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Das jüdische Echo · 1928-09-28 · 39 (28.9.1928) · p. Seite 620

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
15 (1928)
Issue
39 (28.9.1928)
Date
1928-09-28
Page
Seite 620 (sequence 8)
Language
German
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620 Das Jüdische Echo Nr. 39 Vom Gut erholt durch herrliche Ruhe, gebräunt von der Sonne, gesundet am heilsamen Quell? Ja, und nun? Uobedingte Fortsetzung ihrer Kor zu Hanse! Vorheogooggeg.RDckliehrlhrerBescliwerden. Unter Echtheitsgarantie erhalten Sie den ge. wünschten, an der Quelle abgefüllten örunnen frei Haus von der Mineralwasser-Großhandlung Otto Pachmayr, G.m.b.H., München Rufen Sie 2 7 4 71 oder 27 4 73 tionale4 Geist in der Deutschen Verkehrsfliegerschule treibt, die ja vom Reichsverkehrsministerium kontrolliert und maßgebend beeinflußt wird. Die Verkehrsfliegerschule hat sich seit einiger Zeit sozusagen als Attraktion einen ganz richtigen, garantiert echt jüdischen Flugschüler zugelegt, damit man zur Beruhigung böser Kritiker sagen kann: ,Bitte, sind wir nicht vorurteilsfrei? Wir haben ,sogar4 Juden!4 Dieser todesmutige und übrigens sehr tüchtige junge Mann erträgt freilich im Interesse der Erfüllung seiner ehrgeizigen Fliegerpläne ein wenig beneidenswertes Schicksal inmitten seiner antisemitischen Kameradschaft. Daß er als Jude von dieser stramm völkischen Elite geschnitten wird, versteht sich von selbst. Doch ist man dabei nicht stehengeblieben. Die verantwortlichen Leiter in Staaken, die Herren Major sa. D. Keller und Oberleutnant a. D. Zeisig, werden auf Anfrage gewiß gern Auskunft erteilen, bis zu welchen in der Presse nicht gut wiederzugebenden nächtlichen Szenen diese Judendiffamierung sich ausgetobt hat, ohne daß von ernsteren Disziplinarmaßnahmen etwas verlautet ist. Der völkische Aktivismus, der hier mit erheblichen republikanischen Steuergeldern unter Verantwortung des Reichsverkehrsministeriums gezüchtet wird, gehört offenbar genau so wie der Sportfimmel und das Kleinkaliberschießen zu den unerläßlichen Voraussetzungen eines werdenden Verkehrsflugzeugführers. Wer wundert sich, daß der gleiche Geist auch auf technischem und organisatorischem Gebiet Maßnahmen und Verkehrston bestimmt?44 Berlin, 21. September. (JTA.) Zu den Ausschreitungen in der Fliegerschule zu Staaken teilt das Reichsverkehrsministerium mit, daß Ende Juni d. J. tatsächlich eine Anzahl Flugschüler einen jüdischen Kameraden mißhandelt haben. Zwei der Haupträdelsführer sind daraufhin entlassen worden, zwei andere inzwischen aus anderen Gründen ausgeschieden, die übrigen Beteiligten sind durch vorübergehende Fernhaltung vom Unterricht gestraft worden. Weitere Mitteilungen über die Ausschreitungen in Staaken Berlin, 25. September. (JTA.) Gegenüber der Darstellung des Reichsfinanzministeriums über die antisemitischen Vorfälle in der Fliegerschule Staaken, der einzigen deutschen Fliegerschule, stellt die Zeitung „Montag Morgen44 die folgenden Tatsachen fest: „Es ist zunächst nicht richtig, daß der jüdische Flugschüler nur ,verprügelt4 worden sein. Tatsächlich wurde er nachts von seinen völkischen ,Kameraden4 aus dem Bett geholt, nackt an Händen und Füßen gefesselt, dann rasierte man ihm die Schamhaare ab und schließlich mußte er Spießruten laufen. Es ist auch nicht richtig, daß diese schändliche Barbarei ausreichend gesühnt worden sei. Nach glaubwürdigen Mitteilungen aus der Fliegerschule ist festzustellen, daß den Schuldigen nur ein achttägiges Startverbot auferlegt wurde, sie erhielten also als Strafe sozusagen Urlaub.44 Schließlich bemerkt „M. M.“: „Schon die Art dieser Bestrafung4 legt die Frage nahe, ob die Leiter dieser (zivilen!) Fliegerschule, nämlich Major a. D. Keller und Oberleutnant a. D. Zeisig, ihr Amt in richtiger Weise führen. Es scheint aber, daß in Staaken auch sonst manches nicht in Ordnung ist. Die Staakener Fliegerschule, die den gesamten deutschen Fliegernachwuchs stellt, ist offenbar eine Zitadelle militaristisch-reaktionären Geistes.— Die sich anmeldenden Schüler werden genau auf ,nationale Zuverlässigkeit4 und Familientradition geprüft; und nur aus Vorsicht, um gegenüber öffentlicher Kritik gesichert zu sein, nimmt man hie und da auch einen Bonzessionsschulzen4 auf, so wie der Mißhandelte einer war. Es ist notwendig, daß der Reichstag sich bei seinem Zusammentritt auch mit diesen Zuständen beschäftigt.“ Überfall durch Hitler-Leute am Kol-Nidre-Abend Zwei jüdische Männer durch Messerstiche schwer verletzt — Untätigkeit der Polizei Berlin, 25. September. (JTA.) Aus Oppenheim am Rhein wird telegraphiert: Am Sonntag, dem 23. September, abends, während die Judenschaft Oppenheims in der Synagoge zur Kol- Nidre-Andacht versammelt war, durchfuhren die Stadt drei Lastautos mit ewa 300 Nationalsozialisten auf dem Wege nach Mainz. In den Straßen Oppenheims suchten sie sich die Geschäfte heraus, die jüdische Firmennamen trugen und warfen mit Steinen in die Fensterscheiben, Als sie in die Nähe der Synagoge kamen, trafen sie auf Trupps jüdischer Männer, die nach Beendigung der Kol- Nidre-Andacht gerade aus der Synagoge kamen. Die in der Überzahl befindlichen Nationalsozialisten verließen die Lastautos und fielen über die Juden her. Dabei wurden zwei der Überfallenen durch Messerstiche schwer verletzt. Die „Vossische Zeitung“, die diese Vorfälle registriert, bemerkt ergänzend: „Die Oppenheimer Polizei scheint sich bei diesem unverschämten Überfall sehr passiv verhalten zu haben. Es kam wenigstens, obwohl das ein Leichtes gewesen wäre, nicht zu einer Sistierung der Bande. Die Überfallenen konnten die Nummern der Lastwagen feststellen, so daß es bei einigem gutem Willen möglich sein wird, die Namen der Rowdies in Erfahrung zu bringen.“ Hakenkreuzler in Hannover Hannover, 24. September. (JTA.) Ein Trupp Hakenkreuzler überfiel am Freitag abend Straßenpassanten und richtete diese mit Schlagwerkzeugen übel zu. Die Polizei sistierte 50 dieser Burschen, Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, und nahm ihnen ihre Instrumente, darunter eine Schußwaffe, ab.

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