Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- Seite 700 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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700 Das Jüdische Echo deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hervorgehoben. Ebenso wie diese Beratungen nahm auch der Begrüßungsabend, den die Ortsgruppe München den Gästen im „Bayerischen Hof“ am Samstag, dem 20. Oktober, widmete, einen voll befriedigenden Verlauf. Der erste Vorsitzende des Landesverbandes Bayern und der Ortsgruppe Müncheft, Herr Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner, begrüßte die erschienenen Gäste und Delegierten mit herzlichen Worten. Aus den Begrüßungsansprachen der Vertreter von Verbänden und Vereinen klang immer wieder das freundschaftliche Verhältnis zum R.j.F. und die Sympathie mit dessen Bestrebungen durch. Besonders eindringlich betonte der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, vertreten durch seinen Tagungspräsidenten, Herrn Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt, die Bedeutung der Siedlungstätigkeit des Frontbundes als Zukunftsaufgabe des deutschen Juden. Darauf brachten einige Kameraden der Münchener Ortsgruppe wohlgelungene Darbietungen, die durch ihren heiteren Inhalt rasch eine fröhliche Stimmung im ganzen Saal hervorriefen. Diese gute Stimmung hielt bei Tanz und fröhlicher Unterhaltung bis zum Ende an. Auszeichnung eines Münchener jüdischen Dichters Wie wir erfahren, hat der Literaturbeirat der Stadt München beschlossen, den Gedichtband „Die Erben“ des unseren Lesern ja bekannten jüdischen Dichters Manfred Sturmann auf Kosten des Stadtrates drucken zu lassen. Das Werk dürfte bereits in der nächsten Zeit in einem bekannten Verlage erscheinen. (In diesen Tagen wird übrigens auch ein Prosaband Sturmanns: „Selbstmord in Dur“ im Verlag J. M. Spaeth, Berlin, erscheinen, mit dem wir uns noch näher beschäftigen werden.) Wir beglückwünschen Herrn Sturmann herzlich zu dieser Auszeichnung, die ihm erlaubt, vor der ganzen deutschen Öffentlichkeit einen Beweis für seine starke lyrische Begabung abzulegen und sind überzeugt, daß er sich damit die Beachtung erringen wird, die ihm gebührt. Verfolgte Antisemiten Den Nachrichten von den furchtbaren antisemitischen Ausschreitungen in Ungarn, über die wir in der letzten Nummer ausführlich berichtet haben, müssen wir leider wiederum neue, nicht weniger betrübliche hinzufügen. Die Bewegung hat nun auch auf die Provinzuniversitäten Fünfkirchen und Debrezin übergegriffen, wo jüdische Studenten von den Rassenschützlern blutig geschlagen wurden. Diese gemeinen Angriffe, die ja auch Gegenstand Nr. 44 4 I. MÜNCHENER PLISSEE-BRENNEREI 1 FRANZ QRUBER, MÜNCHEN Hohlsaum, Knöpfe, Endeln, Kanten, Kostttmstlckereien Burgstraßei6/3 Knopflöcher Telephon 22975 verschiedener Parlamentsdebatten waren, wurden . selbstverständlich von einem Teil der Presse veröffentlicht und nach der jeweiligen politischen Einstellung kommentiert. Auch das Münchener Hitler-Organ wollte seinen Lesern die jüngsten Ereignisse in Ungarn nicht vorenhalten. Man irrt aber, wenn man glaubt, daß das Hitler-Blatt diese Nachrichten etwa folgendermaßen bringt: Hoch, die ungarischen Gesinnungsgenossen! Seht, so wollen wir es auch machen! ■ j (In Berlin machen die Hitler-Leute ja bereits, wie ■ f wir an anderer Stelle berichten, die neueste unga- '. i rische Mode mit. Die Red.) Der erstaunte Leser J findet vielmehr die großaufgemachte Sensationsnachricht, daß jüdische Studenten „förmlich Jagd , auf die Hochschüler“ veranstalten, die nach deut-; schem Muster Studentenmützen tragen, „50 bis 60 Hebräer warfen sich auf einen Studenten“ und 1 weiter „in den Straßen des christlichen Budapest“ j \ ertönte der Schlachtruf der modernen Makkabäer: i 1 „Erschlaget die Christen!“ Man stelle sich das vor ’ in Horthy-Ungarn!; Doch es kommt noch dicker. An anderer Stelle j; berichtet das Blatt aus Wien, und zwar in Fettj druck: Nachdem man sich in Ungarn davon über- {! zeugt habe, daß England und Italien die Thronbej Steigung des legitimen Königs nicht dulden, habe ] man dem Führer der Zionisten, Chajim Weizmann, j die Stephanskrone angeboten, „da dieser Kandidat die Unterstützung der Weltbörse und Alljudas finr ‘ den würde“. Es ist ja zweifellos eine sehr bequeme Methode: „Haltet den Dieb“ zu schreien, wenn man gerade selbst gestohlen hat und den Verdacht von sich ablenken möchte; aber die Nationalsozialisten L wenden sie wenigstens konsequent an, scheuen sie sich ja auch nicht zu behaupten, die Friedhofi Schändungen seien von Juden angestiftet worden. Diese gespielte Unschuld wird indessen nicht viel Glauben finden; es sei denn, bei solchen von jedem; politischen Wissen unbetrübten Gemütern, die sich auch weismachen lassen, daß ausgerechnet Weizmann Thronprätendent von Ungarn werden wollte — oder bei Leuten, die wie Ludendorff offenbar den Verstand verloren haben. Da es aber von beiden Kategorien eine große Anzahl zu geben scheint und da sehr geriebene Politiker diesen Umstand für ihre Zwecke auszunützen verstehen, bedeuten sie eine dauernde Gefahr für den inneren Frieden, der energisch zu begegnen zu einer imabweisbaren Aufgabe der Behörden wird. 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