichung allein die Araberfrage lösen kann. Die Versammlung belohnte die ausgezeichneten und sachkenntnisreichen Ausführungen des Redners mit reichem Beifall. In der sich anschließenden recht lebhaften Diskussion gab Herr Dr, Landauer noch einzelne sehr interessante Details der gegenwärtigen jüdisch-arabischen Lage und der Möglichkeiten einer Erziehung zur Verständigung, insbesondere über die Ziele des Brith Schalom. 3. Vortragsabend des jüdischen Kammerorchesters am 17. Dezember 1928 Es war ein gutes und von wahrer Musikbegeisterung getragenes Musizieren, das da an diesem Abend geboten wurde. Das Hauptverdienst gebührt dem mutigen und schneidig zupackenden

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