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Das jüdische Echo · 1928-11-23 · 47 (23.11.1928) · p. Seite 744

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
47 (23.11.1928)
Date
1928-11-23
Page
Seite 744 (sequence 4)
Language
German
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744 Das Jüdische Echo Nr. 47 Vornehme BeleuchtungskSrper Zuglampen Tisch- und Ständerlampen Alabasterschalen J.WINHART&Co. Marsstrasse 7 (am Hauptb.) man sich nicht noch mehr darüber zu wundern hat, daß hier kein Machtwort derer erfolgt, die für die Zukunft der jüdischen Gemeinde verantwortlich zeichnen! Ein klares, eindeutiges Bekenntnis zu diesem Thema jüdischer Nichtjuden und Anti-Juden ist mehr wert als eine herrliche Rosch-Haschanah-Predigt, die „erbauen“ soll. Dem Wirken des großen Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands wird sich künftig gerade in dieser Sorge für unsere jungen Leute ein notwendiges, äußerst wichtiges Arbeitsgebiet erschließen. Berufsberatung, Stellenhinweise, Vermeidung von ungerechtfertigten Entlassungen usw. werden unbedingt zu den eigentlich jugendlichen Arbeiten der Jugendorganisationen gehören müssen. Jugend soll Helfer der Jugend sein! Verbunden damit ist die Sorge der Jugend für diejenigen ihrer Altersgenossen, die in einem unmöglichen Milieu, in widersinniger Erziehung verwahrlosen, und von denen man meist dann etwas erfährt, wenn die Katastrophe eingetreten ist. Man soll nicht leichtfertig behaupten, daß diese Dinge in unserem Lager nicht Vorkommen. Gewiß: erfreulicherweise sind es immer noch Seltenheiten, wenn ein jüdischer Jugendlicher unter Schutzaufsicht gestellt oder in Fürsorgeerziehung gebracht werden oder gar in sehr traurigen häuslichen Verhältnissen langsam zugrunde gehen muß. Doch diese seltenen Fälle sind da! Und sie sollten unsere Öffentlichkeit zur rechten Zeit warnen! Da erscheint jetzt zufällig der Geschäftsbericht der Arbeiterwohlfahrt, Ortsausschuß Köln, der die Zeit vom 1. April 1927 bis zum 31. März 1928 behandelt, und dem ist in trockenen Zahlen zu entnehmen: Unter 216 Jugendlichen, die Schutzaufsicht, Vormundschaft und Fürsorgeerziehung erforderten, befanden sich auch zwei Juden. Es sind deren mehr. Der junge Jude findet nicht immer und überall den Weg und den Mut zur Beanspruchung von Hilfe. Die Jugendorganisationen, insbesondere der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands, müssen kein Mittel unversucht lassen, die verwahrlosten oder der Verwahrlosung eventuell ausgesetzten und gefährdeten Jugendlichen zu retten und hierbei in eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesverband zu treten. Der Not kann am sichersten gesteuert werden, wenn rechtzeitig jede Voraussetzung im Keim erstickt wird. Die Jugend muß dabei auf dem Posten sein! Erster Anstoß für Verwahrlosung ist nicht in geringen Fällen die grenzenlose, meist in dunklen Hintergründen wühlende sexuelle Unsicherheit und Not. Das Alleinsein mit diesem menschlichsten und zugleich gefahrvollsten aller Probleme reibt die Seele der Jugendlichen auf. Wenn hier die Ordnung und Struktur der Gesellschaft aber noch keinerlei wirklich grundlegende und radikale Wandlung zur Lösung der brennenden Frage schaffen kann und will (Frühehe, Ehereform, wirtschaftliche Selbständigkeit, Wohnungselend), so muß zumindest die Einsicht dämmern, der sexuellen Bedrängnis durch offene freundschaftliche Aussprache und persönlichste Beratung die giftigsten Stacheln zu nehmen. Die Jugend unseres Zeitalters leidet mehr unter diesem Problem als eine frühere Generation, denn sie erlebt eine schreckliche Auflösung religiöser und speziell jüdischer Werte. Das Judentum hat sich dem Strudel einer unsinnigen Zeit nicht widersetzt — macht einfach mit oder steht resigniert beiseite und lamentiert, daß nichts dagegen zu tun ist. Vom stolzen Bau übrig geblieben ist bloß so eine Art Jaum-Kippur-Stimmung, die sich alle Jahre einstellt, wenn das synagogale Judentum seine Revuen abnimmt. Familie, Religionsunterricht, Gottesdienst, Weltmission — alles, alles bietet bestenfalls Tagungsstoff für grandiose Kongresse. Aber die Wirklichkeit wird nicht erobert! Das Judentum ist keine Religion mehr. Denn es schwimmt ni.cht mehr gegen den Strom. Es wagt keine offizielle Kritik mehr. Es hat und duldet keinen Abraham, keinen Mose, keinen Arnos, keinen Jesajah mehr. Es wird eine wundervolle Theorie, ein philosophisch-ethisches Lehrgebäude — der Mut zur wahrhaft umwälzenden Tat wird nirgends aufgebracht. Der Rabbinerverband ruft zur Heilighaltung der höchsten Festtage auf Sabbat, der Kern aller sozialen Einrichtungen, ist ja schon längst in die Rumpelkammer gestellt worden!, und es gibt noch jüdische Unternehmer, die ihre jüdischen jungen Angestellten am Rosch-Haschanah in den Arbeitsprozeß spannen. Die Presse schweigt. Man kämpft dafür gegen nebensächliche antisemitische Radaubrüder — und der Balken im eigenen Auge? Der Jugendliche durchschaut die Unwahrhaftigkeit und Doppelzüngigkeit des Systems. Sind das Wege, die zur Religion führen? Ist es da nicht elende Heuchelei, wenn dann die Feuilletonisten aller Qualitäten über religionslose und atheistische Jugend jammern? Religionsunterricht! Die Auguren lächeln: der Religionsunterricht ist schuld! — Wer kümmert sich darum, wie man in die Jugendlichen den Kauderwelsch hineindonnert, den man euphemistisch dann Religion nennt? Hört man überhaupt diejenigen, die es bei dieser Sache am ureigensten angeht: die Kinder? Die Eltern sind zu zählen, die sich für den religiösen Schulunterricht ihrer Zöglinge interessieren. Ja, wenn es Klavierstunden wären. Nur ein notwendiges Übel bleibt der Religionsunterricht. Zu zählen sind aber auch die Pädagogen, die den gewohnten Trott Wanderer MOTORWAGEN sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: Job. Winklhoier & Söhne * Mönchen 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844

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