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Das jüdische Echo · 1928-12-14 · 50 (14.12.1928) · p. Seite 797

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
50 (14.12.1928)
Date
1928-12-14
Page
Seite 797 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 797 General Motors Automobile LORIN/ER & CO NymphenburgerStraße128 / Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle in Palästina die Summe aller Lebensä u ß e r u n g e n. Auch in Palästina ist dies alles noch im Anfang, noch ist nichts ganz fertig, aber der Grundriß ist gelegt. Palästina hat bisher drei ganz große jüdische Leistungen hervorgebracht: es hat den jüdischen Bauern geschaffen, die jüdische Stadt und die jüdische Sprache. Der Zionismus will, daß der jüdischen Erkenntnis die politische Aktion folge, daß man sich nicht nur die richtige Diagnose zu eigen mache, sondern auch gemäß der sich ergebenden Prognose handle. Die jüdische Welt spricht von der Jewish Agency als der endlich geglückten Einigung der Juden. Bei der Jugend darf dieser Gedanke des Bündnisses aber noch nicht Platz greifen, sondern man müsse von jedem jungen Menschen Mitarbeit an der politischen Aktion verlangen. Der Zionismus kann nicht konserviert werden, man kann die politische Aktion nicht aufschieben, weil das Volk sonst in seinen Kräften erlahme. Nur wenn die Jugend die politische Aktion des Zionismus trage und sich mit allen ihren Kräften an ihr beteilige, werde der jüdische Lebenswille wieder jüdische Lebensmöglichkeiten schaffen können. Dr. Kanowilz fand mit seinem Referat den stürmischen Beifall aller Anwesenden. K. N. Antisemitismus in Sowjetrußland Moskau, 10. Dezember. (JTA.) Die russisehe Presse berichtet Tag für Tag über antisemitische Ausschreitungen. Nur einige wenige Meldungen können hier wiedergegeben werden. Nach einer Meldung aus Kiew wurden in der Zuckerfabrik Uladewke, Kreis Winitza, zwei frühere Angestellte des einstigen Eigentümers der Fabrik Graf Potetzky, namens Parmaliuk und Babura, wegen Aufhetzung der nichtjüdischen gegen die jüdischen Arbeiter verhaftet. Der Prozeß gegen sie wird demnächst stattfinden. In der Zuckerfabrik „Rosa Luxemburg“ in Schepetowke ist der jüdische Arbeiter Kuris infolge der Peinigungen, denen er seitens seiner antisemitischen Arbeitsgenossen ausgesetzt war, wahnsinnig geworden. Zwei Arbeiter, die sich in der Verfolgung des Kuris besonders hervorgetan haben, wurden verhaftet. Bei der Versammlung jüdischer Arbeiter- und Dorfkorrespondenten, die in der Redaktion der Zeitung ,*Emess“ stattgefuinden hat, erklärten mehrere Delegierte, sie hätten Angst, die Wahrheit zu berichten, um nicht der Rache der Huligans ausgesetzt zu sein. Die Untersuchung der antisemitischen Skandale an der Universität zu Woronesch erbrachte neue sensationell wirkende Tatsachen. Man erfährt, daß der hervorragendste Neuropathologe der Ukraine, Prof. Grünstein, ein Jude, vor kurzem dem antisemitischen Terror und Ränkespiel von Professoren und Studenten weichen mußte. Die Atmosphäre wurde so bedrohlich für ihn, daß er aus dem Universitätsgebäude flüchten mußte. Schließlich verzichtete er auf sein Amt. Auch der Ordinarius der Klinik der Universität Woronesch, der jüdische Prof. Lipsky, der Kommunist ist, mußte infolge des antisemitischen Terrors seinen Posten verlassen. Als Resultat der bisherigen Untersuchung wurden elf antisemitische Studenten der Universität Woronesch relegiert. Die Untersuchung wird 'fortgeführt. Eine in Woronesch stattgefundene Versammlung von Studenten und Professoren forderte die Entfernung und Bestrafung aller Professoren und Studenten, die sich antisemitischer Umtriebe schuldig gemacht haben. „Prawda“ berichtet aus Smolensk, daß sich vor dem dortigen Gericht elf Huligans wegen organisierten Angriffs auf die Juden des Städtchens Rudnje zu verantworten haben. Die Haupträdelsführer Chwatka und Schurawlow wurden zu je 10 Jahren Festung, sechs ihrer Helfershelfer zu je 10 Jahren Gefängnis, zwei zu je 3 und einer zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Huligans, die den Juden Schumann in der Fabrik *,Krasni Oktiabr“ in Schlüsselburg bei Leningrad systematisch mißhandelt haben* wurden zu je 2 Jahren Festung verurteilt, zwei der antisemitischen Hetzer von Schlüsselburg, junge Kommunisten, wurden zu je 2 Jahren Gefängnis, drei Arbeiter, die in einem geringen Grade an den Mißhandlungen sich beteiligten, wurden zu 4 Monaten bis eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. In Stalingrad beging der jüdische Ingenieur Kazenelson, der als Angestellter der Fabrik „Krasni Oktiabr“ antisemitischen Verfolgungen seitens des Leiters der Fabrik, Skripnik, ausgesetzt war, Selbstmord. Die Arbeiterschaft der Fabrik hielt eine Protestversammlung gegen Skripnik ab und forderte dessen Bestrafung. Skripnik wurde verhaftet. Welzmanns Kontfnentreise Rede an der Brüsseler Universität Brüssel, 10. Dezember. (JTA.) Am 7. Dezember hielt Professor Chaim Weizmann in der Brüsseler Universität bei Anwesenheit von zahlreichen Professoren und Studenten eine Vorlesung über das jüdische Nationalheim. Rektor Anciaux begrüßte Weizmann als Führer der Zionistischen Weltorganisation und auch als großen Chemiker und erklärte, daß Volk und Regierung von Belgien dem Aufbau des jüdischen Nationalheims mit großer Sympathie gegenüberstehen. Professor Weizmann gab einen überblick über die Geschichte des Zionismus bis zum Jahre 1919, wo der Völkerbund die Grenzen Palästinas festgesetzt hat. Palästina ist heute kleiner als zur Zeit der Bibel, man wäre versucht, zu sagen, daß der Völkerbund die Bibel korrigiert hat. In dem heutigen Palästina wäre noch für etwa dreiviertel Millionen Juden Platz. Es sei darum nicht anzunehmen, daß der Aufbau des jüdischen Nationalheims das wirtschaftliche Problem der Juden Osteuropas lösen wird. Dr. Weizmann skizzierte die besondere wirtschaftliche Struktur der osteuropäischen Länder,

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