Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 49 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 779 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9158260--08975-9081689- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 49 Das Jüdische Echo 779 Agitation schritten nur etwa 50 Prozent der Wähler zur Urne. Die Union österreichischer Juden hat 17 Mandate fest errungen, während ein 18. Mandat für sie noch zweifelhaft ist. Die Zionisten und Misrachisten haben zusammen 12 Mandate fest errungen (gegen bisher 11), ein weiteres Mandat ist zwischen ihnen und der „Union“ noch strittig. Die unpolitischen Orthodoxen haben ein Mandat errungen. Die Partei der Werktätigen behaupteten ihren bisherigen Besitzstand von 5 Mandaten. Das Kultusministerium hat die von den antizionistisch eingestellten „Werktätigen“ eingereichte Liste wegen der Ähnlichkeit des Namens und gewisser Parolen mit der von früher bestehenden Partei der Werktätigen für ungültig erklärt, da eine solche Ähnlichkeit geeignet sei, die Wählerschaft irrezuführen. Die abgewiesene Partei überreichte eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof. Es ist somit möglich, daß die gesamten Wahlen für ungültig erklärt und Neuwahlen ausgeschrieben werden. Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden in Bayern Wir werden um Aufnahme der folgenden Mitteilungen gebeten: Die Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer israelitischer Gemeinden Bayerns und der sich anschließende Bundestag fanden am 11. November in Schweinfurt statt. Beide Veranstaltungen nahmen einen erfreulichen Verlauf. Der von dem Vorsitzenden erstattete Jahresbericht erbrachte den Beweis, daß die Vorstandschaft an der Erfüllung der von der vorjährigen Generalversammlung erteilten Aufträge eifrig arbeitet. In der Frage der Versorgung lehrerloser Gemeinden mit Unterricht und religiöser Belehrung der Erwachsenen hat der Bund einige vielversprechende Erfolge erzielt. In einer vom Bunde veranlaßten Versammlung am 29. Januar d. J. haben sich vierzehn Lehrer, voran Herr Lehrer Brückheimer (Marktbreit), für diese Arbeit zur Verfügung gestellt. Nunmehr hat der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden diese Aufgabe zu lösen übernommen, indem er von den Lehrern verlangt, daß sie sich bis zum Höchstmaß von insgesamt achtundzwanzig Dienststunden bereit finden mögen, lehrerlose Nachbargemeinden mit zu versehen. Auch die Anstellung eines Sophers scheint in sichere Aussicht gerückt. Die Anleitung der Jugend zur Erlernung der Thoravorlesung ist in einer Reihe von Gemeinden bereits zur Tatsache geworden und soll weiter gefördert werden. Die juristischen Staatsprüfungen werden künftig unter Freihaltung der Sabbate stattfinden. — Zur Unterstützung notleidender Gemeinden in der Reparatur ihrer Thorarollen und Ausgestaltung der rituellen Tauchbäder hat der Verein im verflossenen Jahr etwa 1000 RM. verausgabt. Es wurde der Vorstandschaft anheimgegeben, den rechten Zeitpunkt ausfindig zu machen, um durch eine Eingabe bei der Staatsregierung die Befreiung der jüdischen Volksschüler an den Sabbaten vom Schulbesuch sicherzustellen. Es wurde eine Kommission ernannt, die auf eine Zusammenfassung der konservativen Juden Bayerns hinarbeiten soll. — Der Kassabericht ergab einen erfreulich gesunden Stand der Kassa. An die Generalversammlung schloß sich alsdann der Bundestag an. Er wurde durch eine besonders herzliche Ansprache des Herrn Justizrats Dr. Hommel als Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt und durch eine Begrüßungsrede des Bundesvorsitzenden eingeleitet. Mit größter Aufmerksamkeit und freudiger Zustimmung wurden die beiden nun folgenden Referate von der Versammlung hingenommen. Das erste erstattete Herr Bezirksrabbiner Dr. Bamberger (Kissingen). Es behandelte das Thema: „Der Einfluß der jüdischen Frau und Mutter im religiösen Leben der Gegenwart.“ Redner schilderte die auf Sittlichkeit und Familientreue beruhenden Anschauungen des Judentums und seiner Weisen und stellte mit anerkennenswertem Mut die Entartungen der Moderne als bedauerlichen Gegensatz dazu dar. Das zweite Referat, erstattet von Bezirksrabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), behandelte die rechte Art der Psalmenlektüre. Zahlreiche, wohl ausgewählte Proben gaben eine sachgemäße Anleitung zum richtigen Verständnis der Psalmen, die mehr wie jedes andere Buch der Heiligen Schrift der Anregung eines geläuterten religiösen Sinnes und einer praktischen Frömmigkeit dienen. Aus der Mitte der Versammlung heraus wurde die Anregung zur Drucklegung der Referate gegeben. Es darf mit Befriedigung festgestellt werden, daß der Bundestag eine wohlgelungene, anregende Veranstaltung darstellte. Gemeinde wählen und Ohel Jakob Der Artikel „Gemeindewahlen“ in Nr. 48 des „Jüdischen Echos“ enthält schwere Angriffe gegen die orthodoxe Fraktion bzw. den Verein Ohel Jakob, die nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Zunächst kann nicht zugegeben werden, daß der aus allen religiösen Richtungen zusammengesetzte Gesamtausschuß der Ostjuden ohne weiteres legitimiert ist, einen orthodoxen Kandidaten für die Gemeindevertretung aufzustellen. Da innerhalb der Ostjuden eine ausgesprochen orthodoxe Gruppe organisiert ist, so durfte Ohel Jakob diese Gruppe auch als die zur Aufstellung der ostjüdischen Kandidatur für die Orthodoxie berufene halten. Noch ehe der Gesamtausschuß der Ostjuden eine Nominierung beschlossen hatte, waren bereits die Verhandlungen zwischen Ohel Jakob und der genannten ostjüdischen Gruppe so weit gediehen, daß die von dieser Seite vorgeschlagenen Persönlichkeiten akzeptiert wurden. Trotzdem hat die orthodoxe Fraktion, als sich herausstellte, daß der Gesamtausschuß eine andere orthodoxe Kandidatur mit Mehrheit aufge- Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: loh. Winklhofer & Söhne * Mönchen 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844