Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 50 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- Seite 796 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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796 Das Jüdische Echo Nr. 50 dem deutschen Judentum zu vereinigen, so dürfte ein Weg angebahnt sein, der sowohl für die palästinensische Arbeiterschaft selbst wie für den gesamten Zionismus (auch anderer Länder!) und für die Verknüpfung der deutschen Judenheit mit einem jüdisch und sozial zugleich schöpferischen Palästina von größter Bedeutung ist. Jüdischer Lebenswille und jüdische Lebensmöglichkeiten Die V.J.St. Jorclania hatte für den 6. Dezember zu ihrem ersten politischen Abend eingeladen, auf dem Herr Dr. S. Kanowitz (Berlin) über das Thema „Jüdischer Lebenswille und jüdische Lebensmöglichkeiten“ sprach. Herr Dr. Kanowitz führte aus, daß die These vom Untergang der deutschen Juden in einem deutlichen Gegensatz stehe zu ihrem subjektiven Lebenswillen. In allen Kreisen des deutschen Judentums zeige die Kurve des jüdischen Lebenswillens seit der Nachkriegszeit einen deutlichen Anstieg. Für den liberalen Juden der Vorkriegszeit war das Judentum ein auferlegtes schweres Schicksal. Er trug es, wie man ein schweres Schicksal eben trägt, er blieb Jude aus „Honorigkeit“; seinen Kindern wollte er diesen schmerzlichen Bezirk nach Möglichkeit ersparen. Als Endziel seines sozialen Strebens schwebt ihm der Eintritt in die deutsche Gesellschaft vor. Für ihn war die Auseinandersetzung zwischen dem Judentum und der Umwelt eine subjektive, keine kollektive. Mit den Worten „Ich merke gar nichts davon“ ist nicht nur seine persönliche, sondern die Judenfrage überhaupt erledigt. Sein Rezept heißt Wohlverhalten. Er wehrt sich daher auch gegen jede kollektive Organisation des Judentums. Ganz im Gegensatz zu dieser Vorkriegseinstellung ist heute die Judenfrage für jeden Juden von vornherein eine kollektive Angelegenheit. Ursächlich für diese Wandlung, die uns in ihrer ganzen Tragweite noch gar nicht zum Bewußtsein gekommen ist, sind die schmerzlichen Erfahrungen der letzten Jahre. So erklärt es sich, daß sogar der Centralverein die Parole der Schaffung des jüdischen Menschen ausgegeben hat, wobei er auf das „jüdisch“ einen größeren Wert legt als auf das „deutsch-jüdisch“. Aber nicht nur die Theorie, sondern in noch viel größerem Maße die Praxis hat sich gewandelt. Vor dem Kriege war Judentum die Synagoge. Eine Betätigung der jüdischen Lebensäußerung außerhalb der Synagoge, außerhalb der religiösen Sphäre, galt als reaktionärer Rückschritt, als ein Verbrechen gegen den Geist der Emanzipation. Heute hat sich das deutsche Judentum vollkommen mit der Tatsache der jüdischen Gesellschaft abgefunden. Es lebt heute in jeder Hinsicht in einem selbst geschaffenen Kreise. Die Aufgabe dieser ultra-assimilatorischen Richtung ist aber noch nicht als ein zionistischer Sieg anzusprechen, denn mag auch der Lebenswille wachsen, so schwinden doch die jüdischen Lebensmöglmhkeiten. Daran ändern auch alle Versuche der nichtzionislischen Jugend nichts, die zum Aufbau einer jüdischen Wirklichkeit gemacht werden. Wohl hat man die zionistische Diagnose übernommen, aber die zionistische Prognose wird noch ab- PACKARD gelehnt. Diese zionistischen Forderungen aber haben noch nichts an ihrer Wahrheit eingebüßt. Sie stellen fest, daß die jüdische Gesellschaft keinen Lebensinhalt hat und auf einem anderen als dem zionistischen Weg auch keinen erlangen wird. Das jüdische Volk hat in 1800 Jahren der Verbannung keinen Verlust an seiner Substanz erlitten, aber in den letzten 150 Jahren, seit Beginn der Emanzipation, haben wir einen förmlichen Sturz der jüdischen Substanz erleben können. Alles, was heute an jüdischen Inhalten noch vermittelt und vererbt werden kann, ist im wesentlichen Erinnerung, nicht Substanz. Las gilt auch für jeden Zionisten, auch er kann einen Willensimpuls vermitteln, nicht mehr. Dr. Kanowitz wandte sich nun einer Analyse des deutschen Judentums zu. Er stellte fest, daß das Judentum für den deutschen Juden als Rest bleibe, wenn er eine Subtraktion seiner Kräfte vornehme. Wenn man von dem ganzen Lebenskreis die Inanspruchnahme durch die berufliche Tätigkeit, durch außerberufliche Dinge, wie Sport usw. abziehe, dann bleibe ein mehr oder weniger kleiner Teil übrig, der dem Judentum reserviert sei. Daraus lassen sich gewisse Konsequenzen herleiten. Das Judentum erschöpft sich für den deutschen Juden, da es nicht die Totalität seines Lebens umfaßt, im wesentlichen in Dialogen. Es ist eine Sache, die man nicht tut, sondern über die man spricht. Und auch für dieses Sprechen vom Judentum gibt es für ihn bestimmte Gesetze. Er redet über sie nicht wie über Dinge des Tages, sondern nur wie von der Kanzel, in lehrhaften, metaphysischen Begriffen. Alles ist für ihn, soweit es sich um jüdische Dinge handelt, in eine höhere Sphäre hinaufgehoben. Das zeigt sich auch in der Betrachtung zionistischer Leistungen. Jedes wirtschaftliche Unternehmen wird mit normalen Maßstäben gemessen. Tritt aber etwa aus Palästina eine Rückwanderung ein, so legt er alle normalen wirtschaftlichen Maßstäbe ab und mißt nach irgendwelchen metaphysischen Begriffen. Und noch etwas folgt hieraus: Der deutsche Jude ist Jude auf Kündigung. Er macht in jüdischen Dingen nur so lange mit, als ihm die anderen Dinge seines Lebens dazu Zeit lassen. Er ist zuerst Kaufmann, dann erst Jude. Aus all dem gewinnt der Zionismus die Erkenntnis, daß das Judentum dem Leben wiedergegeben werden muß. Auch hier zeigt sich im allgemeinen ein Fortschreiten der Einsichten. Aber noch wird mit falschen Begriffen gearbeitet. Eine Erneuerung ist nicht in der Krim möglich, sie macht Palästina nicht überflüssig, sie schafft wohl Hilfe für einen Teil der Juden, aber keine jüdische Erneuerung. Auch Amerika kann die Erneuerung nur finanzieren, protegieren, aber es kann keine Erneuerung schaffen. Es gibt nur ein Land, in dem im Gegensatz zur ganzen übrigen Welt die jüdische Substanz mit jedem Tag eine Steigerung der jüdischen Substanz gibt, und dieses Land ist Palästina. Die Substanz wird vom Vater zum Sohn stärker, entjudete Menschen werden jüdisch. Nur in Palästina gibt es nicht jenen jüdischen Sektor im Gesamtlebenskreis, jenes substraktive Judentum, hier ist das ganze Leben jüdisch, auch der Beruf und die außerberufliche Tätigkeit. Man spricht auch nicht in theologischen Traktaten von seinem Judentum. Im Gallith ist das Judentum die Differenz, 6 und 8 Zylinder in Linie wesentlich niedrigere“Preise bei gleicher Qualitäts-Berühmtheit Generalve rtreteT: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim Deutschen Museum