Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 47 (23.11.1928)
- Date
- 1928-11-23
- Page
- Seite 748 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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748 Das Jüdische Echo Nr. 47 Oberkantor ALTER JÜDISCHER GESANGVEREIN 5. DEZEMBER 1928: ODEON Vorverkauf bei: Goldberg, Schwanthalerstraße 24 — Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2 — Bacharach, Frauenstraße 6 — Gidalewitsch, Müllerstraße 42 — Löwenstein, Thierschplatz 5. Gegenmaßnahmen getroffen wurden, viele Kinder in schlechtester Pflege unerfahrener Mütter, die niemand belehrte, erschreckende Verbreitung von Augen- und Hautkrankheiten, die man kaum bekämpfte. Miss Szold erkannte, daß die Männer im Drang des großen Aufbauwerks diese Dinge kaum beachteten, daß darum hier die Frauen helfend eingreifen müßten. Und Miss Szold ging nach Amerika zurück und gründete die Hadassah, das große Hilfswerk für die Kranken in Erez Israel. Zuerst waren es fünfzehn Frauen, die sich diese große Aufgabe setzten, aber schon nach kurzer Zeit gelang es ihnen, einige Schwestern, mit den nötigen Kenntnissen und Medikamenten ausgerüstet, nach Palästina zu entsenden, zur ersten Hilfeleistung und Belehrung. Dann unterbrach und hinderte der Krieg jahrelang alle Bemühungen. Erst nach seinem Ende konnte das Hilfswerk mit großen Mitteln einsetzen. In dem seitdem verflossenen Jahrzehnt hat die Hadassah das jüdische Sanitätswesen in Palästina in großzügigster Weise organisiert, hat Krankenhäuser gebaut und eingerichtet, Ärzte angestellt, Schwestern ausgebildet, Beratungs- und Fürsorgestellen eingerichtet in den Städten und auf dem flachen Land, und sorgt so bei vielen Tausenden von Kranken für Hilfe und Pflege. Durch vorbeugende Maßnahmen verhindert sie die Ausbreitung vieler Krankheiten, und es ist ihr schon gelungen, die Krankheits- und Sterbestatistik, vor allem unter den Kindern, wesentlich zu verbessern. Und all das hat die Hadassah geschaffen mit Hilfe einer großartigen Organisierung vieler Tausender jüdischer Frauen Amerikas, die Miss Szold zu diesem Werk aufgerufen hat. Sie hat es verstanden, sich überall wertvolle Hilfskräfte zu werben, die Hingabe der Frauen um ihr Werk wachzuhalten und so die Hadassah zu einer Organisation zu machen, die ihresgleichen sucht. Vor einem Jahr etwa ist Miss Szold von der Leitung der Hadassah zurückgetreten, um einem Ruf zu folgen, der sie in einem der schwersten Augenblicke der zionistischen Aufbauarbeit auf einen der verantwortungsvollsten Posten berief; man brauchte und suchte die besten und fähigsten Menschen für die Führung des Werkes. Und Miss Szold folgte dem Ruf und ging nach Palästina, trat in die Exekutive ein und steht seitdem vor allem dem jüdischen Schulwesen Palästinas vor. Wohl selten noch ist bisher einer Frau solche Aufgabe und solche Verantwortung übertragen worden. Und auf diesem Posten arbeitet heute Miss Szold, die Achtundsechzigjährige, mit dem gleichen eisernen Fleiß, der gleichen Hingabe, mit der sie jedes Werk begonnen hat. Und so möge auch dieses der Judenheit zum Segen gedeihen. Nach dieser Darstellung eines großen jüdischen Frauenwirkens wurde während der Teepause von Kindern, die alle Palästinakleider trugen — in den Werkstätten des Kulturverbands von jüdischen Frauen gearbeitet und gestickt —, ein Horratanz aufgeführt, es wurden Lose verkauft, die den glücklichen Gewinnern Erzeugnisse Palästinas, Wein, Honig oder palästinensische Handarbeiten einbrachten. Den Schluß des Programms bildete ein vorzüglicher Film, zu dem Frau Gertrude Weil einleitende Worte sprach. Er zeigte das Kinderdorf Ben Schemen, das Werk Siegfried Lehmanns und seiner pädagogischen Helfer, die einer Anzahl jüdischer Waisenkinder dort eine neue Heimat, eine Stätte der Ausbildung zum frohen Wirken für die Gemeinschaft geschaffen haben. Wenn so das Zukunftsbild Palästinas und unserer jüdischen Jugend aussehen wird, dann haben sich unsere besten Hoffnungen erfüllt. Dr. G. W. Aus der jüdischen Welt Ein Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland Vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird uns mitgeteält: Die kürzlich gegründete gemeinnützige Siedlungsgesellschaft „Jüdische Landarbeit G. m. b. H.“ wird sich auf rein siedlungstechnischem Gebiet betätigen und schon in der allernächsten Zeit mit der Ansiedlung wohlerprobter Siedlungsanwärter beginnen. Sie hat laut § 2 des Gesellschaftsvertrages: „Die Förderung der Ausbildung und Ansiedlung jüdischer Landwirte und Gärtner in Deutschland und die Förderung bestehender jüdischer landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kleinbetriebe“ zu ihrer Aufgabe. Um aber die Idee der Ansiedlung jüdischer Bauern und Gärtner weiterhin propagieren zu können, ist für notwendig erachtet worden, ein neues Vereinsgebilde, einen „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland“ ins Leben zu rufen. Er wird zum Ziel haben, die Siedlungsidee weiterhin ins deutsche Judentum zu tragen und wird an seinem Teil die Mittel zu beschaffen trachten, die die „Jüdische Landarbeit G. m. b. H.“ zur Durchführung ihrer Aufgaben braucht. Dem neuen Bund sollen möglichst alle Teile des deutschen Judentums angehören, denn der R. j. F. steht auf dem Standpunkt, daß die Siedlungsaufgabe auf den Schultern des gesamten Judentums ruhen muß, um durchgeführt werden zu können. . In einer Versammlung im ehemaligen Herrenhaus, am Sonnabend, dem 24. November 1928, 8 Uhr abends, wird die Gründung dieses neuen Bundes vorgenommen werden. Sämtliche jüdische Organisationen, viele leitende Persönlichkeiten des deutschen Judentums, die gesamte jüdische Presse und zahlreiche Vertreter der 800 Ortsgruppen des R. j. F„ vor allem die Landesverbandsvorsitzenden, werden dieser Versammlung beiwohnen. Die Beratung der Mandatskommission über die Klagemauerpetition dauert fort — Die Kommission drückt über den Zwischenfall ihr Bedauern aus Genf, 13, November. (JTA.) Die vom „Journal de Geneve“ gestern verbreitete Nachricht, daß die