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Das jüdische Echo · 1928-10-19 · 42 (19.10.1928) · p. Seite 664

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
42 (19.10.1928)
Date
1928-10-19
Page
Seite 664 (sequence 4)
Language
German
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664 Das Jüdische Echo Nr. 42 lernen, der aus genauester Sachkenntnis ein Freund unserer Sache ist, und der weder Zeit noch Mühe scheut, sich immer wieder in den Dienst des Palästinaaufbaues zu stellen. Wedgwood hat im vorigen Jahre die Tschechoslowakei und Österreich besucht, und dieses Jahr hat er sich aus eigenem Antrieb wiederum in den Dienst der Aufklärung und Belehrung über den Aufbau Palästinas gestellt. Die deutschen Juden und besonders die Münchener werden ihn, so hoffen wir, mit jener Achtung empfangen, die er als einer der besten Freunde des jüdischen Volkes in aufopferungsvoller Arbeit verdient hat. * Einige besonders interessante Stellen aus dem “Seventh Dominion” Wedgwoods werden unseren Lesern einen lebendigen Eindruck von dessen Persönlichkeit vermitteln. „Der Angelsachse wünscht mehr als irgendein anderer mit dem Juden zu sympathisieren und er würde gerne für die letzten 2000 Jahre (der Judenverfolgung und Unterdrückung. D. Red.) aufrechnen. Er würde es vorziehen, in gegenseitiger Achtung miteinander zu verkehren; er hat für den Juden eine Art von Zuneigung, die vielleicht ein bißchen von oben herab, aber auch ein wenig nervös ist — nervös wegen der geistigen Kraft der Juden. Engländer und Jude, beide sind Geldverleiher und unbeliebt; beide sind sie Wanderer unter fremden Völkern; beide sind sie Händler, und wenn wir oft auf diejenigen, mit denen wir handeln, herunterschauen, so tun wir nur, was auch die Juden tun. Auch wir finden im Alten Testament oder in der Thora die genügende Rechtfertigung für all das, was in unseren Beziehungen mit der Menschheit Rechtfertigung verlangt. Auch wir können über uns selbst lachen, so sicher sind wir, in Wirklichkeit das auserwählte Volk zu sein. Da wir all dies gemeinsam haben, ist es kein Zweifel, daß wir den Juden besser verstehen, als diejenigen, denen das Alte Testament noch nicht von Kindheit anvertraut ist. Der Fremde denkt, wenn er das Wort „Jude“ hört, an einen Auflauf in der Straße; uns bringt das Wort Salomon und Moses tausend Kindergeschichten in Erinnerung; so oft haben wir ihre Namen für unsere eigenen Kinder gebraucht, daß sie uns nun unsere Väter zu sein scheinen, besonders unsere puritanischen Vorfahren, an die wir nur gute Erinnerungen haben. Als meine Ahnen die Aristokraten bei Wigan Lane und bei Naseby niedermähten, waren sie bewaffnet mit den Namen Aaron und Abner und sie versammelten sich zum Waffengang, indem sie den Gott Israels in der Sprache der Propheten anriefen.“ * „Die gegenwärtige englische Generation hat (in bezug auf die Juden, D. Red.) mehr als die früheren gesehen, was Ärger einerseits und Sympathien anderseits erregen kann. Das kaiserliche Rußland sandte die schwarzen Hundertschaften aus, die die Pogrome veranstalteten und durch die russischen Ghetti streiften, jedes Alter und jedes Geschlecht im Namen Christi jchlagend. Das rote Rußland folgte, und die Juden starben Hungers; die weißen Armeen von Wrangel und Denikin schlugen Juden als Bolschewisten; und Petljuras Grüner Terror vervollständigte den Massenmord der Unbewaffneten. Die Völker, die den Krieg verloren hatten, fanden den Sündenbock in den Juden; die Völker, die ihn gewonnen, verbargen ihre Gewinne hinter dem pöbelhaften Schrei von den'jüdischen Kriegsgewinnlern. Antisemiten ermordeten Rathenau und Eisner in Deutschland und in Ungarn begruben sie, als eine spassige Angelegenheit, Juden lebendig. Diese Dinge sind uns so gegenwärtig, daß sie im Gedächtnis verbleiben und nicht so sehr Sympathie für die Juden erregen als Verachtung aller Nationen, in denen sie sich ereigneten. Allmählich werden solche Länder, wie Polen, Ungarn und Rumänien, für den englischen Geschmack unausstehlich; daß Professor Cusa und seine Rumänen es wagen, Juden zu verfolgen, beleidigt schließlich uns selbst. Palästina ist unter unserer Schutzherrschaft und alle, die gegen die Juden sind, sind gegen uns.“ * „Weil die Juden immer in der Lage der Rechtssuchenden waren, weil sie niemals selbst Recht gewähren konnten, so bitten sie wie die britische Arbeiterklasse zu viel und erwarten zu wenig. Ihnen fehlt das Vertrauen auf ihr Recht und auf sich selbst. Der Zionismus tut nun für die Juden, was die Labour Party für die britische Arbeiterklasse tun will. Er schafft Selbstvertrauen und körperliche Selbstachtung. Die Juden verbergen nun nicht länger mehr die Tatsache, daß es mit den Juden in Palästina vorwärts geht; daß sie dort Jugend und Kraft ihres Volkes beweisen. Dort geschehen Dinge, auf die man national stolz sein kann. Sie waren nicht sicher, daß sie es tun könnten, aber jetzt glauben sie, daß sie es besser tun können, als irgendein anderes Volk. Noch besser: sie sehen, daß andere Völker stolz auf ihre Bekanntschaft werden, daß sie ihre Augen reiben vor Verwunderung über den Juden hoch zu Roß und ihren Augen nicht trauen. Der Zionismus setzt alle Juden in den Sattel, obwohl die meisten von ihnen nicht hoffen, Zion zu sehen, und so macht er Männer aus den Juden; wo er einmal Wurzel gefaßt hat, werden Pogrome lächerlich und gefährlich. Ich unterschätze nicht den Stolz, der daraus entspringt, daß man einen nationalen Platz auf der Weltkarte hat, aber die Art, in dem ihre Leute diesen Platz ausfüllen, hat den Juden allgemeine Beachtung verschafft. Zuletzt lächeln die Völker dazu und sagen mit einer neuen Betonung: ,D i e s e Menschen sind Juden.4“ * „Die Veränderung in der Haltung (verschiedener Völker den Juden gegenüber. D. Red.) ist nicht allein der zionistischen Propaganda und dem Erfolg in Palästina zu verdanken; das Bündnis der Zionisten mit England hat den Menschen die Augen geöffnet. Großbritannien versuchte offenbar ,aus den Juden etwas herauszuschlagen4; in einer Welt der Realpolitik, so sagt man sich, geschieht nichts aus uneigennützigen Motiven. Man nimmt also an, daß wir versuchen, von ihnen irgendwelchen politischen, kommerziellen oder finanziellen Vorteil zu erhalten. Aber wenn es unsere Zeit wert ist, Freundschaft mit den Juden zu schließen, so muß für andere Völker das gleiche gelten. Schließlich ^3X C C X XX £ ^Darrten ^ofkurfcfxner (Segt. 15Z4 « ^.6ftoIung {Set. 20519 "^efiSertäffraße 14/15 m rei icEfler ^uöioaftl nnS rtacE ^2Raß

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