Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 51 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- Seite 812 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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812 Das Jüdische Echo Nr. 51 dieser Sachlage kann man also damit rechnen, daß die kommende Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation im Wesen eine nur formelle Bedeutung haben wird. Es wird sich darum handeln, den Schlußpunkt unter eine Sache zu setzen, die in ihrem Inhalt und Umriß erledigt ist. Wohl kann es auch auf dieser Sitzung noch letzte Verwahrungen, Proteste und stürmische Erklärungen geben — am Ausgang dieser Beratung kann kein Zweifel vorhanden sein. Dahn werden diejenigen jüdischen Organisationen, die sich bis hente noch nicht zu Wort gemeldet haben, wie sie sich zur erweiterten Jewish Agency stellen, ihr Kredo ablegen müssen. Sie werden zu bekunden haben, ob sie auch jetzt noch vor dieser größten alljüdischen Aufgabe ihre Augen verschließen wollen. Sie werden sich unzweideutig dafür entscheiden müssen, ob sie den Sinn der jüdischen Gegenwart und die Forderung der jüdischen Zukunft verstehen oder ob sie es vorziehen, außerhalb des Stromes der Entwicklung zu bleiben und diesen über sich hinwegströmen zu lassen, anstatt mit ihm mitzugehen. Wir wollen der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Anzahl dieser unentwegten Neinsager nur sehr klein sein wird. Angesichts vollendeter Tatsachen kann man nicht als ewig Leugnender und ewig Gegnerischer dastehen. Sonst lädt man die schon früher erwähnten Charakteristiken auf sich, daß man ein Blinder oder ein Narr ist. o. a. Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht? Schon die Fragestellung des Titels dieser „geschichtswissenschaftlichen Untersuchung“ verrät, daß man es mit einer rein apologetischen Schrift zu tun hat, mit einer Arbeit, die alle möglichen Tatsachen ohne Rücksicht auf ihren historischen Wahrheitsgehalt zurechtbiegt, bis sie ein Argument dafür abgeben, daß die Juden in Bayern wirklich ein Heimatrecht besitzen. Daß dies der Fall ist, soll und darf auch hier keineswegs bestritten werden; wenn trotzdem Kritik geübt wird an dem Verfahren, das sich in dieser Broschüre ausgewirkt hat, so nur deshalb, weil doch schwerlich zu beweisen sein dürfte, daß ein Anspruch dann eher allgemeine Anerkennung findet, wenn man seine Berechtigung mit schlechten, geschichtsklitternden Argumenten nachzuweisen versucht. Was soll man beispielsweise dazu sagen, daß der Autor dieser Broschüre, Herr Dr. Eckstein, der sich als jüdischer Geschichtskenner einen gewissen Ruf erworben hat, sich doch nicht scheut zu schreiben: Die Juden sind seit mindestens einem Jahrtausend im Boden des Bayernlandes „verwurzelt“, wenn dieser Autor sehr genau ^unterrichtet ist darüber, daß das „Bayernland“ in seinem heutigen Umfang doch erst seit 120 Jahren besteht; wenn dieser Autor genau darüber 1 Von Dr. August Eckstein, Bamberg, Philo-Verlag, 1928. PACKARD unterrichtet ist, daß im Verlaufe dieses Jahrtausends, in dem allerdings Juden in dem Gebiete des heutigen Bayern ansässig waren, ihnen zu wiederholten Malen das schlimmste geschehen ist, daß man eben und zwar mit sehr kräftigen Maßnahmen, mit Verfolgungen, Austreibungen, Bedrückungen aller Art ihren Anspruch auf das Heimatrecht sehr kräftig bestritten hat. Will er vielleicht, daß die Juden diese freilich sehr trostlosen Kapitel ihrer Geschichte vergessen — sie tun es doch schon allzu sehr — und wenn er es will, warum? Schämt er sich vielleicht dieser Ereignisse, die unsere Vorfahren, die doch von ihnen aufs schwerste an Leibe und Seele betroffen wurden, nie veranlassen konnten, die jüdische gegen die bayerische Schicksalsgemeinschaft einzutauschen, was ihnen sehr leicht möglich gewesen wäre. Hält er es wirklich für so außerordentlich richtig und wichtig zu beweisen, daß die Juden seit Jahrhunderten einer Schicksals- und Kulturgemeinschaft angehört haben, die barbarisch und unkultiviert genug war, um gerade diesen ihren Teil immer und immer wieder erbarmungslos zu versklaven, zu zerstampfen und nur dann zu schützen und auszunützen, wenn sie gerade einmal ihren Vorteil darin erblickte. Sklaven waren wir, nicht nur in Ägypten, sondern auch in Bayern, Herr Dr. Eckstein und es wird Ihnen nicht gelingen uns das vergessen zu machen, wenn sie es denn schon selbst vergessen haben. Wir wollen frei und gute bayerische Staatsbürger sein, aber wir wollen unser Recht auf Freiheit nicht mit einer Verleugnung und Vertuschung unserer Geschichte erkaufen; wir haben das Recht, Bayern unsere Heimat zu nennen und brauchen dieses Recht durch besondere Leistungen gar nicht mehr zu erweisen, aber wir wollen es nicht haben, wenn wir gezwungen sein sollen, deshalb unsere innere, unsere geistige Heimat zu vergessen, wenn man uns drängen will, den großen historischen und sagen wir es ruhig, auch über die bayerischen und deutschen Grenzen hinausgehenden Zusammenhang mit dem Gesamtjudentum aufzugeben — wir denken nicht daran auf unsere Rechte in Bayern leichten Herzens zu verzichten und wir werden sie stolz und selbstbewußt wahrnehmen, so stolz und selbstbewußt, wie wir unsere Pflichten erfüllen wollen, aber man soll uns auch nicht zumuten, diese unsere äußere Freiheit mit innerer Knechtschaft zu bezahlen. Es lohnt sich nicht im einzelnen gegen die geschicht;*wissenschaftliche Untersuchung zu polemisieren. obwohl sie wirklich Gelegenheit und Veranlagung genug dazu geben würde; sie versucht nachzuweisen, daß die Juden in Bayern als Angehörige der „bayerisch-deutschen Schicksalsgemeinschaft“, der „bayerisch-deutschen Sprachgemeinschaft“, der „bayerisch-deutschen Kulturgemeinschaft“ und der „bayerisch-deutschen Willensgemeinschaft“ sich in jeder Beziehung das Heimatrecht erworben hätten. Ganz abgesehen von den grotesken Konstruktionen dieser „bayerisch-deutschen“ Gemeinschaften, die heute in der Zeit, wo der deutsche Einheitsstaat sich zu verwirklichen beginnt, mehr als antiquiert sind und 6 und 8 Zylinder in Linie wesentlich niedrigere'Preise bei gleicher Qualitäts-Berühmtheit Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum