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Das jüdische Echo · 1928-10-12 · 41 (12.10.1928) · p. Seite 651

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
41 (12.10.1928)
Date
1928-10-12
Page
Seite 651 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 651 Um die Klagemauer Die historischen und rechtlichen Verhältnisse an der Klagemauer Berlin, 3. Oktober. (JTA.) In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur äußerte sich der auf der Durchreise in Berlin weilende Vize-Bürgermeister von Jerusalem und Präsident des Waad Leumi, Professor David Yellin, über die historischen und rechtlichen Verhältnisse an der westlichen Tempelmauer (Klagemauer) von Jerusalem. Professor Yellin begann mit dem Hinweis auf die biblische Erzählung, daß an dem Salomonischen Tempel 150 000 Juden gearbeitet haben. Auch der Tempel des Herodes war jüdisches Werk. Die westliche Tempelmauer bildet den Rest der jüdischen Denkmäler in Palästina. Sogar zur Zeit des Königs Hadrian, der den Heidendienst einführte, war es den Juden erlaubt, einmal im Jahre bei der Tempelmauer zu weilen, zu beten und zu klagen. Seit Jahrtausenden also haben die Juden dieses Recht auf das einzige authentische Monument aus der Zeit ihrer nationalen Staatlichkeit. Professor Yellin erinnerte an das Talmudwort: „Meolam lo sasa ha’schechina mi kothel hamaarawi“ (seit Ewigkeiten entfernte sich die Schechina nicht von der Westmauer). Vor ungefähr 40 Jahren, als der Platz vor der Tempelmauer, der auch als Straße dient (verbriefte Grundbesitzrechte auf den Platz haben die Muselmanen nicht), in einem sehr desolaten Zustande war, haben allein die Juden den Platz neu gepflastert: aus eigenen Mitteln und durch eigene Arbeit. Kein Muselman hatte damals etwas dagegen einzuwenden. Ich als geborener Palästiner (schon die Eltern Yellins waren in Jerusalem geboren). erinnere mich sehr genau an diese Tatsache. Dann kam eine Zeit, wo die in schmutzigen Ruinen vor der Klagemauer hausenden Araber geneigt waren, ihren ganzen Grundbesitz zu verkaufen. Da aber der Boden Wakf-Boden (der moslemitischen Kirche gehörig) ist, konnte ein Besitzwechsel nur im Wege eines Boden-Austausches geschehen. Die moslemitischen Anwohner hätten neuen Boden und neue Häuser für ihre alten Ruinen erhalten. Als Baron Edmund de Rothschild zum ersten Male in Jerusalem weilte, nahmen diese Verhandlungen einen günstigen Verlauf: aber unabhängig von den Moslemiten hatten sie sich später zerschlagen. Seit sich nun der übrigens erst seit sechs Jahren existierende Moslem Supreme Council in die Sache einmischte, wird die Lage kompliziert. Jeder kleinste Renovierungsversuch seitens der Juden wird gestört. Die Stühle, die sich die alten Leute mitbrachten, um in den Gebetspausen auszuruhen, mußten entfernt werden, obwohl das Benutzen der Stühle von altersher Brauch war, wie dies auf alten Bildern und Photographien zu sehen ist. Professor Yellin fuhr fort: Die Christen haben ihre Grabeskirche, die Mohammedaner ihr religiöses Heiligtum, die Juden haben nur ihre Klagemauer, vor der sie beten. Dieses Heiligtum wird umgrenzt von schmutzigen alten Häusern, man ^^pernausbildung AlineSanden I Kammersängerin ■ an der Münchener Staatsoper | Ausbildung bis zur Bühnenreife Für verbildete Stimmen besonderen Privatunterricht Anmeldung, Prospekt, Gernerstraße 15 München, Fernsprecher Nr. 63 7 00 kommt dahin durch enge, schmutzige Gassen, durch die die Mohammedaner, um zu schikanieren, gerade in der Gebet- und Besuchszeit Esel mit schmutzigen Lasten traben lassen. Die Hygiene- Verhältnisse sind furchtbar. Welchen Eindruck muß der Tourist gewinnen, der das jüdische Denkmal sehen will. Durch einen Austausch der umliegenden Ruinen gegen bessere Wohnhäuser würden die Mohammedaner gewinnen, die baufälligen Häuser der Umgegend der Mauer würden abgetragen werden, so daß der Platz der ganzen Welt offen bleiben würde. Schon König Salomo erwähnte, daß der Tempel allen Völkern der Welt offen stehen soll. Es ist nicht nur Sache der Juden, schloß Professor Yellin, sondern die der ganzen zivilisierten Welt, die einen Sinn für Monumente von Religion und Geschichte hat, daß diesen skandalösen Zuständen ein Ende gemacht wird. Als es hieß, daß der alte jüdische Friedhof in Prag der städtischen Assanierung zum Opfer fallen soll, da hat der internationale Verein zur Erhaltung historischer Denkmäler protestiert; wäre es nicht am Platze, daß auch hier die internationalen Kreise, die ein Interesse an Monumenten der Geschichte haben, eingreifen? Entfernung des Oraun Kaudesch vor der Klagemauer Jerusalem, 2. Oktober. (JTA.) Die Palästina-Regierung hat auf Grund eines ihr von dem Mufti von Jerusalem im Namen des Moslemitischen Obersten Rates überreichten Protestes die Entfernung der Thoralade (Oraun Kaudesch), der vor der westlichen Tempelmauer stand, angeordnet. Es verlautet, daß sich die Regierung vor der Entfernung des Oraun Kaudesch mit Colonel Kisch, dem Leiter der palästinischen Zionistischen Exekutive, ins Benehmen gesetzt hat. Während des Gottesdienstes an der Klagemauer am 30. September haben die Araber die jüdischen Andächtigen mit Steinen beworfen. Zwei Araber wurden von der Polizei verhaftet. Gerichtliches Nachspiel der Vorfälle an der Klagemauer Jerusalem, 4. Oktober. (JTA.) Die Vorkommnisse an der Klagemauer zu Jerusalem am Versöhnungstage werden ein gerichtliches Nachspiel haben. Zwei Frauen, eine von ihnen ist Amerikanerin, die beide von der Polizei bei der Ak- PACKARD 6 und 8 Zylinder in Linie wesentlich niedrigere Preise bei gleicher Qualitäts-Berühmtheit Generalvertreter: GEBR. BEISSBARTH / KOHLSTR. 2 beim DeutschenIMuseum

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