Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 46 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- Seite 732 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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732 Das Jüdische Echo Nr. 46 Nüsse knacken schön Rätsel lösen — schöner Preise gewinnen — 3ITI schönsten Jüdische Rätsel, darunter jeden Monat ein Preisrätsel, finden Ihre Kinder im „Zelt“. Warum haben Sie immer noch nicht bestellt? — Ihre Kinder haben doch auch ein Recht darauf! sehen Dichters symbolisch: er vollzieht die Trennung vom Westen in seinem Roman „Jüdinnen“ und in „Tycho Brahes Weg zu Gott“ verkündet er die soziale Tat. Brod wird aktiver Zionist und Zion wird ihm in „Reubeni“ das Bild der jüdischen Zukunft. Dieses Zion sieht, so führte Professor Strich zum Schlüsse aus, anders aus als das heute sich verwirklichende. Ein jüdischer Staat hat nur dann Sinn und Recht, wenn er nicht aus jüdischem Nationalismus, nicht um jüdischer Macht willen unternommen wird. Der jüdische Geist, der solange gegen den europäischen Chauvinismus und Nationalismus protestierte, darf nicht dem Machtbewußtsein verfallen; das jüdische Volk darf nicht eine Nation wie alle anderen auch sein, nicht einen Staat gründen auf das System der Macht und des Kapitalismus. Wenn Zion einen Sinn haben soll, muß es aus dem Gedanken heraus entstehen, daß die ewige jüdische Sendung: Gott in der heiligen Gemeinschaft zu verwirklichen, nun endlich eine Stätte findet, daß eine solche Gemeinschaft dort verwirklicht und damit ein Beispiel aufgerichtet wird für die anderen Völker. Nur dann hat dieses Zion ein Recht, wenn die Verwirklichung des Judentums auf eigenem Boden diese allmenschliche Sendung erfüllt und nur dann ist sie eine Erfüllung des Judentums, wenn sie solche allmenschliche Erfüllung ist. Denn beides ist eines und nur darum, weil es eines ist, nur darum ist es nicht nur ein Recht, sondern auch ein Gebot an das Judentum sich zu verwirklichen, nicht um der Icherlösung willen, sondern um der Welterlösung willen. Unsinnig wäre es um der Dichtung willen Zion zu errichten, wenn aber eine jüdische Gegemeinschaft zustande kommt, mit eigener Sprache und Sitte, und in traditionsverbundener Landschaft, dann wird die ganze Wahrheit jüdischer Dichtung dem jüdischen Volke als Geschenk werden, denn die heilige Gemeinschaft wird von innen her notwendig den Gesang als ihre Lebenssprache schaffen. Wer aber nicht an die Erfüllungsmöglichkeit des zionistischen Ziels, nicht an seine Notwendigkeit glaubt, sondern weiter in Europa unter den Völkern leiden will — es ist nicht von jenen die Rede, die aufzugehen wünschen, sondern von allen, die Juden bleiben wollen — auch sie haben Raum und Möglichkeit genug, an der Verwirklichung des Judentums zu helfen, und das heißt an der Verwirklichung des Menschentums — nämlich durch das Beispiel eines reinen Lebens. Jude sein heißt Mensch sein und das kann man überall, kann man auch da, wo das Volk, in dem man lebt, den Juden gegenüber so unmenschlich ist. Und gerade da gilt es die jüdische Sendung zu erfüllen und das Beispiel reinen Menschseins zu geben. * * Es ist schwierig, in einem kurzen Bericht die Fülle von Tatsachen und Anregungen auch nur annähernd wiederzugeben, die Strich einem großen und interessierten Publikum in packender, prägnanter Darstellung und mit gewiß seltener Meisterung des Wortes vortrug; es ist noch schwieriger, sich im einzelnen mit seinen Anschauungen auseinanderzusetzen, etwa notwendige Zusätze zu machen, Verschiedenheiten in der Beurteilung mancher Dinge darzulegen und doch wohl auch vorhandene innere Widersprüche — man denke nur an die etwas sonderbare Aufeinanderfolge der Schlußgedanken! — aufzudecken; man darf deshalb die Erwartung aussprechen, daß dieser Vortrag auch im Druck veröffentlicht und damit die Möglichkeit einer kritischen Stellungnahme gegeben wird, die nicht zu befürchten braucht, vielleicht nur auf Mißverständnissen zu beruhen. Mit Freude aber kann man jetzt schon feststellen, daß dieser Vortrag Strichs einen wichtigen Komplex von Erscheinungen von innen her und in seinen Grundlagen umfassend aufgezeigt, daß er die Rolle des jüdischen Dichters in der deutschen Literatur und sein Verhältnis zum jüdischen Volke eindeutig geklärt und so einen wichtigen Beitrag zur Erkenntnis der Situation des Judentums und seiner Aufgaben geliefert hat. Zur Erkenntnis des Judentums, zur Erkenntnis der jüdischen Sendung — ob Strich eines Tages den Schritt tun wird, den man nach diesen Vorträgen von ihm erhoffen darf: sich wie Beer-Hoffmann, wie Buber, wie Brod aktiv einzustellen in die Front der Arbeiter für die Erneuerung des Judentums? Wir warten darauf. I. E. Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19 4