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Das jüdische Echo · 1928-12-07 · 49 (7.12.1928) · p. Seite 781

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
49 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
Seite 781 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 781 tel gibt, sich vor den Juden zu retten, als sie zu verfolgen. Ich kann umgekehrt beweisen, daß das beste Mittel darin besteht, aus ihnen eine weniger kompakte Masse zu machen und ihnen das Recht zu geben, in ganz Rußland sich anzusiedeln und leben zu dürfen. Sie haben sich alle überzeugen können, daß die Regierung auf meine Ratschläge hört. Es wäre daher nicht überflüssig, wenn Sie das berücksichtigen würden. Es wäre gut, wenn die Petersburger Juden sich bemühen würden, mir eine Entschädigung für alle Unannehmlichkeiten und Leiden, die mir ihre Glaubensgenossen zugefügt hatten, zu verschaffen.“ „Die Andeutung“, fährt Gordon fort, „war klar genug. Ich stellte mich aber, als ob ich ihn nicht verstehe und schwieg. Auf seine Frage, warum ich schweige, antwortete ich: ,Womit kann ich Ihnen in Ihrem Leid helfen?4 ,Sie sind doch Sekretär bei Günsburg.2 Sie sind daher direkt verpflichtet, ihm meine Worte zu überbringen/ Gordon erwiderte darauf, er sei persönlich zwar gegen solche Mittel, denn er halte es für die Juden für besser, daß sie leiden und warten sollen, bis die Wahrheit siegen und ihnen Gerechtigkeit zuteil werden werde, ohne daß sie ihre Rechte für Geld kaufen sollten, aber, „wenn Sie mir einen solchen direkten Auftrag stellen, so werde ich es für meine Pflicht betrachten, ihn weiterzugeben. Könnten Sie mir daher Ihre Forderung klar formulieren?“ „Die Juden“, antwortete Brafmann, „haben mich zu Tode gequält, ich habe ihretwegen Lungenschwindsucht bekommen. Ich huste Blut, ich habe nicht mehr lange zu leben und ich möchte die Möglichkeit haben, meine letzten Jahre ruhig zu verleben. Ich würde dabei auch freie Zeit erlangen, um meine literarische Tätigkeit fortzusetzen und in einem neuen Buch auch die Frage zu beantworten, die ich in meinem Kahalbuch offen gelassen habe, nämlich, auf welche Weise das von den Juden verursachte Übel zu entfernen ist. Ich kann jetzt Kehrt machen und als das einzige Mittel bezeichnen, den Juden das Wohnrecht im ganzen Reich zu geben und ihre bürgerlichen Rechte auszudehnen.“ Gordon fügt hinzu, daß er diese Worte Brafmanns dem Sohn des Barons E. Günsburg, Baron Horaz Günsburg, überbracht hatte, worauf dieser ihm antwortete, er werde im Sommer das seinem Vater, der sich damals in Paris aufhielt, mitteilen. Aus der Sache wurde aber nichts, Brafmann erhielt (von dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde) keine Antwort. Soweit die Erzählung von Gordon,3 an deren Richtigkeit zu zweifeln nicht der geringste Grund vorhanden ist. Sie ist für das Wesen Brafmanns und für sein Werk bezeichnend genug und macht für jeden, der nicht hoffnungslos voreingenommen ist, die Beschäftigung mit dem Werke von Brafmann wohl vollständig überflüssig. I. Lewin. 2 Baron E. Günsburg war damals Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Petersburg, ebenso Vorsitzender der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland. 3 Jewreisky Westnik, 1928, russisch, Seite 45-47. Deutsche Neuwäscherei O. m.b.H. FELIX BRAXDNER » MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage Aus der jüdischen Welt Die Schandtafel — Die 67. Friedhofschändung Berlin, 29. November. (JTA.) Vor Monaten schon wurden — wie erst jetzt bekannt wird — auf dem jüdischen Friedhofe zu Pretzfeld 20 Grabsteine umgeworfen, das neu hergerichtete Friedhofstor wurde schwer beschädigt. Wegen der zu späten Entdeckung waren Spuren der Täter nicht mehr zu finden. Die 68. Friedhofsschändung — Eppingen in Baden Berlin, 2. Dezember. (JTA.) Der Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erfährt soeben aus Eppingen in Baden, daß dort am 28. November die 68. Schändung eines jüdischen Friedhofs geschehen ist. Die Gendarmerie hat von den Fußspuren Gipsabgüsse genommen. Die Täter sind bisher noch nicht ermittelt. Antisemitischer Theaterskandal in Hamburg Hamburg, 2. Dezember. (JTA.) Der Theaterskandal bei der Erstaufführung des Dramas „Krankheit der Jugend“ vom anonymen Autor Ferdinand Bruckner im Deutschen Schauspielhaus wird von der ganzen Hamburger Presse scharf verurteilt. Aus allen Darstellungen ergibt sich, daß die Skandalszenen planmäßig organisiert waren und deutlich antisemitischen Charakter trugen. Insgesamt sind 300 Personen von der Polizei aus dem Theater entfernt worden, 19 wurden verhaftet, darunter auch die Bürgerschaftsmitglieder Hüttmann und Brinckmann sowie ein Schriftsteller namens Thomsen, die alle drei der nationalsozialistischen Partei angehören. Die beiden Bürgerschaftsmitglieder wurden nach einigen Stunden, nachdem sie ihre parlamentarische Immunität nachgewiesen hatten, auf Veranlassung der Polizeileitung freigelassen. öffentliche Kundgebung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gegen die erneuten völkischen Friedhofsschändungen Berlin, 28. November. (JTA.) Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, veranstaltete am Dienstag, dem 27. November, abends, in der Stadthalle, Klosterstraße, eine öffentliche Kundgebung gegen die erneuten völkischen Friedhofsschändungen. Weit mehr als 2000 Personen füllten Saal, Galerien und Seitengänge bis auf den letzten Platz. Es sprachen der Vorsitzende der Berliner Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. London, der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Kuttner, Frau v. Kardorff-Oheimb, Dr. Schreiner (vom Zentrum), Rabbiner Dr. Rosenthal, Ministerialrat Steinbrecher vom preußischen Innenministerium, Ministerialrat Dr. Wichmann vom Justizministerium. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: „Die vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, einberufene Versammlung in der Stadthalle gibt ihrer tiefsten Empörung über die Schändung jüdischer Friedhöfe und Grabdenkmäler Ausdruck. Die Versammelten rufen das gesamte deutsche Volk zur entrüsteten Ablehnung dieser Untaten auf. Sie verlangen von allen Kameraden, an deren Seite sie ihr Leben für Deutschlands Freiheit eingesetzt, und mit denen sie den Gefallenen, ohne Rücksicht auf ihre Ab-

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