Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- 40 (5.10.1928)
- Date
- 1928-10-05
- Page
- Seite 641 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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641 abzugeben. Die a*te einen Pro. ng der Visums- I var Reb Awreh-; ihn, als er Wei- & Seine Augen ] auf den Lippen; bmel, als er in * Schul“, Seine; ■ind sie redeten ater und Mutter.; as älteste Töch- ' öpf, besorgte die ■ aziös, hatte eir; ließ Täubel. Er d“ und segnete ndruck, daß dk ' mn zu beten. Er rror sich hin irr: d-sehnsuchtsv> ler Leuchter nden Armen, r: elber „Licht le runde Küy.;n in rosenrot; m ein Erbst...- mderrabbi wo n großmächtt;; ockert, über; \ nerte im ma: auer, in der: spenstisch. AL ind die von nmlisch-präcl.; , erschienen; wundersame Messing'Abg.. :hleifen in eir. s Licht vor. der.; Rosapapief L I nder. weilv - etterwänden der Kinder" gesprengelt. :on den FL" >iner Wand; . Arbash-M; ir voll Ml ' ifte hüpfte:: L Verschling;- en vom >•••; waren . 5oldschinnnerchwachen a’;' - jauchzen: lade zu? am, ^ac'j'v;id! . i Füßen n: Nr. 40 Das Jüdische Echo B’muti minoch Awrohom Uschpiso iloi — ich flehe dich, Abraham, hoher Gast! Zu mir, in meine arme Hütte, komme du, mein Fürst! Meine Gebete sollen dich aus den Tiefen heraufbringen. Braawo d’rawin — in glühender Andacht erhebe ich meine Hände zu dir, mein Patriarch! Und der Patriarch erscheint in gedämpftem, bräunlichem Goldton, wie ein König. — Er ronn hinein wie Tau und Duft durch das Laubnetz. Das Gebet wogt in sanftem Rhythmus: B’muti minoch, Itzchok! B’muti minoch Itzchok! Ich lade dich ein, Isaak, du milder Erzvater! Nun taucht ein liebliches Bild nach dem anderen aus dem Verborgenen heraus. Sie blühen aus der Seele des Hellsehers; sie schwirren in dem geweihten Laubwerk, und jedes Staubfädchen, jedes Blättchen, jedes Zäckchen am Blatt malt zitternde Ahnengestalten aus Alt-Kanaan im Holzhüttchen, dort im Winkel, im Hofe des Reb Kiwa Cohn in P. B’muti minoch, Jaakow — ich flehe dich an, Jakob! Reb Awrehmel stößt etwas wie einen Notschrei aus der schwachen Brust, ein Notschrei an den schwergeprüften, leidensvollen Wanderer ... Leidensvater! Und du, Joseph! — Er vertieft sich in Gedanken. Jessod Hazadik. Du bist — sagt der Sohar — Jessod Tzedek — Element der Gerechtigkeit! Ich empfange dich mit Begeisterung in der Seele. Du erscheinst in funkelnder Morgenröte — Nogah bist Du. Du schwebst über mir, wie ein Adler in der Luft, wie ein Adler über das Nest wachend. Steige zu mir herab! Ich klammere mich an dich, f bildweikoth, zudringlich. Du fliehst? Ich verfolge | den Fliehenden! Ob ich ihn einhole? B’chinat d’is-; kasiv ist er? Versunken in der Weltensphäre? ■ Heraus aus dem Versteck! Heraus aus dem verkrochenen Höhenversteck und werde Disgalis! 1 Werde klar, Geist der Gerechtigkeit. Reb Awrehmels Blicke schweifen in der Sukkah \ umher. Seine Augen verlieren sich in etwas Wei- . tem, Leerem, Unbestimmbarem. Uschpisi iloi, Uschpisi iloi! Wunderbare Geistererscheinungen 1 schwirren wie Singvögel um ihn her, Träume und , Bilder. In Hütten sitzen wir, im Midbor, im Gox luth — geknechtet, geschunden, gemartert, gefes- *; seit... Aber sind wir in Goluth? Erzväter, ihr seid mit uns, hier an diesem Tisch. Und er taucht ganz in dem tiefen, heiligen Uschpisi-Mysterium : unter. Da ist David ben Jschai! Das Lied jauchzt,! die Sukkah wird von Halleluja-Rufen durchklun- \ gen. Lichte Vögel singen hell, jubilierend, Israels t König d’jaswo imi, daß du dich setzest neben mir! Schwindsuchtsflammen brennen in purpurnen 1 Flecken auf dem eingefallenen, bleichen Gesichte. Uschpisi iloi, Prinzen sind wir, palmenbekränzt, - myrtenumschlungen. Es