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Das jüdische Echo · 1928-11-16 · 46 (16.11.1928) · p. Seite 730

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
Seite 730 (sequence 6)
Language
German
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730 Das Jüdische Echo Nr. 46 hend. Ein solches Verstehen kann aber auch herabziehen, wenn es die geringwertigen Seiten betont. Daraus erhellt die außerordentliche Bedeutung des geselligen Umgangs gerade in dieser Lebensepoche; und wo der Erzieher es vermag, muß er versuchen, die Auswahl günstig zu beeinflussen. Vor allem aber kann er auf Art und Form der Geselligkeit Einfluß nehmen, kann für Einfachheit sorgen, Anregung geben zu musikalischen, literarischen, schauspielerischen Versuchen, zu ernsthaften Gesprächen. An dieser Stelle wies die Rednerin auf die Notwendigkeit eines jüdischen Jugendheims oder gar Volkshauses hin. Dort sollte eine Stätte geschaffen werden, wo jüdisches Tempo und Temperament, das unter anderen Kindern mit weniger raschem Entwicklungstempo oft störend wirkt, sich gestalten kann. In solchem Zusammensein könnte unsere Jugend auch jüdisch erstarken, sie würde sich nicht mehr so leicht verlieren und das Gespenst der Mischehe würde uns dann vielleicht weniger bedrohen. In solchem Jugendheim sollte nicht Parteiwesen herrschen; alle Tore sollten der Jugend offen sein, alle Strebungen und Bemühungn ihrem Blick sich enthüllen. Dem Jugendlichen ist als erstes Sammlung und erst verhältnismäßig spät die Wahl gemäß. Jugend hat das Recht, in ihrem Lande zu bleiben, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, des Schwärmens und Schweifens und des Höffens. Unsere heutige Jugend aber läuft Gefahr, dieses Recht aufzugeben, denn sie steht unter dem Einfluß zweier mächtiger kultureller Strömungen, die dies Zwischenland der schweifenden Jugend nicht kennen, der amerikanischen und der russischen. Die amerikanische Jugend will sich ausleben/will genießen, ehe sie gesammelt, geformt, wirklich geworden ist — eine Parallele zu anderen amerikanischen Lebenserscheinungen, dem rücksichtslosen Konkurrenzkampf, dem traditionslosen Erfolgsideol. Diese Jugend steht im Kampf mit der herrschenden bürgerlichen Moral, die sie häufig als Unmoral empfindet, und nimmt sich vielfach das Recht zu frühen geschlechtlichen Verbindungen. Durch so frühe Bindungen aber, selbst wenn sie leicht gelöst werden können, wird doch viel zerstört, das Entwicklungstempo wird übermäßig beschleunigt zum Schaden vielseitiger Entfaltung. Während in Amerika die Frage nach der größtmöglichen Glückschance des einzelnen gestellt wird, wird in Rußland alle Energie auf das größtmögliche Glück der Gesamtheit gerichtet. Aber auch die russische Jugend darf nicht mehr schweifend suchen; alle sind bereits Gelandete, im Marxismus Gelandete. Die russische Jugend tut, als kenne sie keine sexuelle Frage. Wo eine Neigung besteht — allerdings erst dann, nicht im hemmungslosen Spiel — gibt sie sich ihr hin. Für die romantische Liebe will sie keine Zeit verlieren, sie kennt nur den Gott der Partei und den Gott der Arbeit. Zwischen Amerika und Rußland — diesen beiden um die Beherrschung der Zukunft ringenden Mächten — liegen wir. In dieser Konstellation muß es unsere Aufgabe sin, dem amerikanischen freien Spiel der Kräfte freiwillige Unterordnung unter eine_.Idee entgegenzusetzen — und der russischen, alles bindenden Organisation, das sichere Bewußtsein vom organischen Wachstum. Jugend, die offen ausspricht, daß sie genießen will, wirkt verächtlich. Sie zeigt ganz deutlich, daß an ihr etwas versäumt wurde, daß man ihr nicht rechtzeitig gab, was jeder Mensch und am meisten die Jugend braucht, die großen Ideale, die den Menschen über das selbstzufriedene Genießertum hinausführen. Dr. G. W. Die jüdischen Dichter in der modernen deutschen Literatur Der jüdische Dichter in der deutschen Literatur — ist er ein besonderes Phänomen oder beruht es nur auf Böswilligkeit, wenn man einem deutschen Dichter, der Jude ist (viele würden hier sicherlich sagen, der „zufällig” Jude ist), als solchen erkennt und ihn einer speziellen Fragestellung und Beurteilung unterzieht? Diese Frage war es, die Professor Strich als erste bei seinem in zwei Abenden im Rahmen der Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde gehaltenen Vortrag über „Die jüdischen Dichter in der modernen deutschen Literatur” aufwarf. Er beantwortete sie mit der Feststellung, daß der jüdische Dichter trotz vieler tiefer Beziehungen zwischen Judentum und Deutschtum nicht ein deutscher Dichter wie jeder andere sein könne, da es eine spezifisch jüdische Sendung heute wie je in der Welt gibt, die auch er erkennen und anerkennen müsse. Ein Volk, dem das Alte Testament als nationale Urkunde mit auf den Weg gegeben worden sei, muß eine Sendung haben und für deren Erfüllung leben. Wenn im Westen Kunst um der Kunst willen getrieben würde, so sei es jüdisches östliches Prinzip, alles um des Zieles willen zu tun und so entstand, wenn Europa seine Kräfte sammelte ein Künstler, wenn es der Osten tat ein Prophet. Weil der Jude eine Sendung hat, darf und kann er nicht einfach in anderen Völkern aufgehen. Auch ein Dichter wie Jakob Wassermann, dessen Verzweiflung es sei, daß er als Fremdling im Deutschtum angesehen werde, sei im innersten durch sein Judesein bestimmt, genau so wie etwa Bruno Frank, genau so wie die jüdischen Dichter des neunzehnten Jahrhunderts, wie Heine und Börne, bei denen vom Einfluß der Propheten und des Alten Testaments zwar kaum mehr etwas zu spüren ist, die aber trotzdem als erste Aktivisten zur Verwirklichung aufriefen und den Hellenismus Goethes bekämpften. So ist es Dekadenz des jüdischen Dich- Postkarte genügt - Komme sofort nämlich ich, der neue humorvolle, belehrende Wintersport-Katalo? 1928/29 vom Sporthaus Schuster, München 2 C 7, Rosenstraße 6, den jeder Ski- und Wanderfreund gratis erhält, weil er ihn besitzen muß.

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