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Das jüdische Echo · 1928-10-26 · 43 (26.10.1928) · p. Seite 681

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
Seite 681 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 45 Das Jüdische Echo 681 Es wäre aber falsch, dieses Unternehmen nur zu betrachten als eine Kolonisation osteuropäischer Juden in Palästina. Gerade der Westen ist es, der Leben und Zivilisation hier in ein orientalisches Land trägt. In einem Land, das beinahe tot war, beginnt neue Freiheit zu wachsen. Wenn man diese Menschen betrachtet, wie ihr gekrümmter Rücken sich aufrichtet, wie sie erst wahrhafte Menschen werden, wie sie den Wüstenboden in einen blühenden Garten verwandeln, dann sieht man mehr als bloß einen landwirtschaftlichen Erfolg, mehr als eine Zufluchtsstätte für Verfolgte. Man sieht ein neues Volk im Werden. Der jüdische Name wird zu großer Ehre gebracht. Die Juden, die selbst niemals nach Palästina gehen werden, werden stolz sein, überall als Juden erkannt zu werden. Die Scheu und Unfreiheit der Diaspora ist vorbei. Erlauben Sie mir, aus persönlicher Erfahrung zu sprechen. Vielleicht bin ich in der Lage, unter Engländern am deutlichsten meine Beobachtungen zu machen. Diese meine Landsleute hielten die Juden stets für Angehörige des bürgerlichen Mittelstandes, beschäftigt mit Handel und anderen vermittelnden Tätigkeiten. Plötzlich haben sie die Vision von Juden, die aussehen wie die amerikanischen Cowboys, die man im Film sieht, Traktoren führend, Heu ladend, Bier trinkend; nicht Händler, sondern Produzenten, — Angehörige jenes freien Menschenschlages, den wir am meisten verehren. Diese veränderte Haltung gegenüber den Juden tritt am deutlichsten in England zutage, weil wir in dieser Palästinasache Partner sind. Aber auch in anderen Ländern merkt man den neuen Geist. In Rumänien oder Ungarn, wo die Juden verfolgt werden, haben sie gelernt, sich zu wehren; und wenn der Geschlagene zurückzuschlagen beginnt, dann wird das Prügeln ein uneinträgliches Geschäft. Was England betrifft, so ist mir der Gedanke, daß Engländer und Juden jetzt Partner sind, sehr lieb. Wenn Sie wissen wollen, warum ich Zionist bin, so muß ich antworten: Nicht weil ich die Juden besonders liebe, sondern weil ich Grausamkeit und Ungerechtigkeit hasse. Ich verachte und hasse die Antisemiten. Wir Engländer sind gute Genossen für diese Sache, denn der Antisemitismus fand in England stets einen schlechten Boden. Aber mehr als dies: Seit länger Zeit werden wir erzogen durch das Alte Testament, so daß dieses und das Land Israel unsereinem vielleicht inniger vertraut sind als vielen von ihnen. Als meine puritanischen Vorfahren die Aristokraten in Naseby und Worcester niederwarfen, waren sie versehen mit den Namen Aron und Abner, und sie sammelten sich unter Anrufung des Gottes Israels in der Sprache der Propheten. Wir sehen seit Generationen die Juden vor uns herziehen, als Wolkensäule bei Tag und als Feuersäule bei Nacht, als Führer der Welt. Moses führte aus Ägypten die ersten Non-Conformisten, die ersten Freidenker, die sich vom Götzendienst und Priestertyrannei losrissen. Judas Makkabäus führte die erste nationale Erhebung gegen Tyrannenherrschaft zum Siege, 1600 Jahre bevor Schweizer oder Schotten oder Niederländer dem Vorbild jener jüdischen Bauern folgten. Niederländer, Schweizer, Griechen, Iren — all die kleinen Völker, die um ihre Freiheit gekämpft und gelitten haben und sie schließlich errangen, brauchen heute niemandes Sympathien mehr. Sie haben ihr Heimatland bereits erworben. Bei den Juden ist es jedoch nicht so, obwohl sie mehr und länger als die anderen gelitten haben. Jahrhundertelang wurden die Juden verfolgt. Jeder Kreuzzug begann mit einer Judenmetzelei. Die Juden waren rechtlos, bis zu der Zeit, als der Einfluß des Klerus im 18. Jahrhundert dähingeschwunden war; und keine Lüge war zu dumm, als daß man sie nicht geglaubt hätte, wenn sie nur Grauen vor den Juden erregte. Aber die heutige Generation von Engländern hat in dieser Hinsicht noch mehr gesehen als ihre Vorfahren. Das zaristische Rußland spie die Schwarzen Hundert aus, die die Ghetti Rußlands mit Pogromen überschwemmten, alles ohne Unterschied von Alter und Geschlecht hinschlachtend im Namen Christi. Das Zarenreich wurde abgelöst vom roten Rußland, und die Juden hungerten, da ihre Beschäftigung ihnen entzogen war. Die weißen Armeen von Wrangel und Denikin mordeten die Juden als „Bolschewiken“, und Petljuras Terror vervollständigte das Massaker. Die Nationen, welche den Krieg verloren, schoben ale Schuld auf die Juden; die Nationen, die ihn gewannen, verdeckten ihre eigenen Gewinne mit dem Rufe gegen die „jüdischen Kriegsgewinnler“. Antisemiten mordeten Eisner und Rathenau in Deutschland, und in Ungarn erfand man den neuen Sport, Juden lebendig zu begraben. All diese Dinge liegen so kurze Zeit zurück und sind so frisch in unserem wie in Ihrem Gedächtnis, daß sie in manchem von uns nicht so sehr Sympathien für die Juden aufspeichern, die gelernt haben sollten, sich zu wehren, als Haß ge- ErerbieEigenschaften zeigen sich oft erst lange nach der Geburt. Auch neue Dinge täuschen vielfach durch äußeren Glanz über die wirkliche Qualität. — Tradition, langjährige Erfahrung u. Weltruf der Schwechten-, Schiedmayer Söhne-, Mand-, Manthey-, Römhildt-, Steinberg-, Kappler-, Hofberg- Flügel / Pianos Harmoniums bürgen dafür, daß sich auch nach langjährigemSpielennurbesteEigen* schäften zeigen. Ein unverbindlicher Besuch unseres Lagers wird Ihnen außerdem beweisen, daß Sie ein sehr gutes Instrument zu sehr angenehmen Bedingungen erwerben können Pianohaus Hirsch am Sendlingertorplaiz MÜNCHEN / Lindwurmstraße 1

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