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Das jüdische Echo · 1928-10-05 · 40 (5.10.1928) · p. Seite 632

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
40 (5.10.1928)
Date
1928-10-05
Page
Seite 632 (sequence 4)
Language
German
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632 Das Jüdische Echo Nr. 40 dies allein rechtfertige die gewaltsame Entfernung der Schirmwand. Die gesamte jüdische Presse Palästinas fordert einmütig die Auslösung der Klagemauer und des Platzes vor derselben seitens der Juden. Die Zeitung „Doar Hayom“ erinnert an die Erklärung des ehemaligen Gouverneurs von Jerusalem, Sir RonalcT^torrs, daß vor einigen Jahren die Möglichkeit bestand, Klagemauer und Platz um einen Preis von 70 000 Pfund loszukaufen. Die Zionistische Exekutive fordert abermals vom Völkerbund eine radikale Lösung des Problems der Klagemauer London, 27. September. (JTA.) Das Hauptbüro der Zionistischen Weltorganisation in London hat soeben von der palästinischen Zionistischen Exekutive eine Kundgebung betreffend die Vorgänge an der westlichen Tempelmauer (Klagemauer) in Jerusalem am Jom Kippur erhalten, die besagt: Es muß unser Bestreben sein, zu erreichen, daß der Völkerbund eine radikale Lösung des Problems der Klagemauer in einer Weise vornimmt, daß eine Wiederholung der Zwischenfälle an der Klagemauer in jeder Form unmöglich sein soll. In der Kundgebung der palästinischen Exekutive wird dringend gefordert, daß die Pro-Palästina- Komitees in allen Ländern, sowie die zionistischen Landesverbände nachdrücklichst protestieren: erstens gegen die moslemitische Intoleranz, die aus einem läppischen Anlaß eine Störung des heiligsten religiösen Festes an der heiligsten Stätte der Judenheit verursacht hat; zweitens gegen die ganz und gar ungerechtfertigte Aktion der britischen Behörden, die aus purer Nachgiebigkeit gegenüber den moslemitischen Wünschen und ohne sich zuvor mit irgendeiner verantwortlichen jüdischen Behörde in Verbindung gesetzt zu haben, in so unangemessener Weise eingegriffen hat, um einen Status quo zu erhalten. Oberst F. H. Kisch, der Leiter der palästinischen Zionistischen Exekutive, heißt es in der Mitteilung weiter, habe mündlich bei dem die Regierung repräsentierenden Beamten protestiert, der in seiner Erwiderung betont hat, daß die Tatsache, daß die Scheidewand eine Neuerung darstelt (obwohl sie bereits zu Rausch Haschono aufgestellt worden war), unter keinen Umständen ein gewaltsames Eingreifen und eine Störung der Jom Kippur-Andacht an dieser heiligsten Stätte der Juden gerechtfertigt hat. Die Frage, ob es den Juden erlaubt werden könne, eine Schirmwand aufzustellen, hätte bis nach dem Festtag verschoben werden müssen. Übrigens haben die betenden Juden keinen physischen Widerstand gegen die Entfernung der Wand geleistet, sondern nur gegen die Maßnahme protestiert. Menschen seien dabei auch nicht zu Schaden gekommen. Ungeachtet dessen, schließt Kisch die Erklärung der palästinischen Exekutive, sind wir der Ansicht, daß die Maßnahme der Behörde und der Grund, weswegen sie getroffen wurde, den schärfsten Protest herausfordert. Ein Kommunique der Palästinaregierung Jerusalem, 27. September. (JTA.) In einem offiziellen Kommunique wird erklärt, daß die Entfernung der Schirmwand vor der Klagemauer auf Grund eines Protestes des Moslemitischen Obersten Rates, der sich darauf berief, daß das Anbringen von Gegenständen vor der Klagemauer den bestehenden Verträgen und Besitzverhältnissen widerspräche, von der Regierung angeordnet worden ist, daß aber über die vorgekommenen Zwischenfälle bei der Entfernung der Wand bedauert werden. Antijüdische Exzesse in Deutschland und Palästina Pogrome in Deutschland? — Wer etwa glauben möchte, diese Bezeichnung sei übertrieben und entstamme lediglich dem Sensationsbedürfnis eines leichtfertigen Journalisten, der nehme sich die Mühe und lese einmal die Nachrichten über die antisemitischen Ausschreitungen nach, die allein während der letzten 14 Tage veröffentlicht wurden. Judenprügeleien in Bremen, die sich während langer Wochen regelmäßig jeden Mittwoch abspielen und nur dadurch bekannt werden, daß einmal der jüdisch aussehende brasilianische Konsul Schläge abbekommt, Exzesse in Hannover, der Überfall in Oppenheim, wo überall die Polizei nicht imstande war (oder wollte sie am Ende nicht?), die friedfertigen jüdischen Bürger zu schützen, die andauernden Friedhofschändungen, die zweifellos das traurigsten Charakteristikum der deutschen Zustände, im besonderen der deutschen Jugenderziehung bilden und denen bisher die Polizei ebenfalls keinen Riegel vorschieben konnte — all das zusammengenommen ergibt den Eindruck, daß der Jude heute in Deutschland, wenn er durch den national-sozialistischen Mob angegriffen wird, auf wirksamen Schutz durch die Behörden nicht rechnen kann; auch nicht auf die entsprechende Verfolgung der Täter, geschweige denn auf eine exemplarische Bestrafung, wenn schon einmal einer dieser üblen Gesellen gefaßt werden kann. Es ist beschämend zu sehen, wie die deutsche Öffentlichkeit sich gegenüber diesen Tatsachen verhält — Männer, wie Walter von Molo und Herbert Eulenberg, die aus eigenem Antrieb gegen diese Scheußlichkeiten protestieren, bilden Ausnahmen, die große Presse berichtet noch darüber mit dürren Worten, die Provinzpresse schweigt (man denke nur an die Münchener!) und die „national“ eingestellten Blätter jeden Kalibers können ein hämisches und schadenfrohes Grinsen nicht unterdrücken. Die Begriffe von Recht und Gerechtigkeit haben sich in einer Art und Weise verschoben, die auch bei abgebrühten Menschen Staunen hervorrufen muß. Wenn etwa die „Kreuzzeitung“, das vornehmste konservative Blatt bei dem Bericht über die Ereignisse in Bremen, wo, wie mitgeteilt, auch der brasilianische Konsul von den national-sozialistischen Jungmannen verprügelt wurde, klagt, daß hier ein „bedauerlicher Mißgriff“ geschehen sei — Juden also zu ver- Victoria-Motorräder 350 bis 600 ccm Prospekte und Verkauf durch die Vertretung Josef Mayr, München Thalkirchner Str. 66/70 Tel. 551 36 und 575 93

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