Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- Seite 767 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 767 ken, besonders im „Sohn des alten Volkes“, hat er die völlige Beherrschung der Form erreicht zugleich mit einem Gefühlsinhalt, der jüdische Eigenart verrät. Max Liebermann, aus alter in Berlin verwurzelter jüdischer Familie stammend, hat in anderer Weise diese Eigenart zum Ausdruck gebracht. Sein konsequenter Wille machte ihn zu dem führenden „deutschen“ Impressionisten, zu dem zweifellos bedeutendsten Zeichner und Maler unserer Tage. In seiner feinnervigen Grundeinstellung können wir das Jüdische entdecken. Ein anderes Temperament wiederum ließ Lesser Ury, den Jüngsten der Vier, in einem großen Auf und Ab wachsen zu einem Gestalter von Natureindrücken. Besonders als Pastellmaler hat er Bedeutendes geschaffen. Starker Beifall und warm empfundene Worte des Herrn Oberlandesgerichtsrats Dr. Neum e y e r bewiesen dem Redner, welchen Anklang seine Ausführungen gefunden hatten. Seine Gedankengänge sind des weiteren ausgeführt in seinem soeben erschienenen Werke „Die Juden in der Kunst“ (Welt-Verlag, Berlin), auf das einstweilen hier nur kurz hingewiesen sei. Theo Harburger. Hymnus „in Ewigkeit“ von Jehuda Halevi, in Musik gesetzt von Heinrich Schalit In unserer, von klaffenden Gegensätzen aufgewühlten Zeit ist es um so bemerkenswerter, wenn der unter Prof. Berberichs Leitung stehende Münchener Domchor in dem Programm seines am 22. November im Odeon veranstalteten Konzerts, neben der E-moll-Messe von Bruckner und einem Stabat mater von Leihtaler, auch den Hymnus „In Ewigkeit“ von unserem Organisten Schalit zu erfolgreicher Erstaufführung gebracht hat. Wie schon wiederholt, entzündete sich auch diesesmal Schalits Inspiration an einer Dichtung Jehuda Halevis, von Franz Rosenzweig aus dem hebräischen Original ins Deutsche übertragen. Jehuda Halevi paraphrasiert in seiner Dichtung die berühmte Stelle aus Jirmijahn K. 31, 35—37, in welcher der Weltenherr durch den Mund des Propheten kündet, es werde Israel nicht untergehen, solange der Kosmos besteht. Eigenartig wie Rosenzweigs Übertragung wirkt auch die Musik Heinrich Schalits, deren Verlebendigung einem fünfstimmigen gemischten Chor mit Begleitung von Orgel, Violinen und Harfe zugewiesen ist. Sie trägt symbolisierenden Stimmungscharakter und sucht stellenweise, wie im Hauptthema, das Kreisen der Gestirne tonmalerisch zu versinnlichen durch feierliche Erhabenheit, durch mitunter geheimnisvolle, dissonanzenreiche Harmonien. In einem Andante maestoso bringt zunächst die Orgel als Einleitung das Hauptthema mit seiner in langgezogenen Tönen aufsteigenden dorischen Skala, die kontrapunktiert wird durch eine in einem Orgelpunkt ausmündende Gegenbewegung. Die Solovioline übernimmt nun das Thema, begleitet von Harfe und Violinen in gebrochenen oder harpeggierten Akkorden, die durch Verwendung altertümlicher Pentatonik einen mystischen Eindruck hervorrufen. Nach weiterer Durchführung des ersten Themas wird dieses vom Vokalchor aufgenommen zur musikalischen Illustrierung der Textesworte: „Sonn4, Mond, die beiden ziehn in Ewigkeit auf Wacht; Tag, Nacht, ihr Gleichlauf wird nie aus dem Gleis gebracht.“ Nach einem instrumentalen Zwischensatz leitet der Chor durch dynamische Steigerung über zu einem fugierten Satz, in dem, wie überhaupt im größten Teile der Komposition, ausgiebige Orgelpunkte den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht bilden. Diesem Fugato, das charakteristisch die Worte illustriert: „Fernt Gottes Linke sie, die Rechte bringt sie nah“, stehen in eindringlicher Homophonie die Worte gegenüber: „So haben auch in Not sie Lästrung nie gedacht“. Mit der Wiederaufnahme des ersten Themas, das eine machtvolle Steigerung erfährt als Ausdruck unbedingten Gottvertrauens, „daß in Ewigkeit sie, und daß nie ihr Ende kommt, eh’ enden Tag und Nacht“, verklingt in einem instrumentalen Nachspiel Schalits tiefempfundene Komposition. Reicher Beifall dankte ebenso dem Komponisten, wie dem hingebungsvollen Leiter Prof. Berberich und seinem mit Begeisterung musizierenden Vokal- und Instrumentalkörper. E. Kirschner. Gemeinden-u. Vereins-Echo Wahl zur Gemeindevertretung Für die Neuwahl zur Gemeindevertretung war bis zum 25. November bei der Gemeinde nur ein einziger Wahlvorschlag eingegangen, so daß die auf diesem Wahlvorschlag genannten Bewerber auch ohne Wahlhandlung als Gemeindevertreter und Ersatzleute als gewählt gelten. Es sind dies: Gruppe Ia: 1. Beer Eugen, Justizrat: 2. Apfel Max, Kaufmann: 3. Bacharach Isaak, Kaufmann; 4. Heilbronner Dr. Julius, Justizrat; 5. Löwenthal Dr. Karl, prakt. Arzt; 6. Picard Louis, Kaufmann; 7. Sternberger Hugo, Ingenieur; 8. Weiß Walter, Kaufmann; 9. Wilmersdoerffer Dr. Ernst, Rechtsanwalt; 10. Bloch Julius, Kaufmann; 11. Werner Dr. Alfred, Rechtsanwalt; 12. Gutmann Dr. Franz, Kaufmann; 13. Marschütz Dr. Josef, prakt. Arzt. Gruppe Ib: 1. Frau Ellinger Hermine; 2. Frau Reinemann Lucie; 3. Frau Stark Recha. Gruppe II: 1. Feuchtwanger Dr. Max, Justizrat; 2. Wechsler Arthur, Bankier; 3. Feust Dr. Karl, Rechtsanwalt. Gruppe lila: 1. Lichtenauer Justin, Kaufmann; 2. Lustig Bernhard, Kaufmann und Fabrikant; 3. Siegel Dr. Julius, Rechtsanwalt. Gjruppe Illb: 1. Grünbaum Paul, Kaufmann; 2. Horn David, Kaufmann. Die Ersatzleute: Gruppe Ia: 1. Bach Karl, Fabrikbesitzer; 2. Regensteiner Dr. Ludwig, Rechtsanwalt; 3. Kaumheimer Dr. Ludwig, Arzt; 4. Schindler Dr. Hanns, Zahnarzt; 5. Hirschberg Fritz, Bankvorstand; 6. Stahl Karl, Dipl.-Ing. und Direktor; 7. Friedsam Leo, Kaufmann; 8. Lemle Max, Kaufmann; 9. Stein Dr. Herbert, Zahnarzt; 10. Siegel Dr. Michael, Rechtsanwalt; 11. Wilmersdörfer Max, Kaufmann; 12. Guggenheimer Hans, Redakteur; 13. Kaufmann Friedrich, Kaufmann. Gruppe Ib: 1. Frau Eßlinger Irma; 2. Frau Kitzinger Elisabeth; 3. Frau Blumenstein Ida.