Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 51 (21.12.1928)
- Date
- 1928-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 51 21. Dezember 15. Jahrgang Die Sprache der Tatsachen Zur Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees Nichts ist so laut und eindringlich, so überzeugend wie die Sprache der Tatsachen. Einfach darum, weil ihre Wirklichkeit ohne Unterlaß wirkt und auch' von am meisten Widerstrebenden und Leugnenden nicht wegdisputiert werden kann. Darum muß auch eine Bestrebung, die für sich Tatsachen sprechen läßt, früher oder später Widerstände überwinden, Zögernde anziehen und Gegner zum Schweigen bringen. Diese Entwicklung kann man auch bei der Palästinakolonisation und dem Verhalten der Judenheit in der ganzen Welt feststellen. So lange man von der Schaffung eines jüdischen Zentrums in Palästina bloß reden konnte und nicht auf Gerechtsame und vollbrachte Leistung zu verweisen vermochte, war die Zahl der Anhänger dieser Bestrebung gering an Zahl und gering an Einfluß, Als es am Ausgang des Weltkrieges gelang, die englische Regierung zur Abgabe der Balfourdeklaration und in der Folge den Völkerbund zur Annahme des Palästinamandates zu veranlassen, da trat die Sache des jüdischen Nationalheims aus dem Stadium des Wunsches einer kleinen Gruppe in das Stadium einer völkerrechtlich anerkannten Tatsache. Mit dem Beginn und Fortschreiten der Kolonisationsarbeit im Heiligen Lande wurde eine noch stärker wirkende Tatsache geschaffen. Zunächst wollten die Zögernden und Widerstrebenden die Sprache dieser Tatsachen nicht hören. Aber mittlerweile sind zehn Jahre seit dem Kriegsende verstrichen, die Balfourdeklaration ist nicht widerrufen, das Palästinamandat besteht zu Recht, die Kolonisation der Juden in Palästina entwickelt sich trotz gelegentlicher Stagnation wer heute noch den jüdischen Aufbau Palästinas leugnet, läuft Gefahr, als Blinder, Narr oder als unverbesserlicher und unbelehrbarer Querulant zu gelten. Man kann heute als Jude für oder gegen das Werk in Palästina sein, man kann es aber im jüdischen Leben nicht bagatellisieren und man kann seinen Einfluß auf die Umwertung aller bisherigen jüdischen Vorstellungen vom Wesen und Schicksal der jüdischen Gesamtheit nicht hindern. Ist diese geänderte Sachlage zweifelsohne bei den weitesten Schichten der noch an jüdischen Dingen interessierten Juden festzustellen,' so müssen sich anderseits die bisher allein den Aufbau betreibenden und für diesen verantwortlichen Zionisten sagen, daß auch sie vor Tatsachen die Augen nicht verschließen dürfen. Die Sache Palästinas ist heute nicht mehr ausschließlich Domäne der Zionisten und sie haben kein Recht Menschen, die an dem Werden eines jüdischen Palästina Interesse bekunden, zurückzustoßen. Tatsachen sind eben nicht zu leugnen und aus der Welt zu schaffen. So lange es außer den Zionisten niemanden gab, der bereit war, am Werke des Palästina-Aufbaues mitzuarbeiten, war es natürlich, daß nur Zionisten dieses Werk betreuten und die volle Verantwortung, sowie die alleinige Entscheidung für alle dieses Werk betreffenden Maßnahmen trugen. Wenn aber andere Kreise der Judenheit, die nicht parteizionistisch sind, ihre Bereitwilligkeit erklären, zum Gelingen des Palästina-Aufbaus beizutragen, so stellt das auch eine nicht zu leugnende Tatsache dar, der man Rechnung tragen muß. Wir wissen alle, daß das Werden der erwähnten Tatsachen nicht spontan gewesen ist. Es handelte sich dabei um langwierige Entwicklungen voller Gefahren, Widerstände und Rückschläge. So aber und nicht anders ist der Lauf der Geschichte, und es dauert lange, bis die Dinge reif werden. So lange sie es nicht sind, ist der Zweifel, der von verschiedenen Seiten zum Ausdruck gebracht wird, begreiflich, und die Befürchungen, welche von einzelnen Stellen für den Fall der Reife gehegt und die Weigerungen mitzuwirken, die, von anderer Seite aus, bekundet werden, natürlich. Wenn aber das Stadium der Überlegung und Vorbereitung zu Ende ist, dann müssen naturgemäß Bedenken und Vorbehalte, sowie Weigerungen ein Ende finden. Das gilt sowohl für diejenigen jüdischen Organisationen, die das Judentum, wenn auch in ihrer Weise, bejahen und sich bis heute aus den verschiedensten Gründen vom Palästinawerk ferngehalten haben, sowie auch für diejenigen Zionisten, die die schwersten Bedenken gegen die Mitwirkung anderer Kreise am Aufbauwerk in Palästina hatten und haben, weil diese Kreise weder die, nach Meinung dieser Zionisten, für den Aufbau notwendige ideologische Einstellung, noch das Verständnis für das Wesen der in Palästina in Errichtung befindlichen Werkes besitzen. Heute ist die Sachlage die, daß die erdrückende Mehrheit der Zionistischen Organisation und sehr wichtige Teile der nichtzionistischen Judenheit in Amerika und in anderen Ländern sich auf Grund eines bis ins einzelne durchdachten und beschlossenen Programmes geeinigt haben. Den Widerstrebenden unter den Zionisten sowie den Gegnern unter den Nichtzionisten bleibt in diesem Augenblicke nichts, anderes übrig, als ihre bisherige Haltung zu revidieren. Diese Revision der Anschauungen vollzieht sich deutlich, wenn auch sehr langsam, Man kann in den Organen der nichtzionistischen Juden bereits Artikel lesen, unter welchen Bedingungen die betreffenden’ Richtungen bereit sein werden, am Palästinäwerk mitzutun. Die Frage des Ob wird nicht mehr diskutiert. Man stellt Betrachtungen über das Problem des Wie an. Anderseits rechnen auch die zionistischen Gegner des Zusammenarbeiten von Zionisten und Nichtzionisten beim Palästina-Aufau mit der Tatsache dieser .Korporation und suchen herauszuschälen, welche kontrollierende und antreibende Rolle ihnen, den intransigenten Verfechtern des nur von Zionisten zu leitenden Palästina-Aufbaus, in der neuen Konstellation zufallen wird. Angesicht.'