Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 46 (16.11.1928)
- Date
- 1928-11-16
- Page
- Seite 729 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 729 General Motors Automobile _ _ Chevrolet LORIN/ER & CO Oakland Nymphenburger Straße128 / Telephon 61836 La Salle Menschen mindestens die gleiche erzieherische Sorgfalt zuzuwenden, wie dem kleinen Kind, das heute im Mittelpunkt der pädagogischen Bemühungen steht. Freilich ist es noch unendlich schwerer, den reifenden Menschen zu leiten und nicht jeder ist dazu imstande und berufen. Jeder aber, dem junge Menschen anvertraut sind, sollte wenigstens Wesen und Bedeutung jener Entwicklungsjahre verstehen und möglichst günstige äußere Bedingungen schaffen — eine jugendgemäße Lebensform. Jeder muß wissen, daß Jugend viele Jahre Zeit braucht, um wachsen zu können, und daß mit diesem Wachstum offensichtliche und verborgene Krisen verbunden sind. Ein körperlicher und ein seelisch-geistiger Reifeprozeß gehen nebeneinander her oder folgen einander. Sexuelle Regungen und Spannungen beunruhigen den jungen Menschen. Nicht mhr Aufgeschlossenheit wie beim Kind, sondern Verschlossenheit ist der sichtbarste Zug, der das seelische Erwachen ankündigt, weil Zweifel und Minderwertigkeitsgefühle noch zu überwinden sind, weil ein gesteigertes noch höchst schonungsbedürftiges Selbstgefühl zu unterbauen ist. Emanzipationsbestrebungen sind in dieser Epoche notwendig — und nicht etwa Ausfluß von Ungehorsam und Lieblosigkeit. Der junge Mensch beginnt sich selbst Ziele zu setzen. Zunächst nur experimentierend. Ob sich dieser Drang auf einen Leibessport wirft, oder auf Sammeln, auf Abhandlungen schreiben oder Laubsägen, das ist im Grunde ein und dasselbe: der junge Mensch regt sich auf die mannigfaltigste Weise. Häufig gibt es Perioden des Mißtrauens gegen die Umgebung, das Bedürfnis sich loszulösen von allem Gewohnten, ins Freie hinauszustürmen, in starker körperlicher Erregung die Spannungen zu lösen. Schließlich aber entsteht allmählich ein Lebensplan, es formt sich ein stilles Ideal und hohe Freude über die bestandenen Kämpfe erfüllt die jugendliche Seele. Was aber kann der Erzieher dazu tun, um diese notwendigen Kämpfe zu erleichtern, sie zum guten Ende zu führen, vor allem um zu verhindern, daß Zweifel und Unlustgefühl den jungen Menschen überwältigen? Für die sexuellen Nöte muß ein Ventil geschaffen werden und ein Gegengewicht und Regulativ durch seelische geistige Anregung, auf die der Erzieher allen Nachdruck legen muß. Dennoch darf er die unvermeidlich auftauchenden Fragen nach dem Ursprung der Dinge, der Herkunft des Menschen nicht überhören, nicht unbeantwortet lassen und muß die häßliche Abwandlung dieses Fragenkomplexes durch zotenhafte Aufklärung /ieler Schüler untereinander nach Möglichkeit verneiden. Dafür einen Weg zu zeigen, ist sehr ,;chwer, ein sicheres Rezept zu geben unmöglich. \ 9ie eigentliche Aufklärung wird und sollte in der \?egel schon in einem viel früheren Zeitpunkt er- I olgt sein; sie soll anknüpfen an die Fragen des t Cindes, die man immer wahrheitsgemäß, aber der [?eife des Kindes entsprechend beantworten soll, \ enau wie jede andere Frage. Wieviel das Kind im gegebenen Zeitpunkt wissen will und verstehen kann, muß der mütterliche Instinkt erfühlen. Das heranwachsende Kind aber wird in den meisten Fällen aufhören zu fragen, um so mehr aber aufhorchen, wo es Antwort bekommen könnte. Da muß im richtigen Augenblick und in möglichst eindrucksvoller, sogar feierlicher Stunde die richtige Deutung gegeben werden, sei es durch eine Begegnung mit den Gestalten der Bibel, sei es durch ernste naturkundliche Betrachtung. Aber nur wenige Persönlichkeiten sind zu solcher Deutung fähig; am seltensten werden es die eigenen Eltern sein — zwischen ihnen und den Kindern liegt in jener Zeit eine gewisse Scheu — eher ein Lehrer oder Freund des Hauses, vielleicht ein entfernter Verwandter. Neben solcher Sorge für richtige Aufklärung aber muß das Wissen und Verständnis da sein, daß der junge Mensch Hygiene des Körpers braucht, um sich frei zu machen von bedrückenden Spannungen: Wandern, Turnen, Schwimmen, sportliche Spiele sind solche instinktive Maßnahmen, zu denen der junge Mensch selber greift. Sie zu unterstützen dürfte in unserer Zeit, der Herrschaft des Sportes, am wenigsten nötig sein; doch soll man ihren Sinn verstehen. Daneben aber darf man den Wert der geistigen Ablenkung als Schutzmittel gegen geschlechtliche Übererregbarkeit nicht vergessen, man sorge für Lektüre, die der Entwicklung des Kindes gemäß ist. Die Kinder sollen gut behütet, vor allem aber auch in der Freizeit gut beschäftigt sein; doch nicht atemlose Betriebsamkeit ist damit gemeint, vielmehr eine Folge von ernsthaften Arbeiten und auspendelnde fröhliche oder tummelnde Beschäftigung 'und Spiel. Besonders bedeutsam für den jungen Menschen in dieser Epoche seines Lebens sind Reisen. Am schönsten wird es sein, wenn Eltern mit Kindern zu reisen verstehen in jugendlichen Lebensformen. Wo dies nicht sein kann, werden Wanderungen unter Führung eines Erziehers oder Jugendführers für den jungen Menschen fördernd sein, sein Interesse für die Natur und für künstlerische, kulturelle und historische Denkmäler wachrufen. Manchem Jugendlichen wird auch ein Ferienaufenthalt bei einem Gärtner oder Bauern und tätige Mithilfe bei seiner Arbeit sehr gemäß sein. Zur wichtigsten Hilfe kann in jenen Jahren ein echtes Freundschaftsverhältnis werden, sei es mit einem Erwachsenen, sei es mit einem Gleichalterigen oder etwas älteren Jugendlichen. Der junge Mensch versteht sich selbst nicht, deshalb die unendliche Sehnsucht gerade in dieser Zeit nach Verstandenwerden. Wer hier versteht, der wirkt schon bildend, aus der Fülle widerspruchsvoller Gestalten bestimmte Züge heraushebend, beja- Deutsche Ttfeuwäscherei O. m.T>.H. FELIX BRANDT KR * 9IVKCHEX Thierschstraße 21 Telefon Nr. 23 708 Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage