Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1928-11-02 · 44 (2.11.1928) · p. Seite 703

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
44 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
Seite 703 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9103081-9156912--08894-9081608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 44 Das Jüdische Echo 703 Oberkantor ALTER JÜDISCHER GESANGVEREIN 5. DEZEMBER 1928: ODEON riete; und doch rief er nach keinem Priester. Er konnte es aber jetzt nicht erzählen. Er schwieg also und gab keine Antwort. Die Vernehmung ging ihrem Ende entgegen. Gog schöpfte erleichtert Atem, denn er wußte, daß man ihn bald zu seinem Weibe und seinen Kindern gehen lassen würde. Vielleicht glückt es ihm auch für einen Augenblick aufs Feld zurückzukehren und ein wenig von dem gesammelten Holz mitzunehmen, das er wegwarf, als ihn die Männer von dort wegschleppten. Als man ihn aus der Vorhalle herausführte, fingen die Beratungen der Richter an. Der Vorsitzende sprach zuerst: „Ich glaube, wir tun gut, dieses arme Geschöpf gehen zu lassen, wohin es will. Wir haben an ihm keinen großen Fang getan ...“ Die andern Richter stimmten ihm bei. Im gleichen Augenblick erhob sich der Hohepriester Pinchas, der Sohn Eliesers, von seinem Platz. Seine Augenbrauen wurden noch breiter und noch dunkler wie sonst. „Nein!“ rief er, „das tun wir nicht. Ich lasse es nicht zu. Es handelt sich um den Sabbat — und wir müssen dem Volke einmal zeigen, was uns der Sabbat bedeutet. Diesen Mann zeigen wir als Beispiel den Widerspenstigen im ganzen Lager, damit sie fürchten und nicht weiter freveln. Der Mann muß sterben ...“ Die anderen Richter schauten verwundert einander an; dann aber gaben sie nach. Dann verkündete Pinchas das Urteil: „Im Namen Gottes und im Namen Moscheh’s! Am vierzehnten Tage des achten Monats im ersten Jahre der Priesterherrschaft kamen Leute aufs Feld und sahen Gog, den Sohn Bechers aus dem Stamme Sebulon, einen Holzhacker, wie er Holz von der Erde aufsammelte an einem Sabbattage. Da ergriffen ihn die Leute und führten ihn hierher, zur Halle des Gerichts und sagten gegen ihn aus, er habe den Sabbat entheiligt, von dem der Ewige sagte: Ihr sollt ihn nicht entheiligen; denn er sei ein Zeichen zwischen mir und Euch in Ewigkeit; er habe an ihm Arbeit getan, da er Holz sammelte und habe den Ewigen nicht gefürchtef, der sagte: es solle bestraft jeder, der an diesem Tage Arbeit tut und seine Seele werde vertilgt aus der Mitte ihres Volkes! Und dieses sei das Urteil nach den Worten Moscheh’s: es soll sterben der Mann Gog, der Sohn Bechers; das Volk soll ihn steinigen außerhalb des Lagers. Und ich, der Priester Pinchas, der Sohn Eliesers, des Sohnes Amrams, wiederhole es euch: es sterbe Gog, der Sohn Bechers!“ Das ganze Volk, das herumstand, antwortete Amen! Gog, der Sohn Bechers, saß in Gewahrsam die ganze Nacht; gegen Morgen erschauderte er plötzlich — doch bald wurde er wieder ruhig. * * * Als sich die ersten Strahlen der Sonne zeigten^ kamen zu ihm die Wächter und teilten ihm das Urteil mit: Tod durch Steinigung — außerhalb des Lagers ... Ein blödes Lächeln huschte um die Lippen Gogs. Er glaubte, man wollte sich mit ihm einen Spaß machen und deshalb lachte er. Als man ihm aber ein weißes Hemd anzog, die Augen verband und auf einen Wagen setzte, den zwei weiße, junge Kühe zogen und aus dem Lager fuhr — da fing sein Herz an rasend zu klopfen. Warum dies? Was hatte er denn getan? Er wollte doch bloß Holz sammeln und den Kindern einen Trank aus Moos bereiten, weil sie das Fieber hatten und die ganze Nacht Schmerzen litten! Plötzlich hörte er Posaunenschall, und das Murmeln einer ganzen Menge Volkes. Die Priester gingen in ihren Amtsgewändern und die Leviten in weißen Kleidern mit Behang von Granatäpfeln und Glöckchen umher. Langsam versammelte sich das ganze Volk; alles was im Lager war; viele Tausende von Menschen. So kamen sie an eine kahle und öde Ebene, die gegenüber der Wüste lag. Der Hörner- und Posaunenschall wuchs immer mehr, dann brach er ab und einen Augenblick herrschte vollkommene Stille. Dann stieg Pinchas, der Sohn Eliesers, auf ein Gerüst, das man aufstellte und sprach zum Volke: „Im Namen des PEL ZAAODtN BERNHARD BAUCH MÜNCHEN SCHÄFFLERSTRASSE 3 KAUFINGERSTRASSE 25 BRIENNERSTRASSE 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.