Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 41 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- Seite 652 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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652 Das Jüdische Echo Nr. 41 tion der Entfernung des Wandschirms beleidigt und geschlagen wurden, haben gegen die schuldigen Polizisten Klage bei Gericht eingereicht. Jüdische und moslemitische Straßenkundgebungen verboten Jerusalem, 3. Oktober. (JTA.) In Anbetracht der im Zusammenhang mit den Vorfällen an der Klagemauer am Jom Kippur herrschenden Stimmung hat die Regierung jede Art von Kundgebungen auf den Straßen verboten. Unter Hinweis auf dieses Verbot hat der Distrikts-Kommissar von Jerusalem, Major Keith Roach, das Ansuchen der der Agudas Jisroel nahestehenden orthodoxen Gemeindeorganisation, am Hoschanah Rabbah den traditionellen Umzug an der Tempelmauer unter Führung des greisen Rabbi Sonnenfeld abhalten zu dürfen, abschlägig beschieden. Der Distriktskommissar wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß er eben erst eine geplante moslemitische Straßenkundgebung verboten habe. Der Oberste Rat der Moslemiten besteht auf einer Status-quo-Erklärung der Regierung Jerusalem, 9. Oktober. (JTA.) Die Mitglieder des Obersten Rates der Moslemiten besuchten den stellvertretenden Oberkommissar für Palästina, Herrn H. C. Luke, und ersuchten ihn, eine Erklärung der Regierung zu veröffentlichen, wonach der Status quo an der Klagemauer gegenüber den jüdischen Ansprüchen gewahrt werden wird. In Jerusalem sind Abordnungen arabischer Gemeinschaften aus Palästina und Transjordanien ein- In stillen Stunden — fern dem Hasten des Alltags zaubern geübteHande aus schwingenden Tasten das Reich der Töne. Genußreiches Spiel auf tonschönen, in allen Lagen ausgeglichenen Instrumenten wollen wir den Musikfreunden vermitteln. Deshalb entsprechen auch unsere Zahlungsbedingungen für Flügel / Pianos Harmoniums führender Marken den heutigen Wirtschaftsverhältnissen. Wir bedienen Sie mit der Aufmerksamkeit, die dem Instrument, an dem Sie dauernd Freude haben sollen, zukommt. Pianohaus Hirsch am Sendlingcrtorplatz MÜNCHEN / Lindwurmstraße 1 Das Zelt im Haus erspart viel Kopfzerbrechen darüber, was man den Kindern zu lesen geben könnte Jeder Briefträger nimmt Bestellungen entgegen, ebenso der Verlag B. Heller, München, Herzog-Max-Straße 4 Vierteljährlich RM. 1.20 getroffen, die beim Obersten Rat der Moslemiten vorsprachen und ihn aufforderten, eine Status-quo- Erklärung der Regierung bezüglich der Klagemauer durchzusetzen. Interpellation im britischen Parlament London, 2. Oktober. (JTA.) Oberstleutnant Kenworthy, Mitglied des Unterhauses, hat eine Interpellation im Unterhaus über die Vorgänge an der Klagemauer am Jom Kippur angekündigt. Kenworthy teilte der JTA. mit, daß er dem Unterhause die skandalöse Behandlung der betenden Juden durch die Jerusalemer Polizei schildern und fordern wird, daß Maßnahmen getroffen werden, die eine Wiederholung solcher Vorkommnisse ausschließen. Sensationelle Ritualmordaffäre in Hmerika Neuyork, 3. Oktober. (JTA.) Das 5000 Einwohner zählende Städtchen Massena im Staate Neuyork, das am St.-Lewrence-Fluß in der Nähe der kanadischen Grenze liegt, war in diesen Tagen der Schauplatz eines Ritualmord-Tumultes, wie er bisher nur in rückschrittlichen Gegenden Osteuropas möglich war. Zwei Tage vor Jom Kippur war das vierjährige christliche Mädchen Barbara Griffitli aus Massena verschwunden. Sofort verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden das Kind geraubt haben, um an ihm einen Ritualmord zu begehen. Die neunzehn jüdischen Familien der Stadt verlebten zwei Tage in Schrecken, ihr Leben war bedroht. Der Bürgermeister und die Polizei von Massena gaben dem Gerüchte noch Nahrung, als sie den Rabbiner des Ortes ins Polizeiamt luden und ihn befragten, ob es wahr sei, daß Juden in Europa Menschenopfer für ihre heiligen Feste brauchen. Der Rabbiner protestierte voller Entrüstung gegen die Stellung einer solchen Frage. Am nächsten Tage wurde das vermißte Kind im Walde in der Nähe der Stadt gefunden; es sagte aus, daß es sich verirrt habe und dann eingeschlafen sei. Der Bürgermeister und der Polizeikorporal haben sich bei der jüdischen Gemeinde von Massena entschuldigt, die Gemeinde weigerte sich aber die Entschuldigung entgegenzunehmen. Sie übergab die Angelegenheit zur weiteren Verfolgung Herrn Louis Marshall, dem Präsidenten des American Jewish Committee. Louis Marshall sandte ein Schreiben an den Bürgermeister von Massena und forderte ihn nuf, sich in aller Öffentlichkeit wegen der Beleidigung und Kränkung der jüdischen Einwohner seiner Stadt zu entschuldigen oder zurückzutreten. Sollte er weder das eine noch das andere tun, so werde er, Marshall, heim Neuyorker Obersten Gerichte beantragen, gegen den Bürgermeister ein Verfahren mit dem Ziele seiner Amtsenthebung zu beantragen.