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Das jüdische Echo · 1928-12-21 · 51 (21.12.1928) · p. Seite 819

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
51 (21.12.1928)
Date
1928-12-21
Page
Seite 819 (sequence 11)
Language
German
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V Nr. 51 Das Jüdische Echo 819 so einzigartig sind, wie wir immer anzunehmen geneigt sind. Eine merkwürdige Entwicklung hat dfe jüdische Bevölkerung in Südafrika durchgemacht. Hier gab es ursprünglich natürlich, wie ja auch alle dort lebenden Weißen eingewandert sind, keine Juden. Sie sind erst in der letzten Zeit in großem Maße zugewandert. Wie kurz der Aufenthalt der meisten Bewohner der Stadt ist, davon sollte der reisende Fremdling in Johannisburg eine Probe erhalten. Das im wahrsten Sinne des Wortes auf Gold und Diamanten aufgebaute Johannisburg beherbergt einen berühmten und sehr wohlhabenden Bergbau-Fachmann, der fachwissenschaftliche Auskunft über die Goldminen geben soll. Man kann sich vorstellen, in welches Erstaunen es den Frager versetzte, als sich der Fachmann nach der Einführung ganz unvermittelt erkundigte, was . in Berlin vorgehe, was die jüdische Gemeinde mache und ob der Tempel in der Oranienburger Straße noch stehe. Auf das immerhin etwas verdutzte Gesicht des Fremden fragte er, ob man denn nicht wüßte, daß. er, der Baufachmann, ein gebürtiger Berliner sei. Dann .erkundigte er sich nach dem Ergehen seiner Verwandten, bedeutender Berliner Wissenschaftler. ' Sehr merkwürdig waren auch die jüdischen Erlebnisse in Kapstadt. Da es bekannt ist, daß die südafrikanischen Juden sich ziemlich stark assimiliert, also anglisiert haben, und es in einer englischen Ballgesellschaft, auch wenn die Veranstalt tung öffentlich ist, beinahe unmöglich ist, unein- -geführt mittanzen zu können, ist man vorsichtig genug, sich von dem Vorsitzenden des Vereins einführen zu lassen. Auf diese Weise macht man an einem Abend die Bekanntschaft von etwa 160 jungen Damen. Eine davon wählt man sich zur Dauerpartnerin. Als mehrfache Versuche, sich englisch zu verständigen, nur ein bedauerndes Lächeln verursacht haben, probiert der ausländische Tänzer sein Glück auf jiddisch. Aber die Wirkung 'ist noch viel blamabler. Mitten im Tanz läßt die junge Schöne plötzlich den Partner, reichlich verlegen, stehen und läuft dävon. Vollends unerklärlich wird diese Handlungsweise, wenn man bei fortgeschrittener Zeit und Stimmung, die Simchas- Thora Feiernden selbst jiddisch sprechen hört. Auf die Bitte an die treulos Geflohene um Aufklärung über ihr sonderbares Benehmen, gibt sie folgende charakteristische Erklärung: Erstens sei Vornehme Beleuchtnn gskfirper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) es noch zu früh gewesen zum jiddisch sprechen und zweitens könne sie nicht verstehen, wie man als Berliner Jude jiddisch spreche; bei ihr. die aus Drohobicz komme, sei das doch etwas ganz anderes. Dieses lustige kleine Erlebnis beweist deutlich das Bestreben der afrikanischen Juden, sich um jeden Preis zu amüsieren. Afghanistan, das Land, das Klötzel im Aufträge des Berliner Tageblatts erst vor kurzem bereiste, ergab nur eine sehr magere Ausbeute an jüdischen Erlebnissen. Das ist erklärlich, wenn man bedenkt, daß die Reise im Gefolge des aus Europa heimkehrenden Königs Amanullah erfolgte und dieser begreiflicherweise kein sonderliches Interesse für jüdische Erlebnisse an den Tag legte. — Unter den Triumpbögen, die zu Ehren des afghanischen Königspaares von den verschiedenen Berufsschichten seiner ihn sehr verehrenden Untertanen errichtet wurden, fiel in Balch besonders einer durch die neben ihm stehenden Erbauer des Bogens auf. Obwohl in südlichen Ländern es viel schwieriger ist, den Juden von den Eingeborenen zu unterscheiden, als z. B. in einem nordischen Lande, vermutete man in den Erbauern jenes Triumphbogens Juden. Tatsächlich handelt es sich um jüdische Raufleute; die hier in Balch sogar in einer ^Gemeinde zusammenlebten. Neben der Balcher Gemeinde gibt es in Afghanistan nur noch eine jüdische Gemeinde. Von den Juden der Balcher. Gemeinde geht das Gerücht, daß sie aus dem Heer Alexander des Großen, der auf seinem Siegeszugdurch diese Gegend zog, zurückgeblieben sind. "Ob diese Vermutung zu Recht besteht, ist noch nicht nachgewiesen. Die unter großen Gesichtspunkten geistreich zusammengestellten Erlebnisse C. Z. Klötzels fanden bei einer großen Zuhörerschaft großes und dankbares Interesse. rl. Gemeindenu. Vereins-Echo München. Die Vertretersitzung der Israelitischen Kultusgemeinde vom 16. Dezember 1928 war die letzte in der jetzt abgelaufenen Session. Nach Behandlung einiger laufender Angelegenheiten in öffentlicher und geheimer Sitzung schloß der 1. Vorsitzende der Gemeinde, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer mit Dankesworten, die sich vorzugsweise an die Vertreter und Vertreterinnen ‘wandten, welche in der am 1. Januar 1929 beginnenden Session ihre Ehrenämter nicht mehr ausüben werden. Dazu zählt zu allgemeinem Bedauern der bisherige Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Herr Geh. Justizrat Dr. D i - s p e k e r . der durch das Vertrauen seiner Berufs- I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ GRÜBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostllmstlckerelen Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975 kollegen zu wichtigen Ehrenämtern berufen ist und in die'ser Tätigkeit jüdisches Ansehen in weiteren Kreisen wahren kann. Als Sprecher der Minderheit im gemeindlichen Kollegium brachte Herr Justizrat Dr. Fränkel ebenfalls den Dank des Hauses zum Ausdruck und betonte, mit welch strenger Unparteilichkeit und persönlicher Liebenswürdigkeit Herr Geheimrat Dr. Dispeker stets seines Amtes in vorbildlicher Weise waltete. Des weiteren gab Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. ^Neurheyer bekannt, daß Herr Professor Emanuel Kirschner zum 1. Januar 1929 sein Amt als 1. Kantor der Synagoge an der Herzog-Max- Straße niederlegt, sprach das Bedauern des Gemeindevorstandes darüber aus und zugleich den tiefgefühlten Dank dafür, daß es Herrn Professor Kirschner gelungen ist, den Gottesdienst zu vertiefen und zu verschönern. Die Vertreterversammlung brachte ihren Beifall zu diesen Ausführungen durch ihren Vorsitzenden zum Ausdruck, wovon Herrn Prof. Kirschner eine Abordnung der Körperschaften und des Rabbinats in Kenntnis setzt. J U fl:* *1 41 Jr Nki

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