Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 48 (30.11.1928)
- Date
- 1928-11-30
- Page
- Seite 763 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9103081-9158259--08958-9081672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
N*. 48 Das Jüdische Echo 763 promiß vorzuschlagenden Kandidaten in einer großen allgemeinen Versammlung wählen lassen. Die dort nahezu einstimmig gewählten Kandidaten wurden der zionistischen bzw. orthodoxen Fraktion präsentiert. Während die zionistische Fraktion wie es selbstverständlich war, die präsentierten Kandidaten ohne weiteres akzeptierte, verfuhr die orthodoxe Fraktion bzw. der Verein Ohel Jakob anders. Sie vertiefte bereits vorhandene Unstimmigkeiten zwischen dem Gesamtausschuß und einer kleinen orthodoxen Gruppe, und stellte statt des von der Gesamtheit der Ostjuden gewählten Vertreters einen Kandidaten eben dieser kleinen Gruppe auf, die in keiner Weise die Gesamtheit vertreten kann. Damit ist von einer Seite, von der man annehmen sollte, daß sie wirkliche Fühlung mit dem ostjüdischen Teil der Gemeinde habe, offenbar in dem Bestreben, den eigenen Einfluß auch nicht um das geringste geschmälert zu sehen, eine schwere Benachteiligung der ostjüdischen Interessen erfolgt. Besonders schlimm, nachdem unter dem Druck von Verhandlungen beim Gemeindevorstand Vertreter des Gesamtausschusses sich bestimmen ließen, die Besetzung des orthodoxen Mandats der Ostjuden durch ein Mitglied des Ohel Jakob zuzugeben. Durch Benützung interner Konflikte hat der Verein Ohel Jakob diese ganz Wahlangelegenheit in eine Bahn gebracht, in die sie nicht kommen durfte und hat sich unbegreiflicherweise um eines Augenblickerfolgs willen in einen scharfen Gegensatz zum allergrößten Teil der Ostjuden Münchens gestellt. So bedauerlich es ist, daß auf diese Weise innerhalb des positiven Teils der Gemeinde Konflikte entstanden sind, so ist es jedenfalls notwendig, volle Klarheit zu schaffen, da ohne solche eine Regelung für die Dauer nicht möglich ist. Im Interesse dieser Klärung veranstaltet der Gesamtausschuß der Ostjuden am Samstag, dem 1. Dezember, abends 8.30 Uhr, im Lessingsaal, eine allgemeine ostjüdische Versammlung. Deren Aufgabe wird es sein, die Haltung des Gesamtausschusses kennenzulernen und nachzuprüfen, die nach Beendigung der ganzen Verhandlungen in folgender Entschließung niedergelegt worden ist: l.Im Interesse des Gemeindefriedens billigt der Gesamtausschuß die von seinen Vertretern gemachte Zusage, daß von der Einreichung einer zweiten Vorschlagsliste für die Gemeindewahl abgesehen wird. 2. Dagegen wird der in einer Zwangslage von denselben Vertretern angenommene Vorschlag, das ostjüdische Mandat in der orthodoxen Fraktion aufzuheben, zurückgewiesen und der Anspruch der Ostjuden auf dieses Mandat unverändert äufrechterhalten. I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, KostUmetlckereien Burgstraße16/3 Knopflöcher Telephon 22976 3. Für dieses Mandat erfolgte in der allgemeinen ostjüdischen Versammlung vom 19. November a. c. eine fast einstimmige Wahl. Dieser Wahlgang ist die einzig legitime Nominierung. Der Gesamtausschuß protestiert mit aller Entschiedenheit dagegen, daß der Verein Ohel Jakob diese eindeutige Willensäußerung des überwältigenden Teiles der Ostjuden Münchens völlig mißachtet hat. 4. Der Gesamtausschuß beauftragt seine nominierten Vertreter in der Gemeindeverwaltung, dahin zu wirken, daß u. a. auch der orthodoxe Kandidat des Gesamtausschusses in die mit Synagogenangelegenheiten befaßten Kommissionen kooptiert wird. 5. Der Gesamtausschuß beschließt die Einberufung einer allgemeinen ostjüdischen Protestversammlung gegen das der ostjüdischen Gemeinschaft zugefügte Unrecht. Das Siedlungswerk des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten beginnt Berlin, 26. November. (JTA.) Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt seine diesjährige Delegiertentagung, zu der sich mehrere hundert Teilnehmer aus dem Reiche eingefunden hatten, in Berlin ab-. Sie wurde mit einer Kundgebung für seine Siedlungsaktion eingeleitet, die am Sonnabend abend im ehemaligen Herrenhaus stattfand und von Vertretern aller führenden jüdischen Organisationen Deutschlands besucht war. Dr. Leo Löwenstein, Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Siedlungsausschusses, hieß die Delegierten und die Vertreter der jüdischen Organisationen willkommen, setzte das Programm der Tagung auseinander und stellte fest, daß alle Organisationen und die verschiedenen religiösen Richtungen im deutschen Judentum mit der Siedlungsidee des R.J.F. übereinstimmen. Zur Weiterführung der Propaganda für die Siedlungsidee muß ein neues Vereinsgebilde ins Leben gerufen werden. Dieses Vereinsgebilde soll den Namen führen „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland“ („RIS“). Dieser „RIS“ wird der „Jüdischen Landarbeit G. m. b. H.“ diejenigen Möglichkeiten schaffen, die zu einer ungestörten Siedlungstätigkeit notwendig sind. Die Gründung Sinnvoll in der Konstruktion. — Werden in eigenen Fabriken hergestellt. — Sind formvollendet, dauerhaft und preiswert. — Wir treten für unsere Erzeugnisse ein. — Besichtigungu. Auskunft bereitwilligst. nur,Theatinerstraße 10 Kataloge gratis! Telephon 93772. rx