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Das jüdische Echo · 1928-11-09 · 45 (9.11.1928) · p. Seite 714

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
45 (9.11.1928)
Date
1928-11-09
Page
Seite 714 (sequence 6)
Language
German
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714 Das Jüdische Echo Nr. 45 I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI FRANZ QRUBER, MÜNCHEN HoHlsaiam, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostümstickereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 229 75 deren Namen, und Auftrag sie geschieht. Wenn man erfährt, daß diese wichtige Verfassungsänderung, die in öffentlicher Sitzung erfolgte, vorgenommen wurde, ohne daß auch nur ein Mitglied der Gemeinde sich die Mühe gemacht hätte, das Gemeindepärlament einmal bei seiner Arbeit zu beobachten, so hat man eine Illustration zu diesem Thema, wie man sie besser — oder trauriger — nicht verlangen kann. Auf alle Fälle wird man darum fordern müssen, daß die voraussichtlichen neuen Mitglieder der Gemeindevertretung vor ihrer Wahl der gesamten Öffentlichkeit Auskunft über ihre Absichten und Ziele geben und man wird mit nicht minderem Nachdruck fordern müssen, daß sie ihre Arbeit im wesentlichen als Vorbereitung für die Zeit nach 1931 auffassen, die dann hoffentlich eine tatsächlich neugewählte und vom Vertrauen der Gemeindemitglieder getragene Gemeindevertretung am Werke sehen wird. I. E. Judenbedriickung in Rußland Moskau, 26. Oktober. (JTA.) Der bekannte jüdische Publizist B. Slutzky erhebt in dem Hauptorgan der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, der Moskauer jüdischen Tageszeitung „Emess“, schwere Beschuldigungen gegen die lokalen Behörden in verschiedenen Teilen Söwjetrußlands, denen vorgeworfen wird, daß sie die Gesetze der Sowjetunion in der schimpflichsten Weise umbiegen, bzw. mißbrauchen und ein grausames Regime gegen die deklassierten jüdischen Massen führen. Diese Massen ehemaliger wohlhabender Kaufleute und Gewerbetreibender wurden allmählich in einen Zustand grauenvollster Verelendung gebracht; jede Möglichkeit, sich irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wurde ihnen unterbunden. In den Großstädten wie in den Kleinstädten hat sich die Zahl der jüdischen Armen, die auf Unterstützung angewiesen sind, in ungeahnter Weise vermehrt. B. Slutzky zitiert ein ukrainisches Gesetz, wonach jede Familie, deren Oberhaupt bis Juli 1927 mit Handel sich abgegeben hat, kein Recht auf eine zwangsbewirtschaftete Wohnung hat. Das hieß also, daß die Wohnungszwangswirtschaft allen früheren Kaufleuten nicht mehr zugute kommt und diese ihre Wohnungen, die sie seit einer unzähligen Reihe von Jahren bewohnen, räumen und sich Wohnungen, die nicht der Zwangswirtschaft unterliegen, neu kaufen müssen. Das Gesetz verursacht ungeheure ^anik, es mußte dahin abgeändert werden, daß nur jene auf eine zwangsbewirtschaftete Wohnung keinen Anspruch haben, die noch heute dem Kaufmannsstand angehören und mindestens 3000 Rubel jährlich verdienen. Die ausführenden Organe kehrten sich nicht nach dieser verbessernden Vorschrift und vertrieben rücksichtslos unzählige frühere jüdische Kaufmannsfamilien aus ihren alten Wohnungen, obwohl die Familienoberhäupter längst nicht mehr Kaufleute sind, sondern als Handwerker und Heimarbeiter sich ihr Brot verdienen oder arbeitslos sind. Ich kann aus eigener Wahrnehmung bezeugen, schreibt Slutzky, daß z. B. in Kiew sich die Austreibungen jüdischer Familien aus ihren Wohnungen zu einer wahren Orgie der Grausamkeit ausgewachsen haben. Ausnahmslos sind Juden Opfer dieses Grauens. Die Wohnungskommissionen : beugen willkürlich die Gesetze um und säen Entsetzen in die Herzen der jüdischen Bevölkerung. Viele Hunderte jüdische Familien wurden durch diese Austreibungen vollkommen ruiniert. Zahlreiche Juden, die noch nicht fünf Jahre dem Arbeiterstande angehören, sind als Nichtarbeiter klassifiziert und aus ihren Wohnungen vertrieben worden. Die Fälle sind dem Gericht übergeben worden. Die Entscheidungen der Gerichte sind noch nicht gefallen, aber die inzwischen aus ihren Wohnungen vertriebenen Familien sind an den Bettelstab gebracht worden. Aus der jüdischen Welt Tagung des Großen Rates des Preußischen i Landesverbandes Berlin, 5. November. (JTA.) (Amtlich.) Am 4. November d. J. trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz seines Präsidenten, Kammergerichtsrat Wolff, zu einer Sitzung zusammen. Es wurde zunächst beschlossen, den Verbandstag auf den 3. Februar 1929 einzuberufen. Sodann behandelte der Rat den von den Vertretern der Landesverbände und des Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bundes am 3. Juni d. J. in Köln angenommenen Entwurf der Verfassung eines Reichsverbandes der deutschen Juden. Nach längerer Aussprache wurde der Verfassungsentwurf mit 25 gegen 6 Stimmen unverändert angenommen. Als weiteren Punkt der Tagesordnung erörterte man die Frage einer Sammel-Anleihe. Gemeinden, die eine Anleihe dringend benötigen, und deren Belastung es gerechtfertigt erscheinen läßt, soll in beschränktem Maße der Zinsendienst erleichtert werden. Einen breiten Raum in den Beratungen nahm wiederum die zukünftige Lehrerbildung ein. Ein Ausschuß wurde mit der nochmaligen Prü- 1 fung dieser schwierigen Frage beauftragt. Der ’ Dringlichkeit wegen tagte er bereits am 5. November. Zum Schluß genehmigte der Rat die Bewilligungen, die der Wohlfahrtsausschuß in seiner E letzten Sitzung ausgesprochen hatte. Grundsteinlegung für eine neue Berliner Synagoge Berlin, 31. Oktober. (JTA.) In Anwesenheit der drei Vorsitzenden des Berliner Gemeindevorstands, Kommerzienrat Gerson Simon, Kammergerichtsrat Leo Wolff und Georg Kareski, sowie des Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, Geheimrat Dr. Julius Stern, wurde am Sonntag, dem 28. Oktober, die Grundsteinlegung für die i neue Synagoge in der Prinzregentenstraße feierlich vorgenommen und die Bauurkunde angemauert. Die Festansprache hielt Direktor Georg Kareski, der ausführte, es sei ein Zeichen für die Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Berliner jüdischen Gemeinde, daß es ihr nunmehr möglich sei, nach der langen Pause der Kriegs¬ und Nachkriegsjahre wieder an die Befriedigung der dringenden religiösen Bedürfnisse der Berliner Judenheit zu schreiten. Voraussichtlich wird der Bau zu den hohen Feiertagen des kommenden Jahres fertiggestellt sein. Konstituierung der „Gemeinnützigen jüdischen Eheanbahnungsstelle“ Frankfurt a. M., 4. November. (JTA.) Der Verein „Gemeinnützige jüdische Eheanbahnungsi

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