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Das jüdische Echo · 1928-10-05 · 40 (5.10.1928) · p. Seite 635

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
40 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
Seite 635 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 635 General Motors Automobile LORIN/ER & CO NymphenburgerStraße128/Telephon 61836 Chevrolet Oakland La Salle 1. Soll der bisher in jüdischen Dingen Uninformierte die Grundlagen seiner jüdischen Bildung in einem systematischen Aufbau vermittelt erhalten. Übersichts- und Einführungskurse, die aber durchaus aus dem Vollen schöpfen sollen, sind hierfür vorgesehen. Neben dem jüdischen Bildungsgrad soll natürlich auch die Altersstufe der Lernenden bei der Art der Wissensvermittlung berücksichtigt werden. 2. Soll der bereits in seiner jüdischen Bildung Fortgeschrittene in besonderen Arbeitsgemeinschaften sein Wissen vertiefen können. In diesen soll die Möglichkeit gegeben werden, immer tiefer in die Dinge einzudringen und sie sich im einzelnen nahezubringen. 3. Auch der ausgezeichnet jüdisch Gebildete soll Veranstaltungen der Schule mit Gewinn in Anspruch nehmen können. Das Hineinwachsen solcher Menschen in das Leben der Schule wird diese nach der sachlichen Seite hin entscheidend bereichern und die Kontinuierlichkeit sichern. Das wesentliche Charakteristikum dieser von der Jugend selbst getragenen Schule soll aber in der Art liegen, wie in allen Stufen und Gruppen das Wissen vermittelt wird. Es soll weder schulmäßig noch akademisch-wisenschaftlich unterrichtet werden, sondern alles, was gelehrt und gelernt wird, soll eine von der Persönlichkeit des „Lehrers“ ausstrahlende und die jüdisch-menschliche Haltung des „Schülers“ tief beeinflussende Wirkung haben. Hierin wird der wesentlichste Unterschied der Schule gegenüber den bereits existierenden kulturellen Institutionen aller Art liegen. Es ist klar, daß zur Verwirklichung dieses Gedankens ein eigentümlicher Typ des Lehrers erforderlich ist. Er muß zur Jugend lebendige Beziehungen haben und sie verstehen können. Auch sein Wissensgebiet, das er natürlich beherschen muß, darf ihm nicht nur Stoff sein, sondern muß ihm eine lebendige Aufgabe bedeuten. Sowohl in der JugencD bewegung gibt es Menschen, die dieser Aufgabe gewachsen sind, wie auch in der älteren Generation jüdischer Gelehrter sich eine ganze Anzahl solcher Lehrer finden. Zur Befestigung des Kontaktes zwischen Lehrern und Schülerschaft dienen noch verschiedene Einrichtungen: Einmal soll grundsätzlich keine Lehrstunde stattfinden, an die sich nicht ein lebendiges Gespräch anknüpft. Ferner soll wöchentlich ein freier Ausspracheabend für alle Glieder der Schule gemeinsam abgehalten werden, der teils die Funktionen einer Schulgemeinde erfüllt, teils der Aussprache über solche Probleme dient, die im Zusammenhänge mit dem inneren Leben der Schule oder Ereignissen, in der jüdischen Welt stehen. Schließlich , soll eine regelmäßige Sprechstunde seitens eines im Heim der Schule wohnenden Dozenten eingerichtet werden, in der jeder Teilnehmer der Schule einzeln beraten werden kann. Durch die räumliche Verbindung mit einem allgemeinen jüdischen Jugendheim soll die Schaffung eines lebendigen Zentrums jüdischen Jugendlebens erreicht werden. Prinzipiell sollen alle jüdischen Fragen in der Schule behandelt werden können. Man will sich hierin ganz nach den Wünschen der jugendlichen Schülerschaft richten. Von der Schule selbst aus soll indessen stets ein Minimum geboten werden, um dem Anfänger eine Grundlage jüdischen Wissens zu geben. Aus diesem Grunde sollen folgende „Fächer“ von der Schule aus unter allen Umständen berücksichtigt werden: Hebräisch, jüdische Geschichte, Bibel, Talmud und Midrasch, jüdische Musik, Literatur, Philosophie und Gesellschaftsleben. -Man hat bereits für die einzelnen Gebiete geeignete Lehrkräfte gewonnen und will im ersten Unterrichtsabschnitt, der vom 15. Oktober bis etwa 20. Dezember dauern wird, Einführungskurse, sowie daneben speziellere Arbeitsgemeinschaften einrichten. Ein wesentliches Prinzip hierbei ist, daß man es vermeidet, allzulang fortlaufende Kurse durchzuführen und lieber in einem kurzen Zeitraum ein kleineres abgeschlossenes Gebiet vermittelt. Die Möglichkeiten dieser Schule sind sicherlich ganz bedeutende. Einmal kann hier eine breite jugendliche Masse — man hofft auf viele Hunderte von Schülern — wirklich einen Weg zum Judentum finden, und dann ist hier auch ein Punkt vorhanden, an welchem die Jugend aller Richtungen gemeinsam arbeitet und lebt und wo es wiederum zu einer ernsthaften Aussprache zwischen der Jugend kommen kann, ohne daß die Parteileidenschaften diese von vornherein unmöglich machen. So kann die Schule, die von der Begeisterung der gesamten Jugend getragen wird, ein wichtiger Faktor für die zukünftige Entwicklung des deutschen Judentums werden und ihren Teil dazu beitragen, daß auf gemeinsamer jüdischer Arbeit ein neuer Geist jüdischen Gemeinschaftslebens sich für die Zukunft vorbereitet. K. L. Neue antisemitische Ausschreitungen Hitler-Leute überfallen die Synagoge in Essen Berlin, 1. Oktober. (JTA.) Aus Essen wird gemeldet: In den letzten Wochen ist im rheinisch-westfälischen Industriegebiet eine erhöhte Aktivität in der antisemitischen Bewegung, festzustellen. Kurz vor den letzten jüdischen Feiertagen ist es an verschiedenen Orten des Ruhrbezirks im Anschluß an Hitlerversammlungen zu antisemitischen Kundgebungen gekommen. Am Vorabend des Versöhnungsfestes wurden in der Essener Synagoge, dem künstlerisch wertvollsten Synagogenbau im Reich, mehrere kostbare Fenster durch bisher unerkannt gebliebene Täter zertrümmert. Am* Vorabend des Laubhüttenfestes zog nach einer Hitlerversammlung im evangelischen Vereinshaus, bei der der Nationalsozialist Wagner (Bochum) sprach, eine Gruppe von jungen Leuten durch die Steelerstraße in Essen zur Synagoge, wo Lärm verursacht wurde. Hierbei wurden wiederum Fenster mit wertvollen Glasmalereien im Parterre der Essener Synagoge zerschlagen. Einzelne- Fenster wurden eingetreten, die starke Bleiverglasung wurde zerbogen. Auch diesmal gelang es der Polizei, die diese Truppe im Kraftwagen verfolgte, nicht, die Täter zu fas- ♦

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