Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- Seite 702 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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702 Das Jüdische Echo Nr. 44 wmsjism ( des noch lebenden hervorragenden Philologen und Archäologen Salomon Reinach. Die drei berühmten Brüder Reinach entstammen einer aus Frankfurt a. M. gebürtigen jüdischen Familie. Joseph Reinach wurde Kabinettschef Gambettas, als dieser 1881 Premierminister wurde. Salomon Reinach verfaßte zahlreiche vielbeachtete Schriften über Philologie, Archäologie und Philosophie und übersetzte einen großen Teil der Schriften Schopenhauers ins Französische. Der heute verstorbene Theodore Reinach war nicht nur ein hervorragender französischer Historiker und Archäologe, sondern auch der repräsentative Geschichtsschreiber des Judentums in Frankreich. Eine neue Sympathie-Erklärung der polnischen Regierung für den Palästina-Aufbau Warschau, 23. Oktober. (JTA.) Der polnische Minister des Äußern Graf Zaleski empfing den Delegierten des Hauptbüros des Keren Hajessod, Herrn Leib Joffe, und unterhielt sich mit ihm eingehend über Fragen Palästinas und des Zionismus. Leib Joffe berichtete dem Minister ausführlich über die Lage in Palästina, über die bevorstehende polnische Keren-Hajessod-Konferenz und über die Pro-Palästina-Bewegung in den verschiedenen Ländern. Graf Zaleski sprach zum Schlüsse im eigenen Namen sowie im Namen der polnischen Republik die Sympathien für die Ideale des Zionismus und für den Aufbau Palästinas aus. Die allpolnische Keren-Hajessod-Konferenz wird am 5. und am 6. November in Warschau tagen; es werden an derselben Delegierte aus 462 polnischen größeren und kleineren Städten teilnehmen. Die polnische Regierung kauft die palästinische Tabakernte auf Jerusalem, 28. Oktober. (JTA.) Die polnische Regierung hat dem Syndikat der jüdischen Tabakzüchter in Galiläa ein Angebot gemacht, die gesamten Tabakvorräte zu sechs Zloty pro Kilo zu kaufen. Gleichzeitig hat sie mitgeteilt, sic beabsichtige, die gesamte zukünftige Produktion des Syndikates zu erwerben. Der polnische Handelsattache Hausner erhielt von der polnischen Regierung die Mitteilung, daß sie beschlossen habe, den Import von Wein, Orangen, Bananen und Mandeln aus Palästina freizugeben. Ausdehnung der Universitätsunruhen in Ungarn B u d a p e s t, 23. Oktober. (JTA.) An der Budapester Universität herrschte heute verhältnismäßig Ruhe; Universitätsgebäude und die gesamte Umgebung stehen unter strenger polizeilicher Bewachung. Polizeiabteilungen durchziehen unausgesetzt die Stadt. Die jüdischen Studenten konnten aber auch heute die Hochschulen, soweit diese überhaupt geöffnet sind, nicht besuchen. Zwei jüdische Hochschüler, die sich auf die Universität wagten, wurden blutig geschlagen. Die Ereignisse in Budapest haben nun auf die Provinz übergegriffen. Wie gestern in Debrecin kam es heute in Szegedin zu wüsten Ausschreitungen gegen die Juden. Zahlreiche jüdische Studenten wurden blutig geschlagen und aus der Universität verjagt. Feuilleton Der Holzsammler Von David Frischmann Aus dem Hebräischen übersetzt von J. Salmoni (Schluß) Um Mitternacht wurde er plötzlich aufgeweckt Fackeln, die in den Spalten der Wände steckten, erleuchteten hell den Raum vor der Stiftshütte. Auf der Erde saßen ernste Männer mit düsterem Blick und Mienen auf ausgebreiteten Teppichen —■ und da befiel Gog eine furchtbare Angst. In der Mitte sah er den Hohenpriester sitzen, angetan mit seinem Priesterkleid und allen Zeichen der Würde; seine Augenbrauen waren breit und dunkel. Er blickte bloß um sich und sprach kein Wort. Die Untersuchung begann. Und noch einmal begann das Verhör nach Namen, Stamm, Beschäftigung, aber diesmal zitterten in ihm alle Glieder bei jeder Frage. Als man ihn fragte, warum er diese böse Tat begangen hatte, am Sabbat Holz auf dem Felde zu sammeln, wußte er nicht zu antworten, sondern blickte scheu und hilfesuchend umher. Er verstand nicht, was man von ihm wollte; warum durfte man denn kein Holz sammeln? Wieso war es böse, es am Sabbat zu tun? Was Sabbat war, wußte er nicht einmal recht. Einen Augenblick stand er bestürzt da. „Aber ....“ versuchte er zu erwidern, dann schwieg er still. Endlich raffte er sich auf. Als ob er zu sich selbst sprechen wollte, begann er leise, daß man ihn kaum hörte: „Meine Frau ist krank. Ich habe vier Kinder; drei davon sind krank. Schon seit elf Tagen. Die Nachbarn sagen, es wäre das Fieber. Die ganze Nacht saß ich vor ihrem Lager. Ich sah ihre brennenden Lippen und Augen und das Feuer, das in ihren Gliedern fraß. Ich dachte mir: es fehlt nicht viel und sie verbrennen ganz. Die Nachbarn sagen, man soll ihnen warmes Wasser und gekochtes Moos geben. Das Moos sammelte ich mir in Felsspalten, aber ich hatte kein Holz, um Feuer zu machen. Ich bin Holzfäller, hatte aber kein Holz im Hause. Da ging ich hinaus, um mir etwas Holz zu sammeln und es meiner Frau und meinen Kindern zu bringen. Doch die Leute ließen mich nicht sammeln ...“ Der Richter sagte böse: wenn eine Krankheit kommt, ruft man doch einen Priester ... Gog antwortete nicht. Er wußte bloß, daß er vor einem Priester Angst empfand. Wenn er nur den Namen Priester hörte, zitterte er an allen Gliedern. Man sagte, wenn ein Priester in das Haus eines Kranken kommt, dann reißt er Steine aus den Wänden und läßt sie weit aufs Feld hinauswerfen, dann kratzt er das ganze Haus von allen Seiten ab und läßt das Abgekratzte auf den Abfallhaufen führen, und manchmal läßt er sogar das ganze Haus niederreißen. Furcht packte Gog, als er daran dachte. Er würde alles auf sich nehmen, nur um nicht mit diesen Menschen zusammenzukommen. Elf Tage lag sein Weib auf dem Krankenlager, ächzend und stöhnend, und die Kinder lagen still, während ihnen das Fieber in den Gliedern brannte und die Zunge am Gaumen antrock-