Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- Seite 765 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo 765 Nr. 48 der Kindergräber offenbar mit Beilen und Hämmern vorgegangen sind. Der rechte Teil der Platte eines der geschändeten Kindergräber wurde wenige Meter davon im Erdboden gefunden. Der Friedhofsverwalter benachrichtigte sofort den Prediger der Köpenicker Gemeinde, Dr. Franke, und den Leiter der Ortsgruppe Köpenick des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Rechtsanwalt Zippert. Der Berliner Polizeipräsident wurde sofort von dem zuständigen Revier in Kenntnis gesetzt. Auf seine Veranlassung wurden, obwohl die Ermittlungen in der Dunkelheit außerordentlich erschwert waren, noch in der Nacht Feststellungen eingeleitet. Wie die Kriminalbeamten feststellten, ist außer dem Grabe des Kaufmanns Marcus das Grab eines Kindes namens Sußmann aus Friedrichshagen und das Grab eines Kindes namens Samter aus Gosen geschändet worden. Das dritte Kindergrab konnte in der Dunkelheit nicht festgestellt werden. Berlin, 26. November. (JTA.) Zwei jugendliche Burschen, die sich an der Zerstörung der Grabmäler, auf dem jüdischen Friedhof in Köpenick beteiligt haben, sind von der Kriminalpolizei ermittelt und vorübergehend festgenommen worden. Die Burschen geben an, eine Friedhofsschändung nicht beabsichtigt zu haben. Sie wollen nur aus Übermut gehandelt haben. Antisemitische Verbohrtheiten in Bromberg Berlin, 25. November. (JTA.) Der Posener Korrespondent des „Berliner Tageblatts“ teilt aus Bromberg mit: Im Jahre 1921 verstarb in Wilkes-Barre in Pennsylvanien eine Frau Lena Cohen, eine geborene Brombergerin. Sie hinterließ ein Testament, in dem sie ihr gesamtes Vermögen, weit über 100 000 Dollar, der Stadt Bromberg vermachte, mit der Bestimmung, daß die Zinsen armen Juden der Stadt Bromberg zugute kommen sollten. Als Entschädigung für die Verwaltung des Vermögens vermachte sie außerdem der Stadt ihre Gemäldegalerie, deren Wert ebenfalls Hunderttausende beträgt. Das Testament wurde 1922 dem Magistrat Bromberg von der amerikanischen Botschaft in Warschau zugänglich gemacht. Der Magistrat von Bromberg, der sich größtenteils aus der polnischen Rechten zusammensetzt, verweigerte aber die Annahme der Erbschaft mit der Begründung, es gebe in Bromberg keine armen alten Juden. Tatsache ist, daß in Bromberg ein jüdisches Altersheim besteht,, das oft mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und eine größere Zahl von minderbemittelten, arbeitsunfähigen alten Juden beherbergt. Die Öffentlichkeit ist seinerzeit über die Erbschaft überhaupt nicht informiert worden. Immerhin hatten auch die anderen Parteien der Stadt Bromberg davon Kenntnis bekommen, und sie bemühten sich bei der Woiwodschaft, beim Ministerium des Äußeren und des Inneren in Warschau, beim polnischen Botschafter in Neuyork und bei den Testamentsvollstreckern noch einmal um die Erbschaft und baten, daß dieselbe dem Magistrat noch einmal angeboten werde. Die polnische Presse hat, größtenteils aus antisemitischen Gründen, darüber geschwiegen. Nur einige kleinere Zeitungen beschäftigten sich mit der Angelegenheit, wie die „Deutsche Rundschau“ in Bromberg, das Zentralblatt der Deutschen in Polen, das die Angelegenheit aufgriff und Untersuchungen anstellte. Dieses Blatt berichtet jetzt, Oer flotte Sport-Anzug Das fesche Ski-Kostüm nur bei Sporthaus SCHUSTER Katalog kostenlos! HÜItCliei1| RoSCIlStFlße 6 daß seine Untersuchungen ergeben haben, daß, so unglaublich es klingt, die ganze Geschichte Wort für Wort der Wahrheit entspricht. Der Magistrat der Stadt Bromberg hat auch diesmal der Stadtverordnetenversammlung über das Erbschaftsangebot keine Mitteilung gemacht und beabsichtigte, in geheimer Sitzung die Angelegenheit zu behandeln und den Beschluß vom Jahre 1922 noch einmal zu bekräftigen. Wie wertvoll die Erbschaft für die Stadt Bromberg werden kann, geht schon daraus hervor, daß die angesammelten Zinsen von 1921 bis 1927 mehr als zwei Millionen Zloty betragen. Diese Zinsen hat der Testamentsvollstrecker aus eigenem Antrieb für die Armen der jüdischen Gemeinde in Bromberg sichergestellt. Die jüdischen Parteien und der Deutsche Klub im polnischen Sejm wollen die Angelegenheit auch im Sejm zur Sprache bringen, um eventuell von der Regierung einen Druck auf die Stadtverwaltung Bromberg zu erreichen, die diese zur Annahme der Erbschaft verar lassen soll. Neue krasse Fälle des Antisemitismus in Rußland Moskau, 9. November. (JTA.) Die Sowjetpresse wies in den letzten Tagen auf eine neue Serie krassester antisemitischer Ausschreitungen in den verschiedensten Teilen der Sowjetunion hin. Besonders eingehend wird der eine Fall behandelt, der in vielen Punkten dem berüchtigten „Fall Kaufmann“ gleicht (bekanntlich wurde der alte Jude Moses Kaufmann in Moskau von seinen christlichen Hausnachbarn lange Zeit hindurch systematisch gefoltert). Das von der „Wetschernija Moskwa“ berichtete Vorkommnis betrifft die jüdische Familie Kowanowski, die lange Zeit hindurch von den antisemitisch verhetzten Nachbarn terrorisiert und mißhandelt wurde. Am 20. Oktober wurden Kowanowski mnd seine Frau von den Nachbarn in der fürchterlichsten Weise mißhandelt, für den Fall einer Anzeige wurde mit Pogrom gedroht. Das Organ der kommunistischen Jugend „Komsomolskaja Prawda“ berichtet über Auswüchse des krassesten Antisemitismus in den Kohlenbergwerken von Altschewsk und Kaliewk. Jüdische Kohlenarbeiter wurden fortwährend terrorisiert und beschimpft. Die nichtjüdischen Bergarbeiter weigerten sich, mit den Juden eine Koalition einzif&ehen, die jüdischen Bergarbeiter mußten gesondert in den Schacht hinabsteigen, da ihre mchtjüdischen Kollegen sich weigern, mit ihnen denselben Aufzug zu benutzen. Mitglieder der jung-kommunistischen Organisation, die in diesen Bergwerken beschäftigt sind, schreiten hierin in den Fußstapfen ihrer älteren Kollegen und beteiligen sich an der Terrorisierung, Beschimpfung und künstlichen Isolierung der Juden.- Wie die Zeitungen weiter berichten, herrschen ähnliche Zustände in sehr zahlreichen Fabriken x