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Das jüdische Echo · 1928-11-30 · 48 (30.11.1928) · p. Seite 762

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
Seite 762 (sequence 6)
Language
German
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762 Das Jüdische Echo Nr. 48 ein Fressen, das man sich nicht entgehen lassen darf. „Diese Betrachtung ist keine Buchkritik“, behauptet Naumann zu Beginn seiner Ausführungen. Nein, das ist sie wirklich nicht, sondern eine Unverschämtheit, erheblich verstärkt durch Borniertheit. „Das Buch vom Sergeanten Grischa ist nach meinem ehrlichen Glauben ein Gifttrank für das deutsche Volk. Ich wähle gerade dieses Buch'als Beispiel, weil der Verfasser — wie ich ■— ein Jude ist und weil die geschickte Form, in der es undeutsche und gefährliche Gesinnung darreicht, gerade deutsche Volksgenossen jüdischen Stammes zum Irrtum verleiten könnte ...“ Nun sollte man annehmen, daß Naumann wenigstens den Versuch eines Beweises antritt. Aber so was geht weit über seinen Horizont. Sein Horizont ist der der dümmsten nationalistischen Dreikäsehochs: Der politische Gegner ist „undeutsch“, einfach weil er nicht nach meiner Meinung ist, und wer nicht ganz genau wie ich denkt, ist ein Vaterlandsverräter. Basta. Argumente, deren sich heute kaum noch ein paar angeworbene Agitationsredner auf dem plattesten Lande während des Wahlkampfes bedienen dürften. Und um sich mehr Rückgrat zu geben, zerrt er den in diesem Falle leider wehrlosen General Seeckt heran, um zu beweisen, daß Arnold Zweig auch so ein undeutscher Pazifist sei, der eigentlich an die Laterne gehöre. Zum Schluß heißt es dann: „Es war eine Zeit, zu der Bücher wie dieses vom Schinder verbrannt wurden... Aus der Abwehr der Herzen aber müssen Flammen emporschlagen, die dieses Buch und jedes andere Buch dieser Art verzehren, ohne daß erst ein Schinder bemüht wird, den Holzstoß anzuzünden.“ Solche Sätzchen entstehen, wenn einer wie Naumann den Federhalter in die Hand nimmt. Den kalten Spott, den Doktor Max Naumann von seiner christlich-deutschnationalen Leserschaft in Zahlung bekommt, daß diese Zusehen darf, wie ein Jude dem andern Dreck in die Augen spritzt, nur weil dieser wagt, eine eigne Meinung zu haben — den Spott mag er tragen wie er will. Und da er imstande ist, auch dem heißen Ekel, den wir über ihn empfinden, mit jener Würdelosigkeit entgegenzublinzeln, die ihm ja auch erlaubt hat, einen Verein zu gründen und hin und wieder die Öffentlichkeit zu belästigen, so wollen wir ausdrücklich auf die Abwehr der Herzen, den Schinder und den Holzstoß verzichten. So wie er da lebt, redet und schreibt,’ ist er ein Kuriosum, das nur neben dem deutschen Komposthaufen für Politik und Literatur gedeihen darf. Woanders würde mams lächelnd weggekehrt haben. Heinz Pol. Aus der „Weltbühne“. Intoleranz und Inkonsequenz Von studentischer Seite wird uns geschrieben: Die Völkischen an der Münchener Universität sind ganz besonders völkisch; den Ernst und die Verantwortlichkeit ihrer Gesinnung glauben sie offenbar am besten mit plumpen Beschimpfungen der Juden nachweisen zu können; wie sie dies erst unlängst wieder anläßlich ihres Fernbleibens von der Gefallenengedenkfeier des Bayerischen Kriegergedenkbundes gesehen haben, zu der bekanntlich auch jüdische Korporationen eingeladen waren. Sie erklärten nämlich, daß siesich nicht in Front stellen könnten „mit den Vertretern des Geistes, der unsere Toten verraten“. Man hat sich in dieser Erklärung nicht gescheut, eine plumpe Fälschung eines Zitats aus einer Reichsgerichtsentscheidung zu begehen, um eine erbärmliche Haltung zu motivieren, und es ist kein Zweifel, daß man auch vor noch schlimmeren Dingen keineswegs zurückschrecken würde. Wie wenig aber trotz allem hinter diesen Handlungen männlicher Ernst, Überzeugungstreue bis zum letzten vermutet werden darf, das beweist die Tatsache, daß bei der Rektoratsübernahme durch Geheimrat Bumke der Waffenring erstmals wieder neben den jüdischen Korporationen chargierte, es also doch fertig gebracht hat, sich mit Juden in eine Reihe zu stellen. (Ob es die Juden hätten tun sollen, nach der Beleidigung, die man ihnen so kurz zuvor zugefügt hatte?) Nur unentwegte Optimisten werden darin ein Anzeichen der Besserung sehen können; in Wirklichkeit sind die im Waffenring zusammengeschlossenen Studenten, die zukünftigen „Führer“ des deutschen Volkes, noch immer was sie waren: unreif, dumm, verhetzt, intolerant und inkonsequent. Gemeindewahlen Der größte Teil der Gemeindemit^lieder ist kaum damit befaßt worden, daß durch ein Übereinkommen der in der Gemeindeverwaltung vertretenen Parteien eine Neubesetzung des Verwaltungskörpers ohne Wahlgang erfolgt. Zum erstenmal werden, infolge einer Statutenänderung, auch Nichtreichsangehörige, daß heißt im wesentlichen Ostjuden, in die Verwaltung einziehen können. Da ein Wahlkampf vermieden werden sollte, mußte die Auswahl der Kandidaten der ostjüdischen Gemeinschaft, ebenso wie bei den übrigen Gruppen, intern erfolgen. Die einzige, hierfür zuständige Stelle ist der Gesamtausschuß der Ostjuden, der sich aus allen Gruppen innerhalb der ostjüdischen Gemeindeangehörigen zusammensetzt, seit seinem Bestehen als Vertretung der Ostjuden wirkt und auch als solche, zusammen mit den ihm nahestehenden Fraktionen, vor acht Jahren den Gemeindewahlkampf durchgeführt hat. Der Gesamtausschuß hat, um die Stimmung seiner Kreise zuverlässig zu ermitteln, die beim Kom- Victoria-Motorräder 350 bis 600 ccm Prospekte und Verkauf durch die Vertretung Josef Mayr, München Thaikirchner Str. 66/70 Tel. 551 36 und 57 5 93

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