wogt von Ahnenbildern, sie fluten, sie schimmern: Nctzar Ewigkeit und Hod (Pracht) und Zedek — Gerechtigkeit, wie der Sohar sagt — ihr seid um uns.; Mattes, bläuliches Mondlicht schimmert durch i das Dach-Laubnetz. Man kann die ganze Mauer; sehen. Mit einemmal knistert das Laub heftig. Ein i ' Stein ist von dem benachbarten Mauerfenster ge- ’’ | rade auf Reb Awrehmels Kopf geschleudert worj den. Er war schwarz und schwer und kantig. — | Der Schusterjunge von der Nachbarschaft hat gut [ gezielt— auf den verdammten Zyd. ‘ Reb Awrehmel reibt mit der Hand die schmer- \ zende Stelle. Die Hand ist ganz von Blut gerötet. \ ' Die Kinder beginnen entsetzlich zu schreien. So viel zahlen müssen Sie zum neuen Quartal — legen Sie doch ruhig noch RM. 1.20 für das „Zelt“ zu, das sich Ihre Kinder so sehnlich wünschen. Dieser Betrag ist gewiß erschwinglich — für ein Quartal, für eine dreimalige große Freude. „Der role General“ Zur Berliner Uraufführung des Dramas von Hermann Ungar Ein Ereignis, das uns Juden angeht: Barnowsky, der jüdische Leiter des Theaters in der Königgrätzer Straße, führt ein Stück des jüdischen Autors, Hermann! Ungar, auf (der bisher nur als Novellist seinen Ruf begründete) und läßt den Helden des. Dramas von einem jüdischen Schauspieler, Fritz Kortner, spielen. Die russische Revolution ist die „Kulisse“. Der Jude Podkamienski wird zum Generalissimus gewählt. Sein Schicksal teilt er mit Trotzki und Rathenau (wiewohl Ungar in einer Programmnotiz sich dagegen verwahrt: sie seien wohl Anregung, aber nicht Vorbild gewesen). Wie er weichen muß? Ein Bauer, Brutzkin, Divisionskommandeur, veranstaltet einen Pogrom, bei dem er auch den alten Mendel Frischmann, Podkamienkis Vater, „hargenen“ läßt. Das Gericht der Volkskommissare aber hebt diesen Mörder auf den Schild, weil die Masse ihn als Sieger sehen muß, während man den Juden, den Kopf der Roten Armee, fallen läßt. Ein zaristischer Offizier, dem Podkamienski das Leben gerettet hat, knallt ihn, gerad’ im Moment der Abreise, nieder. Das ist der Rahmen, in dem sich das Schicksal des jüdischen Revolutionsführers vollzieht. Der Jude, ganz „seiner Sache“ hingegeben, findet in den Anhängern dieser Sache eine Welt von Feinden. Er gelangt an die Spitze, weil in ihm die Idee der Revolution am reinsten, abstraktesten sich verkörpert, weil durch diese Reinheit unbeschwert ihm die erforderliche Tatkraft immanent ist. Er geht unter, muß untergehen, weil diese Abstraktion, dieser Idealismus absolutester Prägung bei den Menschen seiner Umgebung auf Ablehnung und Feindschaft stößt; denn bei ihnen ist die Idee keine Gehirnsache, sondern an Instinkt und Blut gebunden. Sie überlassen dem Juden die Führung, solange es unumgänglich notwendig ist. Er glaubt, Führer zu sein, ist aber nur das Instrument. Und als Instrument wird er verworfen, sobald sein Mittun entbehrlich ist. Es ist das Schicksal Trotzkis, das Schicksal Rathenaus, das Schicksal aller Juden, die ihre Ideale in den Dienst einer Welt stellen und stellten, die ihnen zumindest fremd gegenübersteht. Ein Schicksal, das nichts Neues ist: Judenschicksal. Was Ungar sehr fein erfüllt hat, ist aber, daß dieses Schicksal wirklich schicksalshaft, unausbleiblich sich erfüllen muß; daß diese Tragik ohne Schuld auf beiden Seiten zwangsweise abläuft. Das Miteinander im Leben löst automatisch das Gegeneinander aus, es ist ein Kampf, der ausgebrochen ist, noch ehe er anfängt. Ungar muß es sich gefallen lassen, von der europäischen Kritik (in Berlin zum Teil von Juden besorgt) als simpler Dramatiker betrachtet zu werden, da er sein Schauspiel auf einer europäischen Bühne spielen läßt Diese Kritik hat