Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- Seite 752 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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752 Das Jüdische Echo Nr. 47 hatte, genügte, um es ihm teuer zu machen. Mit welcher Treue hängt jeder Jude an seinem Vaterland, wenn es ihn in die Reihe seiner legitimen Kinder aufgenommen hat. Törichte Völker, die ihr euch der einer solchen Anhänglichkeit entspringenden Früchte selber beraubt.... Diese Gedanken habe ich damals nicht gehabt; Damals war ich vielmehr wütend über die Zähigkeit, mit der dieser Patriot in seiner Weise auf vorgeschobenem Posten für die Farben seines Geburtslandes kämpfte. Keiner von uns beiden sollte über den anderen triumphieren. Eines Abends blieb er aus, und als ich auch am darauffolgenden Abend, von dem ungewohnten Frieden bedrückt, vergeblich nach dem Husten und Spukken auf der Treppe lauschte, da klopfte Reb Leiser seine Pfeife aus, sagte: Boruch Dajan Emesz und ließ sich wieder in den Stuhl am Ofen fallen, auf den Platz von Reb Mendel, dem Schnorrer. Gemeinden-u.Vereins-Echo Jüdisches Lehen — jüdische Jugend und jüdische Gemeinde Vom jüdischen Leben in München zu berichten, den besonders zahlreich erschienenen Ostjuden einen Einblick in die Arbeit der Gemeindeverwaltung zu vermitteln, die Entwicklung der jüdischen Jugend, insbesondere der ostjüdischen zu kennzeichnen sowie einen allgemeinen Überblick über das Verhältnis der Ostjuden zur Gesamtgemeinde zu geben, war der Zweck des Referats, das Justizrat Dr. Elias Straus im Rahmen der Veranstaltungen des Jüdischen Kulturvereins J. L. Perez, am Samstag, dem 20. Oktober, im dichtbesetzten Lessingsaal hielt. Er begann mit einer Zusammenfassung der Geschichte der ostjüdischen Kolonie und stellte dann fest, daß bei den Ostjuden die Differenzierung zwischen Eltern und Kindern infolge der eigenartigen Verhältnisse eine besonders ausgeprägte sei. Der Teil der Jugend, der ohne festes Ziel und ohne Ideale mit einem selbstzufriedenen Genießertum sich begnügt, wirkt verächtlich, doch sind gerade auch bei den Ostjuden Gegenströmungen zu bemerken. Der Religionsunterricht in den Volks- und Mittelschulen gewährleistet absolut nicht eine jüdische Erziehung — das hat man allgemein erkannt und deshalb eine Anzahl privater Institute gegründet, so die Talmud-Thoraschule und die Kurse der Gemeinde Ohel-Jakob. Der Redner betonte dann, daß es nicht Aufgabe der Jugend sein könne, Gemeindeverwaltungsarbeit zu leisten. Die Jugend sei für die Gemeinde im wesentlichen Objekt, nicht aber Subjekt. Doch sei die Gemeinde im Begriff, einen Jugendausschuß zu bilden, dem auch die Vertreter sämtlicher Jugendvereine angehören werden, und desusm MAX NEUMAYER Kraftfahrzeuge, Kaulbachstraße 82/86 (Nähe Siegestor) Telephon 33 8 23—24 OPEL / STUDEBAKER Vertretung — Spezial Reparaturwerkstätte Günstige Ratenzahlungen sen Ziel in der Hauptsache die Schaffung eines Volksheimes sei. Es kann jedoch nicht alles von der Gemeinde ausgehen und für eine glückliche Arbeit des Jugendausschusses sind geeignete Persönlichkeiten die Voraussetzung. Das Jugendheim soll das Vereinsleben nicht beeinträchtigen, sondern vielmehr fördern und dazu beitragen, daß die Grenze zwischen Ost- und Westjuden allmählich schwinde. Betont wurde wieder einmal die Notwendigkeit des „Gesamtausschusses der Ostjuden“, der tatsächlich eine Vertretung aller Ostjuden werden müsse. Es ist zu wünschen, daß alle Ostjuden den Gedanken wiederfinden, daß sie Zusammenhalten müssen, wollen sie etwas erreichen im Kampf um ihre Rechte. Straus berührte dann noch die Einbürgerungsfrage der Ostjuden in Deutschland, wobei er betonte, daß man im Reich nicht derartigen Schwierigkeiten begegne wie in Bayern, das sich prinzipiell ablehnend verhalte. Es wird vom Auftreten der Ostjuden abhängig sein, die Gemeinde in diesen Angelegenheiten zur Aktivität zu bringen. Ganz kurz kam der Redner noch auf die Tätigkeit der Gemeinde zu sprechen, auf das Bibliothekswesen — die Sprachkurse und die gemeindlichen Lehrkurse. Er wies auf die ausgedehnte Fürsorgetätigkeit der Gemeinde hin, betonte, daß die Mittelstandshilfe ausgebaut werden müsse und Kreditkassen zu schaffen wären. Notwendig sei vor allem die Stärkung des jüdischen Gesamtheitsgeistes in der Gemeinde; auf diesem Gebiete bedeutet die Erringung des passiven Wahlrechtes der Ostjuden einen wesentlichen Gewinn. Doch die Gleichberechtigung sei nur dann wirklich gewährleistet, wenn die Zusammensetzung der Vertreter die richtige ist. Zum Schluß forderte Straus noch einmal dazu auf, die Ziele und Interessen der Gesamtheit allem anderen voranzustellen. In der nun folgenden Diskussion stellte namens des Perez-Vereins Herr Arnold Goldberg sieben Forderungen an die Gemeinde auf. Er verlangte ein eigenes Heim für den Perez-Verein, die Abhaltung ostjüdischer Vorträge im Rahmen der Lehrkurse, die Veröffentlichung von Einladungen zu den Gemeindesitzungen, Ausbau der Bibliothek, Schaffung eines Kultur-Fonds, Gewährung von Subventionen an jüdische Theater und wissenschaftliche Institute und schließlich Literaturpreise für jüdische Dichter. In der Diskussion stellte Herr Löwy fest, daß die jüdische Jugend in Europa demoralisiert sei und verlangte als Gegengewicht die Pflege des Jiddischen. Weiter sprachen noc’h Herr Horn und Herr Teitel. Justizrat Straus kam nun zum Schlußwort. Er anerkannte das Jiddische als wesentlichen Faktor zur Erhaltung des Judentums, wollte aber augenblicklich nicht diskutieren über die Frage Jiddisch oder Hebräisch. Dann ging er näher ein auf die sieben Forderungen des Perez-Vereins. Es sei ein