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Das jüdische Echo · 1928-11-16 · 46 (16.11.1928) · p. Seite 728

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
46 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
Seite 728 (sequence 4)
Language
German
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728 Das Jüdische Echo Nr 46 zen und würdigen die von den Experten und besonders von den Commissioners gemachten großen Anstrengungen. Aber die Erfahrung einer 25jährigen Arbeit in Palästina hat uns gelehrt, daß die Kolonisation von Juden und durch Juden ein Problem von besonderer Schwierigkeit ist, und wir wünschen, daß diejenigen, die vielleicht mit allen diesen Mühen und Anstrengungen der Kolonisation nicht verwachsen gewesen sind, unserem besonderen Gesichtspunkt Verständnis entgegenbringen. Die eingeleiteten Diskussionen berechtigen uns zu dieser Hoffnung. Niemand wünscht einem Dogmatismus zu dienen, niemand will etwas anderes als nackte Arbeit, aber, wie Dr. Adler und Lord Melchett betont haben, Arbeit von lebhafterem Tempo und stärkerem Rhythmus im Aufbau Palästinas. Ich teile nicht ganz den Pessimismus Lord Melchetts, daß wir nur fünf Jahre vor uns haben. Fünf Jahre sind nur eine Minute in unserer vieltausendjährigen Existenz. Wir waren gewohnt, in Jahrhunderten zu rechnen. Aber wir müssen nun wissen, daß Palästina durch den gegenwärtigen Prozeß der Regeneration ein Zentrum geworden ist, auf das die Aufmerksamkeit der Welt gelenkt ist, die unseren Bestrebungen nicht immer freundlich gegenübersteht. Wir haben den Grundstein zu diesem neuen Palästina gelegt, und wir wollen nicht die Früchte dieser Arbeit zugunsten anderer preisgeben. Viele von Ihnen haben richtig bemerkt, daß Millionen Juden Palästina als das Zentrum ihrer Hoffnungen ansehen. Als ich vor einiger Zeit durch Polen und Rumänien reiste, standen auf jeder kleinen Station, auf jeder abseitigen Landstraße junge Männer, aufrecht, stolz, stark, intelligent, die nur eine einzige Frage an mich auf den Lippen hatten: „Wann werden wir nach Palästina gehen dürfen?“ Diese jungen Männer sind das Beste, was das Judentum in einer Zeit der Drangsal und der großen Bedrückung hervorgebracht hat; ich möchte diese jungen Menschen nicht verlieren. Sie sind unser bestes Material. Die Beschleunigung des Tempos im Aufbau Palästinas ist im Interesse der Regeneration der Judenheit geboten. Wenn nun die amerikanische Judenheit unter der Führung der Männer, die an der Agency beteiligt sind, beschlossen hat, ihr Gewicht zugunsten des Aufbaus Palästinas in die Wagschale zu werfen, dann werden die übrigen jüdischen Gemeinschaften der Welt diesem Beispiel folgen, und so wird die Agency innerhalb einer sehr kurzen Zeit ein arbeitendes Instrument werden. Im Rahmen dieser Arbeit werden wir erst zur rechten Einigkeit kommen. Liebe wird vollbringen, was Formeln nicht vermochten. Meine Damen und Herren! Ich beglückwünsche Sie aus tiefstem Herzen zu dem Weg, den Sie beschritten haben zu der Tat, die wir viele Jahre erträumt und für die wir gearbeitet haben. Die Balfour-Deklaration wurde nicht den Zionisten gegeben; sie wurde ganz Israel gegeben, und ganz Israel soll diese Urkunde mit reinen Händen, reinem Herzen und mit dem Gefühl der Hoffnung empfangen, aus Palästina etwas zu machen, das Ihnen hier zur Erhöhung gereichen und Ihnen helfen wird, die jüdische Tradition fortzuführen. Unsere heranwachsende Jugend Im Rahmen der Veranstaltungen des Jüdischen Frauenbundes, und zwar als Sprecherin seiner pädagogischen Gruppe, hielt Frau Gertrude Weil einen ernsten und gedankenreichen Vortrag: „U nsere heranwachsende Jugen d“. Der Vortrag sollte der Auftakt sein zu einem Zusammenschluß derjenigen Eltern und Erzieher, die entschlossen sind, an ihrem Teil daran mitzuwirken, den Sinn der Jugend von flachen Vergnügungen und dem Streben nach Genuß und Luxus abzuwenden und an deren Stelle echte Werte und Ideale zu setzen, vor allem durch eine Reform der Geselligkeit, in deren Mittelpunkt geistige und künstlerische Interessen und wahre Freundschaft statt ausschließlich Tanz und Spiel und Koketterie treten sollten. Das Interesse für den Vortrag war so stark, daß der Saal überfüllt war und viele keinen Einlaß mehr fanden; um so mehr wird es gerechtfertigt scheinen, hier einen Auszug aus dem schönen Vortrag wiederzugeben. Man hört und liest heute allenthalben von einer Krise der modernen Jugend; aber macht man sich da nicht einer Generalisierung von Entartungen und Entgleisungen schuldig, die vereinzelt an die Öffentlichkeit gelangen, aber keinesfalls als symptomatisch für die ganze Jugend gelten dürfen? Unvergessen muß auch bleiben, daß es sich dabei um die Jugend handelt, die zwischen ihrem 5. und 15. Jahre den Krieg und die ihm folgenden Zeiten der Gärung und Verwirrung erlebt hat mit Vaterlosigkeit, vielfach Mangel an Ordnung und Pflege, die lernen mußte, hintenherum Butter und Brot zu beschaffen, deren eben sich bildende Ideale und Lebensgrundsätze so oft zerbrochen wurden durch allzufrühe Einblicke in verworrene politische und soziale Zustände und die oft vor Aufgaben gestellt wurde, die man sonst nur Erwachsenen zumutet, daß diese Jugend sich dann auch vergnügt und zerstreut wie die Erwachsenen, daß sie früh Genuß hamstert, statt Freude sucht, kann man ihr das übel nehmen? Können es jene Erwachsene, die selbst der Öffentlichkeit den grobsexuellen Stempel aufdrücken, wie es sich im Kino, Theater, im Tanz, im Fasching vor den Augen der Jugend kundtut? Eine große Ungerechtigkeit ist es, von einer Krise der modernen Jugend zu sprechen, wo es sich um eine Kulturkrise der modernen Welt überhaupt handelt. Aber vielleicht liegt dieser ungerechten Haltung der sinnvolle Wunsch zugrunde, die Jugend möge verwirklichen, was wir vertan, was wir unserem Jugendideal schuldig geblieben sind. Und es findet sich, dieser schlimmen Zeit zum Trotz, dank einer unerschöpflichen naturhaften Kraft neben einer triebhaften, hemmungslosen Jugend eine andere, die den Begriff „Selbstzucht“ wieder lebendig innehat und die zielbewußt ihren Weg geht, unbeirrbar sich entwickelnd in aller Misere. Diese Jahre langsamen Reifens vom Kind zum Menschen sind von mindestens ebenso entscheidender Bedeutung für die Prägung des Charakters, wie die Jahre der frühen Kindheit und es wäre also nötig, dem heranwachsenden jungen Tl.ORic eins (S^ofkurfcfmer {Segx. 15Z4 ^ZrlGftofung 205 T9 ^JRefxhen^ffraße 14/15 ^Darrten - ^Kantel xrt reich f’ier Jrlusxnafxl un5 nctcL

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