Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- Seite 798 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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798 Das Jüdische Echo Nr. 50 die dem Mittelstand, zu dem die Juden gehören, besonders ungünstig ist. In Rußland ist der jüdische Mittelstand vollkommen zermalmt worden, lind der Erfolg? Rußland hat jetzt eine spezifische Judenfrage, obwohl die Regierung nicht im geringsten antisemitisch ist. Ähnlich ist die Lage in der Tschechoslowakei. Noch mißlicher ist die Lage der Juden in Polen und Rumänien, wo das Auswanderungsbedürfnis unter den Juden so enorm ist, daß es gar nicht im Verhältnis zur Aufnahmefähigkeit Palästinas steht. Es ist aber die Möglichkeit vorhanden, daß sich die jüdische Aufbauarbeit von Palästina auf die benachbarten Länder ausdehnen und größeren Massen Juden Siedlungsland verschaffen wird; dies setzt voraus, daß unsere Arbeit im Zeichen des Friedens mit den Arabern vor sich geht. Wenn sich auch das politische Palästina nicht vergrößert, so könnte im ökonomischen Sinn das Nationalheim eine Ausdehnung erfahren und große Massen des jüdischen Volkes, die aus der europäischen Wirtschaft hinausgestoßen werden, einbeziehen. Die moralische Seite des jüdischen Problems wird Palästina jedenfalls zur Lösung bringen. Man wirft den Juden vor, daß sie sich in fremde Nationalwirtschaften hineindrängen und überall zu Fertigem kommen. In Palästina beweisen sie, daß sie eine eigene Wirtschaft aufbauen und es als Pioniere mit allen Völkern aufnehmen können. Mit dem Aufbau des jüdischen Nationalheims im Palästina wird die moralische Gleichberechtigung der Juden als Volk hergestellt. Ich folgte gern der Einladung, an der Brüsseler Universität zu sprechen und kann mich auch schon revanchieren und den geehrten Herrn Rektor einladen, an der hebräischen Universität in Jerusalem Vorträge zu halten. Rektor Anciaux dankte Professor Weizmann für seine interessanten Ausführungen und für die Einladung, nach Jerusalem zu kommen. Wir alle wissen, schloß er, daß die Juden an ihrer heutigen unsicheren Lage nicht schuldig sind, Schuld haben die übrigen Völker. Deshalb haben wir die Pflicht, an der Verwirklichung des Nationalheims mitzuarbeiten, um so wenigstens einen Teil des dem jüdischen Volk zugefügten Unrechtes gutzumachen. Beim belgischen König Brüssel, 9. Dezember. (JTA.) Der belgische König hat am Donnerstag, dem 6. Dezember, nachmittag 5 Uhr, den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, in Audienz empfangen. Der König versicherte Professor Weizmann seiner großen Sympathie für den Zionismus und die jüdische Arbeit in Palästina und wünschte der Idee des jüdischen Nationalheims Erfolg. Herr Dr. Weizmann traf während seiner Anwesenheit in Brüssel auch mit dem belgischen Außenminister, Herrn Hymans, dem früheren Ministerpräsidenten Emile Vandervelde, dem belgischen Vertreter in der Mandatskommission des Völkerbundes, Herrn Orts, sowie mit anderen führenden politischen Persönlichkeiten Belgiens zusammen. Der belgische Senator Speyer, der Führer der Liberalen Partei, gab zu Ehren Dr. Weizmanns ein Diner, dem ein Dekan der Brüsseler Universität und eine große Zahl prominenter Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft beiwohnten. Die Judenschaft von Brüssel veranstaltete zu Ehren Dr. Weizmanns im Hause des belgischen Vertreters beim Völkerbund, Herrn Gottschalk, einen Empfang, an dem die Mitglieder des Konsistoriums der Gemeinde, der Präsident der Jewish Colonisation Association, Philipson, und eine große Zahl jüdischer Persönlichkeiten Belgiens, von denen viele bisher dem Zionismus ferngestanden haben, teilnahmen. Am Sonnabend, dem 8. Dezember, gab der belgische Außenminister Hymans zu Ehren Dr. Weizmanns ein Frühstück, zu dem diplomatische und politische Persönlichkeiten geladen waren. Von Brüssel begab sich Dr. Weizmann nach Antwerpen, wo er in einer großen öffentlichen Versammlung sowie in privaten Zirkeln Ansprachen hielt. — Am Sonntag, dem 9. Dezember, verließ Dr. Weizmann Belgien, um sich nach Holland zu begeben. Amtsantritt Chancellors Eine Programmrede des neuen Oberkommissars für Palästina Jerusalem, 6. Dezember. (JTA.) Der neue britische Oberkominissar für Palästina, Sir John Robert Chancellor, ist heute in Jerusalem zum Antritt seines neuen Amtes eingetroffen und wurde von den Vertretern aller Schichten der Bevölkerung Palästinas begrüßt. In seiner Dankrede entwickelte der Oberkommissar sein Arbeitsprogramm. Ich betrachte es, erklärte er, als meine heilige Pflicht, die palästinensische Administration gemäß den Bestimmungen des Mandates im Interesse und unter Anteilnahme aller Teile der Bevölkerung zu leiten. Nach einer Periode wirtschaftlicher Depression in Palästina, die das Mitgefühl aller Freunde dieses Landes weckte, kann man nun auf eine verheißungsvolle Gestaltung in Zukunft hoffen. Sir John Robert Chancellor erklärte weiter, er werde seine Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der natürlichen Quellen und Schätze des Landes konzentrieren, die Regierung werde die Privatunternehmungen fördern und dem wirtschaftlichen Aufschwung durch besonderre Aktionen zu dienen versuchen. Sie wird Maßnahmen, die auf die Zunahme der Bevölkerung des Landes hinzielen, Sinnvoll in der Konstruktion. — Werden in eigenen Fabriken hergestellt. — Sind formvollendet, dauerhaft und preiswert. — Wir treten für unsere Erzeugnisse ein. — Besichtigungu. Auskunft bereitwilligst. nur Theatinerstraße 10 Kataloge gratis! 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