Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 51 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- Seite 813 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 813 auch bei der Art, wie das Königreich Bayern zustande kam, historisch keinerlei Berechtigung haben, beruht diese ganze Argumentation auf dem grundsätzlichen Irrtum, daß die Juden sich ihre bürgerlichen Rechte durch soziale Leistungen hervorragender Art erst verdienen müßten — eine Anschauung, die man vielleicht gelten lassen mußte, in einer Zeit, wo es sich um die^ Frage handelte, ob man den Juden die Emanzipation gewähren sollte oder nicht, die aber heute endlich als überwunden gelten sollte und die in dieser Aufmachung wahrhaftig nicht wieder aufgewärmt werden durfte. Daß bei solch grundsätzlicher Verkennung des eigentlichen Problems, bei solch gewaltsamer Verzerrung der Einzeltatsachen, wie wir sie vorhin behandelt haben, die Ergebnisse, die hier herausgetüftelt werden, das was erstrebt wird, geradezu lächerlich machen, kann nicht verwundern. Oder kann es etwa ernst gemeint sein, wenn erzählt wird, daß sich unter den Männern der Kunst, „die in Wort und Ton gleichfalls zur Mehrung der Kultur in Bayern beigetragen haben“ (und die dadurch, wie man wohl folgern soll, den Juden das Heimatrecht erworben haben) auch Bruno Walter befindet, der getaufte Bruno Walter, dem man trotzdem hier die Heimat und das Schaffen nicht gegönnt hat, den man regelrecht vertrieben hat. Kann es ernst gemeint sein, wenn unter den Mehrern der bayerischen Kultur angeführt werden, der in Karlsruhe geborene Willstädter, der auf sein Lehramt an der Universität verzichtet hat, weil es ihm nicht mehr möglich war in der vergifteten bayerischen Atmosphäre ersprießlich zu arbeiten, der in Breslau geborene Physiker Leo Graetz, Hermann Levi, der Musiker aus Giessen und der Prager Musiker Heinrich Porges. Der Begriff der Heimat wird hier solange gedreht und gewendet, bis schließlich auch die Böhmen, Tschechen und Badener zu Bayern werden. Es bleibt bedauerlich, daß diese Arbeit veröffentlicht wurde, besonders bedauerlich, weil durch die Qualität ihres theoretischen Teils unter Umständen auch die Wirkung des statistischen Anhangs geschmälert wird, der eine genaue Aufzählung aller gefallenen bayerischen Juden, eine genaue Statistik der bayerischen Feldzugsteilnehmer, der jüdischen Flieger, der Inhaber verschiedener Orden gibt, Statistiken, die auch dann ihren großen, unschätzbaren Wert behalten, wenn man nicht unbedingt der Meinung ist, daß die Zahl unserer Toten die beste Waffe im Abwehrkampfe gegen den Antisemitismus darstellt. I. E. Noch einmal: Gemeindewahlen in München Der Frankfurter „Israelit“ läßt sich aus München über die Gemeindewahlen berichten; sein Korrespondent richtet dabei heftige Angriffe auf den Gesamtausschuß der Ostjuden in München, dem er Friedensstörung, planmäßige Hetze gegen die orthodoxe Fraktion und Undankbarkeit gegen die Orthodoxie vorwirft, die sich seit Jahrzehnten in geradezu beispielloser Weise für die Rechte der Ausländer eingesetzt habe. Durch die verschiedenen in unserem Blatte enthaltenen Artikel dürfte der Sachverhalt so weit geklärt sein, daß Deutsche Neuwäscherei O.m.h.H. FELIX BRANDNEB * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plätt wasche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage Die Geschichte des Klaviers verzeichnet um 1740 den Bau des ersten Schiedmayer-Clavichords. Eine fast zwei Jahrhunderte alte Tradition und die Verknüpfung des Familiennamens mit den gebauten Instrumenten sind Bürg schaft, daß Schiedmayer & Söhne Flügel / Pianos mit besonderer Liebe zum Werk und reicher, ererbter Fachkenntnis hergeslellt werden. Ihr voller gesangsreicher Ton, ausgezeichnete Stimmhaltung, wie die leichte elastische Spielart u. unbegrenzte Haltbarkeit werden von klassischen und modernen Meistern übereinstimmend gerühmt. Als alleinige Niederlage ermöglichen wir die Anschaffung eines solchen Instrumentes zu sehr vorteilhaften Bedingungen. Pianohaus Hirsch am Sendlingcriorplaiz MÜNCHEN / Undwurm*lra6e 1 sich jeder unserer Leser selbst ein unbefangenes Urteil bilden kann; wir geben auf dessen dringenden Wunsch dem Gesamtausschuß der Ostjuden noch einmal das Wort, indem wir einen uns zugänglich gemachten Brief an die Redaktion des „Israelit“ abdrucken und schließen damit endgültig die Diskussion; D. Horn München, Karlstraße 54 München, 17. Dezember 1928 An die Redaktion des „Israelit“ Frankfurt a. M. Im Namen fast sämtlicher Ostjuden Münchens ersuchen wir Sie, folgende Erwiderung auf den in Ihrem geschätzten Blatt Nr. 49, Seite 6, aus München stammenden Artikel: „Die Wahlen in der Münchner Gemeinde“, gefl. aufnehmen zu wollen: Seit einer Reihe von Jahren sind sämtliche Ostjuden Münchens alle Orthodoxen mit einbegriffen, in einem Verband der Ostjuden organisiert, dem Gesamtausschuß der Ostjuden. Die Verbandsleitung hat die Aufgabe, die Interessen sämtlicher Ostjuden Münchens zu wahren und wird von allen übrigen jüdischen Parteien Münchens als legitime Vertretung der Ostjuden anerkannt und gewürdigt. Mit den Stimmen dieses Verbandes wurden vor 8 Jahren 2 Zionisten und 1 Orthodoxer in die Gemeindeverwaltung entsendet. Nach Genehmigung des passiven Wahlrechts auch für Nichtreichsdeutsche waren sowohl die Zionisten als auch die Orthodoxen verpflichtet, diese Sitze, die sie in der Zusammenarbeit mit dem Gesamtaus-