Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 41 (12.10.1928)
- Date
- 1928-10-12
- Page
- Seite 649 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 649 daß seine eigenen Vorfahren noch vor 100 oder 150 Jahren so behandelt, so verachtet wurden, und seine deutsch-jüdischen Zeitgenossen von bestimmten Kreisen nicht weniger — wie er diese „trüben Elemente“, diese „losgelassenen polnischen und russichen Juden“ verachtet; er sollte wissen, daß keine „Scharen“ von Ostjuden nach Deutschland eingewandert sind und es ist unverzeihlich, daß ihm die Kultur dieser „Halbbarbaren“ unbekannt ist. Uber diesen Gegenstand wäre wohl noch vieles zu sagen; wir wollen jedoch uns und Wassermann die Schande ersparen, weitere Kommentare dazu zu geben und möchten nur hoffen, daß er bald Gelegenheit nehmen wird, sich über diese „Halbbarbaren“, von denen er sich so verachtungsvoll wegwendet, zu unterrichten — vielleicht wird er dabei eine große innere Verwandtschaft mit ihnen und ihrem Geschick entdecken und möglicherweise die Revisionsbedürftigkeit seiner jüdischen Anschauungen in ihrem ganzen Ausmaß kennen lernen. I. E. Jüdische Emigranten in Argentinien Von Dr. M. K r e i n i n Der Autor hat Südamerika zwecks Studium der Einwanderungsmöglichkeiten für Juden bereist. Aus seinem umfassenden Referat sind hier Bemerkungen über die jüdischen Emigranten in Argentinien sowie ein Resümee des in Buenos Aires abgehaltenen Emigrationskongresses veröffentlicht. (Red.) Argentinien sowie alle anderen Länder Südamerikas gehören zu den Staaten, deren Entwicklung in der Zukunft liegt. Augenblicklich ist Argentinien ein überwiegend agrarisches Land; die Industrie befindet sich in ihren Anfängen. Die Bevölkerung Argentiniens zählte im Jahre 1927 10 087 118 Einwohner, die Bevölkerungsdichte betrug somit 3,5 Einwohner pro Quadratkilometer (in Deutschland 126, in England 192, in Belgien 252). Der natürliche Zuwachs der Bevölkerung beträgt 18,1 Prozent, die Sterblichkeit 15 Prozent. Es wurde von verschiedenen Autoritäten errechnet, daß Argentinien Platz für 150 Millionen bietet. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Argentinien wird auf 200 000 geschätzt, wovon etwa 100 000 in Buneos Aires leben. 5744 Familien, insgesamt 33 084 Personen, bewohnten im Januar 1928 die jüdischen Kolonien und die sie umgebenden Kleinstädte. Als Kolonisten sind 19 732 beschäftigt und 13 352 waren in den Kolonien als Handwerker, Lohnarbeiter, Lehrer, Angestellte in den Genossenschaften und Kreditkassen tätig. Der Rest wohnte in den übrigen Provinzen Argenti¬ Deatsche Neu Wäscherei in. h. ML. FELIX BRANDNJBR * MtÄiCHEX Thierschstraße 21 Telefon Nr. 2370b Spezial-Dampfwaschanstalt für Herren-Plättwäsche nur Kragen, Manschetten, Vorhemden und Oberhemden. Lieferzeit ca. 8Tage niens. (Rosario: etwa 5000 Personen; Santa Fe: etwa 500 Familien; Cordoba, Concordia usw. je einige Hundert Familien.) In den Jahren 1901 bis 1925 sind 3 576 739 Personen nach Argentinien eingewandert. Ausgewandert sind in derselben Zeit 1 818 136 Personen. Im Lande blieben zurück 1 758 603. Mit anderen Worten sind nur 41,7 Prozent der Einwanderer im Lande geblieben. Die übergroße Zahl der Rückwanderer ist auf die Saisonwandererung der Italiener und Spanier zurückzuführen. Diese zeitweilige Zuwanderung ist im steten Fallen begriffen, hauptsächlich infolge der Einführung von modernen Maschinen in der Landwirtschaft, die es erlauben, während der Erntezeit eine größere Zahl von Saisonarbeitern zu entbehren. Was die jüdische Einwanderung betrifft, so kann man mehr oder weniger zuverlässige Zahlen erst seit 1920 feststellen, wo in der offiziellen Statistik die Einteilung nach Religionen eingeführt wurde. Allerdings dürfte die Zahl der eingewanderten Juden höher als die statistisch nachweisbare sein, da schon die Durchsicht der Namen unter der Rubrik “Konfessionslose“ auffallend viel jüdische Namen enthält. Es sind in den Jahren 1920 bis 1927 54 848 Juden nach Argentinien eingewandert, und die höchste Zahl dürfte im Jahre 1923 mit 13 700 jüdischen Einwanderern erreicht worden sein. Von 1923 bis 1927 betrug der jährliche Durchschnitt etwa 7000 jüdische Einwanderer, im letzten Jahre sind nur 5584 eingewandert, von denen ätis Polen allein 3742 kamen. Nach den Zahlen der letzten Monate des laufenden Jahres zu urteilen, dürfte die jüdische Einwanderung im Jahre 1928 jedenfalls nicht unter der vorjährigen stehen. Diese Zahl von 5 bis 6000 jüdischen Einwanderern jährlich muß allerdings für Argentinien als sehr niedrig bezeichnet werden. Über die Ursachen dieser Verminderung der jüdischen Einwanderung der letzten Jahre herrschen in Argentinien verschiedene Ansichten, die sich aber zum größten Teil als nicht gerechtfertigt erwiesen haben. So z. B. ist in den jüdischen Kreisen das Schlagwort „Krise“ populär. Man muß aber diesen Begriff, wenn er auf Argentinien angewandt werden soll, relativ nehmen, denn es besteht zwar eine gewisse Depression in der landwirtschaftlichen Produktion, hauptsächlich deswegen, weil Deutschland immer weniger landwirtschaftliche Produkte aus Argentinien einführt, und man ist Der neue AUSTRO-DAIMLER 6Cylinder,12/70PS Eine umwälzende Neukonstruktion Hirschbold K o m m. - G e s. Fernruf 51355 MÜNCHEN Sonnenstr. 19