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Das jüdische Echo · 1928-11-30 · 48 (30.11.1928) · p. Seite 761

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
48 (30.11.1928)
Date
1928-11-30
Page
Seite 761 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 761 General Motors Automobile LORIN/ER & CO Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle Im Lichte dieser Feststellungen muß man dann die Schlußfolgerungen und Empfehlungen der Kommission betrachten, welche natürlich in mancher Beziehung eine indirekte Kritik an der bisherigen zionistischen Arbeit darstellen, deren Bedeutung und Tendenz man aber vollständig verkennen würde, wenn man sie von jenem ersten Teil völlig ablöst, der ihren eigentlichen Hintergrund darstellt und, allerdings ohne pathetische Deklamation, die zionistische Auffassung von der Rolle des Palästinawerkes sich zu eigen macht. Bemerkungen Jakob Wassermann versteht nicht Als Antwort auf einen in der „Jüdischen Rundschau“ erschienenen Artikel „Jakob Wassermanns Kampf mit dem Judentum“ richtete Wassermann an den Autor, Dr. Felix Weltsch, ein Schreiben, worin es u. a. heißt: Sie schreiben, daß meine Äußerungen über den Zionismus oder gar meine Haltung zu diesem Problem in gewissen jüdischen Kreisen schmerzlich empfunden worden ist. Es ist mir nicht ganz ververständlich. Ich habe mich Zeit meines Lebens zu meiner Abkunft, zu meiner Gemeinschaft, zu meinem innersten Gefühl und zu meiner Überzeugung öffentlich bekannt. Am Anfang meiner literarischen Laufbahn steht ein Buch wie „Die Juden von Zirndorf“, und ich zweifle, ob ein dichterisches Denkmal dieser Art vorher im Judentum zu finden ist als Manifest sowohl wie auch als Gestaltung. Es gibt hervorragende Köpfe im Judentum wie auch außerhalb desselben, die der Meinung sind, daß das Vorspiel, die Geschichte des Sabatai Zewi, einer der wichtigsten Anlässe zur ganzen zionistischen Bewegung war. Fünfundzwanzig Jahre später, in der Zeit der schlimmsten geistigen Verfolgung, habe ich mit meinem autobiographischen Buch ein nicht zu übersehendes Signal gegeben und den Deutschen gesagt, was sie vielleicht nie vorher vernommen hatten. Fast in jedem meiner Romane findet sich, in einer Gestalt oder in einer sozialen Konstellation, die nicht mißzuverstehende Darstellung eines welthistorischen Unrechts, damit verbunden der unüberhörbare Ruf nach Gerechtigkeit. Ich erinnere Sie an den Raub des Judenmädchens im „Moloch“, an die Agathon-Episode in der „Renate Fuchs“, an die Figur des Benda im „Gänsemännchen“ an die Ruth Hoffmann im „Christian Wahnschaffe“; ist denn das alles nichts? Haben jene gewisse Kreise das alles vergessen? Ist ein menschliches Antlitz, eine geformte Seele, ein gedeutetes Herz, eine mitwandelnde, obschon nur gedichtete Person nicht wirklicher, existenter, tragfähiger, lebenswahrer und infolgedessen (relativ!) unsterblicher als eine politische Gesinnung und die erklärte Zugehörigkeit zu ihr? Ich habe mich niemals auf eine Gesinnung einschwören lassen und werde mich stets weigern, es zu tun. Es ist nicht meines Amtes. Meines Amtes ist es, zu schauen. Wer die Importanz davon verkennt, der lebt in einer traurigen Finsternis, und kehrt er sich dann von mir ab, so kann ich es kaum beklagen. Wenn die Juden dem Beispiel des nationalen Chauvinismus folgen, das ihnen die andern Völker allerdings ununterbrochen geben, so richten sie sich selbst. Als ich vor anderthalb Jahren in Chicago eine ganze Nacht mit Chaim Weizmann zusammensaß und mit ihm über alle diese Probleme sprach, sagte er mir lächelnd: ich billige Ihnen zu, was ich keinem andern zubilligen würde, denn Sie folgen Ihrem Gesetz, und es obliegt mir, nicht mich Ihnen in den Weg zu stellen, sondern dieses Gesetz zu ergründen. Damit drücken wir uns die Hand. Ich bin Ihr sehr ergebener Jakob Wassermann. Daß Wassermann außerstande ist, die Judenfrage anders als nur von persönlichen, individuellen Erlebnissen aus zu sehen, wußte man bereits: dieser Brief bestätigt es von neuem. Er vergißt, daß man ihn nicht seiner dichterischen Gestaltung wegen angegriffen hat, sondern wegen eines Vortrags, der politisch gemeint war und auch politisch wirken mußte; wegen eines Vortrags, der gezeigt hat, daß Wassermann tatsächlich, wenn er allgemein zu jüdischen Fragen Stellung nimmt, bekämpft werden muß — trotz aller Anerkennung seiner dichterischen Leistung. Wassermann kann diesen Kampf leicht vermeiden; er beschränke sich auf sein Amt: zu schauen und usurpiere nicht eine Führerstellung, deren Verantwortung er in keiner Beziehung gewachsen ist. Auch Einer Dr. Max Naumann, der Führer des Verbandes nationaldeutscher Juden, hat in der durchaus deutschnationalen „Berliner Börsen-Zeitung“ unter dem Titel „Grischa-Kunst“ ein sechsspaltiges Elaborat, sagen wir: geschrieben, das sich mit dem Buch von Arnold Zweig befaßt. Zur Kenntnis des Lesers: Der Jude Max Naumann vertritt politisch den sogenannten nationalen Standpunkt, er ist der Fürsprecher eines Fähnleins schwarz-weiß-roter jüdischer Deutscher. Wenn Juden dumm sind, so sind sie es gleich ganz, aber schließlich geht es die Literatur nichts an, wenn einige Naumänner national mit nationalistisch und reaktionär verwechseln. Was aber die Literatur interessiert, ist die kritische Tätigkeit Naumanns. Eine überflüssige, rein persönliche Infamie, denn in einem Motto gibt die Schriftleitung der „Berliner Börsenzeitung“ zu wissen, daß das Buch Zweigs ja von ihr selbst bereits ausführlich verrissen worden sei. Aber wenn der Jude Naumann nun gegen einen Glaubensgenossen vom Leder zieht, so ist das doch für die deutsche Leserschaft der „Börsenzeitung“ Deutsche Neu Wäscherei C*. m.fo. H. FELIX BRANDT ER * MÜNCHEN Thierschstraße 21 Telefon Nr. 2370b Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kraren, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tapf

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