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Das jüdische Echo · 1928-10-26 · 43 (26.10.1928) · p. Seite 680

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
43 (26.10.1928)
Date
1928-10-26
Page
Seite 680 (sequence 4)
Language
German
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680 Das Jüdische Echo Nr. 43 breiten, Freiheit begründen. Dies aber ist es, was die Juden tun, die für Palästina arbeiten. Man sagt, nur wenige könnten nach Palästina gehen;.wie kann man das wissen? Wir können heute gar nicht übersehen, welche Perspektiven das neu erschlossene Land bieten wird. Die Juden haben hier eine große Möglichkeit, etwas zu schaffen, und die neue Zivilisation wird immer mehr Menschenkräfte aufnehmen. Man sagt auch, man könne den Opfern der Verfolgungen in anderer, schon erprobter Weise helfen durch Wohltätigkeit, durch Zugeständnisse Sowjetrußlands, durch Linderung der Wunden der Ungerechtigkeit. Aber ich sage Ihnen, es ist besser, das Übel an der Wurzel zu packen und die Ungerechtigkeit auszurotten dadurch, daß man der Welt ein freies, erfolgreiches Volk auf seinem eigenen Heimatboden zeigt. Ein Geschwür soll man nicht mit Pflastern behandeln, man soll es ausschneiden. Schneidet ihn heraus, den Minderwertigkeitskomplex; schneidet alles heraus, was an frühere Knechtschaft erinnert; „macht mein Volk frei“! Für uns Nichtjuden ist diese Freiheitsbewegung eines alten Volkes eine Sache von höchstem Interesse; wir sehen, daß dieses Volk für seine Ehre, für seine Ideale Opfer zu bringen entschlossen ist, und dies ist eine Sache, die jedem rechtschaffenen Menschen Respekt abnötigt, und die, wie ich überzeugt bin, die tätige Hilfe jedes Menschen von idealer Gesinnung beanspruchen darf. Es ist eine menschliche Angelegenheit und zugleich eine jüdische. Darum sollen Juden und Nichtjuden dafür ■ einstehen. Die Juden, die sich zu dieser Sache bekennen, müssen Sympathie finden bei allen Menschen, die das Ideal der Freiheit hochhalten. Wie liegen nun die Dinge heute in Palästina? Die Bevölkerung besteht aus 700 000 Arabern und 150 000 Juden. Die Juden, meist aus Osteuropa, kommen ins Land so schnell wie das Land sie aufnehmen kann. Wir haben heute schon eine jüdische Landwirtschaft, ein neuer Typus des jüdischen Bauern ist entstanden, und jüdische Hände steigern die Produktivität des Bodens. Industrien entstehen: Ziegel, Zement, Gerbereien, Mühlen, Seifen- und Ölfabriken, Textil- und Schokoladeindustrien usw. Die alten Städte Jaffa und Akko erweitern sich durch die modernen westlichen Städte Tel-Awiw und Haifa, welche mit Los Angeles rivalisieren in Schönheit und in der Schnelligkeit ihres Wachstums. Sobald der Hafen in Haifa gebaut ist und die Eisenbahn und die Ölleitung das Hinterland bis Bagdad erschlossen hat, wird dieser Hafen Alexandria den ersten Rang im östlichen Mittelmeer streitig machen. Diese Ausdehnung wird noch schneller vor sich gehen, wenn das Ruthenbergsche Elektrizitätswerk. das heute bereits im Bau ist. das ganze Land mit Kraft und Wasser versorgt. Seit dem Waffenstillstand sind 90 000 Juden nach Palästina gekommen und haben dort Arbeit gefunden. Es ist lehrreich, dies einmal mit dem Wachstum der; Neu-England-Staaten in Amerika zu vergleichen. Zwischen der Landung der Mayflower im Jahre 1621 und dem Jahre 1641, wo die Einwanderung für viele Jahre aufhörte, kamen nur 40 000 Menschen nach Massachusetts. In; gewisser Beziehung hatten die Pilgrim-Fathers ■ von Amerika größere Schwierigkeiten als heute die Juden. Sie hatten hinter sich keine Regierung, die Millionen aufzuwenden bereit war, um Recht; und Ordnung im Lande zu sichern, Straßen, Eisenbahnen und all die anderen Erfordernisse der Zivilisation zu schaffen. Sie hatten auch nichts ähnliches wie das allweltliche Judentum hinter sich, das, wie heute den Juden die Zionistische Organisation und der Keren Hajessod, bereit gewesen wäre, ihnen bei der Einwanderung zu helfen, den Boden zu ameliorieren und ihnen Kapital beizustellen. Dagegen konnten sie freilich Boden kaufen für ein Bündel Decken oder eine Flasche Bier, und die eingeborenen Rothäute, gering an Zahl, zogen sich zurück. Die Pilgrim-Fathers von Palästina können nicht derartige kurze Methoden mit den Eingeborenen anwenden; sie müssen vielmehr mit ihnen zusammen leben und für den Boden in gutem Geld bezahlen. Das Werk der Juden ist besser als das der ersten Amerikaner; denn statt die Eingeborenen auszurotten, heben sie sie auf ein höheres Lebensniveau. Wo in der Welt oder wann in der Geschichte ist etwas Ähnliches vollbracht worden? Wann hat eine höhere Kultur ein Land geringerer Kultur kolonisiert, ohne die Bevölkerung auszurotten oder zu versklaven? So wie die Dänen nach 1864 Dänemark hochbrachten, so tun es heute die Juden mit Palästina. So wie in Dänemark wird jetzt die Eroberung toter Ländereien durchgeführt, nicht mit Kanonen, sondern durch Erziehung, Kooperation, Begeisterung und harte Arbeit; die Juden vollbringen eine landwirtschaftliche Leistung, die vielleicht einzig und allein der Kultivierung der Dünen von Jütland nachsteht. Ja, das jüdische Beispiel wird für die Welt von dauernderem Werte sein; denn der Boden, die Quelle alles Reichtums, bleibt für immer unveräußerliches Eigentum des Volkes. Schon heute vermag das freie Volk in Palästina den ausgebeuteten Arbeitern der alten Länder etwas zu zeigen, was wie eine Verheißung besserer Zeiten anmutet. Von den 150 000 Juden Palästinas sind zwar nicht alle Arbeiter. Aber von dieser Handvoll Arbeiter kann man Gewaltiges lernen. Es gibt vielleicht kein Land, wo der Arbeiter glücklicher ist als in Palästina. Er arbeitet viele Stunden, die Nahrung ist karg und wenig schmackhaft, er arbeitet für sich und die Seinen, er schafft sich ein Heim und für die Brüder und Schwestern im Exil eine Zuflucht, für das ganze Volk eine Zukunft. Die Fundamente dieses Baues sind gut. Der Boden ist Eigentum des Volkes; kooperative Organisation bildet die Regel; Liebe und Idealismus sind die Triebkräfte des Werkes. Ich glaube, daß die ökonomische Freiheit, die wir alle erstreben, nur auf diesen Grundlagen errungen werden kann. |4/offflfiMA«* MOTORWAGEN WW Wr mi Mm wUm m! mm sind in Qualität und Leistung unerreicht. sind in Qualität und Leistung unerreicht. Verkauf durch: loh. Winklholer & Söhne * München 50 Forstenrieder Straße 53 / Telephon 73844 V.

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