Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 44 (2.11.1928)
- Date
- 1928-11-02
- Page
- Seite 698 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6$8 Das Jüdische Echo breiteren jüdischen Öffentlichkeit zu befestigen. Die „Wedgwood-Aktion“ in Nürnberg hat dieses Gefühl nicht nur vertieft, nicht nur neuen Menschen zu Bewußtsein gebracht, sondern vor allem auch erreicht, daß die G e b e f r e u d i g k e i t für den Keren Hajessod gewachsen ist. Am Sonnabend, dem 20. Oktober, waren über 250 geladene Gäste im Saale des Hotels „Deutscher Hof“ zu einem vom Keren-Hajessod-Komitee veranstalteten Tee erschienen. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Komitees und der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth, Dr. Meinhold N u ß b a u m, überbrachte Herr Rabbiner Dr. Freudenthal den Gästen die Wünsche der Nürnberger Gemeinde. Er benützte die Gelegenheit, um in herzlichen Worten seine aktive Anteilnahme an dem Palästinawerke zu bekunden und betonte die große Chance, die gerade für die Nichtzionisten darin liege, daß die neutrale Plattform des Keren Hajessod ihnen die Möglichkeit gebe, an dieser ungeheuren Aufgabe unbeschadet ihrer jüdisch-politischen Gesinnung tatkräftig mitzuarbeiten. Frau Riwkah Sturmann, in deren Händen ein großer Teil der Vorbereitung des Abends gelegen hatte, dankte Col. Wedgwood für seine großherzige Anteilnahme am Schicksal des Landes in einer hebräischen Ansprache. Hierauf nahm Col. Wedgwood das Wort zu seinem Vortrage, wobei er sich nach einigen einleitenden Worten in deutscher Sprache seiner Muttersprache bediente. Der weitaus größere Teil der Anwesenden war, wie sich während des Vortrages deutliche zeigte, imstande, dem Redner unmittelbar zu folgen, dessen sympathische, eindrucksvolle und gewinnende Art ihm sogar die gespannteste Aufmerksamkeit derjenigen sicherte, die nicht englisch verstanden. Im wesentlichen entwickelte Wedgwood die gleichen Gedankengänge, über die an dieser Stelle schon berichtet wurde. Stürmischer, aufrichtiger Beifall dankte Col. Wedgwood, dem Dr. Nußbaum den Dank der Erschienenen treffend durch die Feststellung übermittelte, daß die Erinnerung an den bedeutungsvollen Abend neben dem Gedenken an den Besuch Weizmanns Ende 1927 ihrpn vollen Glanz behalten werde. Nach derTeepause, während der Col.Wedgwood sich von Tisch zu Tisch begab, um alle Gäste persönlich zu begrüßen, richtete Herr Dr. Ludwig Frank in seiner Eigenschaft als nichtzionistisches Mitglied des Nürnberger Komitees einen eindringlichen Aufruf an die Versammlung, in dem er Opfer, nicht Spenden für den Keren Hajessod verlangte. Er bezeichnete angesichts der unabhängig von jeder Diskussion sich vollziehenden Aufbauarbeit im Lande es als verfehlt, aus prinzipiellen Bedenken, die heute jedenfalls ihren Sinn verloren hätten, abseits zu stehen, während dieser große historische Prozeß sich vollziehe, mit dem die Ehre des jüdischen Namens untrennbar verbunden ist. Kennzeichnend für die Stimmung der Anwesenden war der überaus reiche Beifall, der auch diesem Appell folgte. Nr. 44 I Einen zweiten Höhepunkt erreichte der Abend aber mit der ungemein wirkungsvollen, bedeutenr.-J den Ansprache Blumenfelds, der die Grüße | des Präsidiums des Deutschen Keren Hajessod l| überbrachte. In konzentrierter, geschlossener Rede 1 bewies Blumenfeld die Notwendigkeit des Aufbaus i;j von Erez Jisrael als einziger Möglichkeit einer i Erneuerung des Judentums. Diese Erneuerung aber , — und darin gipfelte seine Rede — könne nur aus - echtem, blutvollem Leben geboren, nicht künstlich fl in einer Retorte erzeugt werden; nicht einen Hoi tnunculus, sondern den lebenden jüdischen Men- | sehen gelte es zu schaffen. Leben lasse sich nicht willkürlich in Formen pressen, nicht wie eine Maschine regulieren. Not und Elend, Aufstieg und T Niedergang, ruhige Entwicklung und plötzliche 1 Krisen, alles das sei nicht nur unvermeidbar, son- ' dern sogar notwendig, wenn das jüdische Volk i wahrhaft seiner Renaissance entgegengehen solle. ' Für nichtjüdische Freunde des Palästinawerks, auch für Col. Wedgwood, dürfe Palästina ein Experiment bedeuten, für uns aber ist es keine Sache, die gelingen oder mißlingen kann, für uns gibt es i nur den Glauben, die Gewißheit von dem Siege unserer Sache. Begeisterter Beifall dankte Blumenfeld für seine , Rede, deren nachhaltige Wirkung unverkennbar ist. Mit einem kurzen Schlußworte des Vorsitzenden endete diese wahrhaft denkwürdige Veranstaltung, die in der Presse in ausführlichen Besprechungen glänzend gewürdigt wurde. Das hier vielgelesene „8-Uhr-Blatt“ brachte neben einer ausführlichen Schilderung des Abends einen Leitartikel über den 1 Keren Hajessod, der diesen Fonds in seiner Beden- ' tung schildert und anerkennt. Für Sonntag, den 21. Oktober morgens, hatte Herr Dir. Paul Metzger zu einem Zirkel geladen, auf dem im engsten Kreise Col. Wedgwood seine Ausführungen vom Vorabend vertiefte und an ihn gerichtete Fragen in deutscher Sprache beantwortete. Die Herren Blumenfeld und Dr. Rosenbliith gaben auch ihrerseits Aufklärungen. Am Montag, dem 22. Oktober, abends sprach Blumenfeld zu einem Forum jugendlicher Zionisten ■ i und Nichtzionisten. Die Einladung war von einem vor einigen Wochen gegründeten „Jungzionisti-; sehen Kreis“ ausgegangen. In einer sich bis in die späten Abendstunden ununterbrochen bewegenden Diskussion antwortete Blumenfeld auf zahlreiche Fragen, die sich zumeist mit den ideologischen Bedingungen des Zionismus beschäftigten. Vor allem;; aber gab Blumenfeld ein klares Bild von den Mögt lichkeiten und Erfordernissen zionistischer Jugenderziehung in Deutschland in der gegenwärtigen Situation. Es ist nicht zweifelhaft, daß seine Ausführungen eine starke Belebung und unmittelbare Erweiterung des Jugendkreises zur Folge haben werden. Wenn schließlich noch darauf hingewiesen werden kann, daß die im Anschluß an die Aktion durchgeführten und noch im Gange befindlichen Hausbesuche für den Keren Hajessod fast durchwegs Postkarte genügt - Komme sofort nämlich ich, der neue humorvolle, belehrende Wintersport-Katalog 1928/29 vom Sporthaus Schuster, München 2 C 7, Rosenstraße 6, den jeder Ski- und Wanderfreund gratis erhält, weil er ihn besitzen muß.